Beim Fußball-Oberligisten TSV Ottersberg herrscht echte Krisenstimmung

„So lange ich was zu sagen habe, steigen wir nicht ab“

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Zwei, die derzeit durchaus sorgenvoll in die Ottersberger Zukunft blicken: Kapitän und Co-Trainer Benedetto Muzzicato und Wolf-Hinrich Haltermann.

Ottersberg - Von Frank von Staden. Als das 0:2 fällt, verstummen die zuvor lautstarken Wortschwalle von Ottersbergs Fußball-Urgestein Henning Haltermann schlagartig. Der einstige Vorsitzende des Oberligisten schleicht mit hängenden Schultern um den halben Platz Richtung Ausgang, registriert das 0:3 gegen den VfL Oldenburg nur noch mit einem Kopfschütteln. Der, der Jahrzehnte lang beim Wümme-Club der personifizierte Optimismus war – der, der die Flinte nie ins Korn warf, gesteht fast flüsternd: „Ja, heute haben wir den fiesen Charakter des Abstiegsgespenstes gesehen!“

Den letzten Sieg feierten die Grün-Weißen Anfang September beim 3:0 in Rotenburg, danach folgte zwischendurch noch einmal ein 1:1 in Göttingen. Eine gnadenlos schwache Ausbeute bei bisher acht Punkten aus elf gespielten Partien, die Tabellenplatz 14 bedeuten. So wäre der Sieg gegen den Mitabstiegskonkurrenten VfL Oldenburg so wichtig gewesen. Der Wille war zwar da (wir berichteten) und auch zahlreiche Tormöglichkeiten waren vorhanden, am Ende aber demonstrierten nur die Gäste, wie Tore geschossen werden. „Das sind die klassischen Symptome eines Abstiegskandidaten“, sagt da auch Jens Spieler, wie Haltermann ebenfalls lange Jahre im Fußball-Vorstand tätig und davor Torwart beim TSV Ottersberg, der alle sportlichen Höhen und Tiefen mitgemacht hat.

„Fakt ist, wir stehen hinten ganz gut, werden dann für den ersten kleinen Fehler sofort bestraft, rennen danach einem Rückstand hinterher und werden am Ende immer offener, weil wir vorn derzeit einfach nichts gebacken bekommen“, weiß da Innenverteidiger Alexander Huhn, der gegen Oldenburg den angeschlagenen Benedetto Muzzicato als Kapitän vertrat, natürlich genau, wo es vor allem hapert. Denn mit erst sieben geschossenen Toren gehört der TSV Ottersberg zusammen mit dem Tabellenvorletzten Rotenburger SV mit Abstand zu den schwächsten Teams der Liga. Selbst Schlusslicht Göttingen brachte es schon auf zwölf Treffer.

„Im Training lassen wir Torschussübungen abspulen, bis der Arzt kommt. Da sieht alles ganz gut aus. Dann folgt der Anpfiff und man glaubt, man ist im falschen Film“, kann auch Trainer Axel Sammrey nur noch hilflos mit den Achseln zucken. „Wir brauchen da vorn endlich einen, der nicht lange fackelt, der ab 16 Metern nichts mehr sieht, nur noch das Tor. Wenn es sein muss auch einen, der ’nen kleinen Nagel im Kopf hat. Hauptsache, er macht die Buden“, wünscht sich da nicht nur Routinier Johannes Ibelherr einen Vollblutstürmer. Und die Ottersberger Fans denken mit Wehmut an die Saison 2011/2012, als Alexander Neumann und Mazan Moslehe die Liga fast im Alleingang aufmischten. „Im Grunde fehlt uns nicht nur ein abgebrühter Stürmer, sondern auch noch einer, der das Spiel lenken und die Mannschaft führen kann“, hat auch Ottersbergs Interimschef Frank Schwarz erkannt, dass die Neuzugänge wie Dennis Thüroff oder Boris Koweschnikow aber auch Benedetto Muzzicato, denen man das im Vorfeld durchaus zugetraut hatte, diesem Anspruch einfach nicht genügen können.

Ändert sich nichts beim Oberliga-Dino (kein aktuelles Team gehört der Liga schon so lange an) im verflixten siebten Jahr, droht die Scheidung. Denn der Abstiegsvirus hat den TSV Ottersberg ja nicht nur erreicht, er hat ihn bereits kräftig infiziert. Scheidung und Krankheit allerdings sind nicht nur für Henning Haltermann Unworte, sondern vor allem auch für seinen Bruder Wolf-Hinrich, Mäzen und neben Markus Bremermann derzeit so etwas wie sportlicher Leiter beim TSV. Der gesteht dann auch ein, „dass ich diesem Kader und auch dem ein oder anderen Neuzugang sehr viel mehr zugetraut habe. Doch so lange ich hier was zu sagen habe, steigen wir 100-prozentig nicht ab!“

Dafür würde der Geschäftsmann auch noch einmal kräftig in der Winterpause nachbessern wollen, sollten sich in den nächsten Wochen sportlich nicht einschneidende Veränderungen einstellen. Und der einstige Freundeskreisvorsitzende geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn es sein muss, erhält diese Mannschaft im Winter ein völlig anderes Gesicht!“

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