NFV will jetzt den Abbruch mit Saisonannullierung

Auch der Fußball geht in die Tonne

Nach vielen anderen Sportarten droht nun auch der Amateurfußball in der Tonne zu verschwinden. Der NFV denkt zumindest laut über einen Abbruch nach.
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Nach vielen anderen Sportarten droht nun auch der Amateurfußball in der Tonne zu verschwinden. Der NFV denkt zumindest laut über einen Abbruch nach.

Nun hat endlich auch der Niedersächsische Fußballverband (NFV) ein Einsehen und beschloss am Dienstagabend, in den kommenden Tagen die laufende Saison abzubrechen. Dabei soll eine Saisonannulierung bevorzugt werden.

Verden/Achim – Die Sehnsucht Fußballplatz, sie steigt bei einigen fast schon ins Unerträgliche. Andere wiederum haben sich damit bereits abgefunden, dass auch diese Saison nicht mehr beendet werden kann. So wie der Niedersächsische Fußballverband. Erstmals haben sich jetzt auch die Verantwortlichen des NFV, die sich am späten Dienstagabend nicht turnusmäßig virtuell trafen (siehe Text links), für eine vorzeitige Beendigung dieser laufenden Serie ausgesprochen, nachdem sie zuvor doch immer wieder Durchhalteparolen herausgaben.

Schon am Wochenende wurde ein Schreiben an die Vereine versandt. Zwar gleicht dieses stark denen aus der Vergangenheit, doch beinhaltet es einen Kernsatz, der zwar sehr verklausuliert formuliert ist, aber letztlich eine klare Aussage manifestiert: Der NFV will in den kommenden Tagen die Saison für beendet erklären! So schreibt Steffen Heyerhorst, NFV-Direktor und Justiziar wörtlich: „Sofern jetzt jedoch absehbar ist, dass diese avisierte sportliche Lösung aufgrund der politischen/behördlichen Vorgaben/Beschränkungen und/oder weiterer in Ansatz zu ziehender gewichtiger Gründe aufgrund der sich zum jetzigen Zeitpunkt erst manifestierenden (leider negativen) Entwicklungen im Pandemiegeschehen (wie z. B. erneut steigende Inzidenzwerte, vom politischen Plan abweichende Impfsituation, unpraktikable Teststrategien, insgesamt daraus resultierende mangelnde Öffnungsschritte) nicht mehr möglich sein sollte, werden wir – in den kommenden Tagen und Wochen – über weitere (verhältnismäßige) Alternativen zum Umgang mit dem Spieljahr 20/21 diskutieren und dazu beschließen.“ Am Dienstag wurde sich nun aber klar für einen Abbruch entschieden.

Abbruch schon am Wochenende ins Auge gefasst

Statt Abbruch benutzt Heyerhorst zwar das Wort „Alternativen“ – doch bedeutet das nichts anderes! Und legt man die aktuellen Entwicklungen zu Grunde, ist eine Rückkehr auf den Platz nicht zu vertreten. Zwar haben Vereine wie der TSV Etelsen, TV Oyten oder auch SV Wahnebergen das „Go“ des hiesigen Gesundheitsamtes genutzt, um wieder „Teamsport mega-light“ zu betreiben, doch die Inzidenzzahlen sprechen eine ganz andere Sprache. Die stiegen und steigen immer noch fast schwindelerregend. Der gestrige Wert in Niedersachsen betrug knapp 97, war damit drastisch höher als am Tage der Saisonunterbrechung am 28. Oktober (67). Und nach der Bund-Länder-Konferenz am Montag ist das einstige Vorhaben des NFV auf Null gesunken, den Ball wettbewerbsmäßig ab Ostern wieder rollen zu lassen. Was dann klar macht: Eine Saisonverlängerung bis zum 21. Juli wäre schon nicht mehr ausreichend!

Doch warum wurde nicht schon am Dienstagabend abgebrochen? Ist da noch ein komplizierter Fragenkatalog abzuarbeiten? Wie soll gewertet werden? Annullierung und nach Absinken des Inzidenzwertes – wann auch immer – erneut bei null anfangen? Oder die Quotientenregelung zum Tragen kommen lassen, damit es Auf- und Absteiger gibt? Oder diese Saison doch lieber quasi einfrieren? Auch nach der virtuellen Zusammenkunft der Großkopferten des NFV-Fußball in dieser Pandemie konnten diese Fragen nicht konkret beantwortet werden. Deshalb das Zögern?

Trainer plädieren mehrheitlich für Abbruch

Und so fängt es an der Basis nicht erst seit ein paar Wochen an zu rumoren. „Die Saison auf Teufel komm raus durchzupeitschen, ist sicher die dümmste Entscheidung. Wir wollen langsam endlich Klarheit“, sagte da zuletzt Bassens Bezirksliga-Trainer Uwe Bischoff. Dem pflichtete Nils Krüger, sein Pendant vom MTV Riede, bei, sagte: „Wir wollen jetzt eine Antwort. Denn die Zahlen steigen und steigen. Und das werden sie noch drastischer, wenn die Reisewütigen aus Mallorca zurückkehren werden!“

Auch für Florian Warmer, Sportlicher Leiter des Oberligisten TB Uphusen, gab es keine zwei Meinungen. „Ein Abbruch ist die einzig sinnvolle Entscheidung. Alles andere könnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.“ Dass es dabei zu einer Wertung kommen muss, dessen ist sich Warmer bewusst, sagte: „In unserer Ausschreibung ist das ganz klar geregelt. Und die wurde auch von allen Oberligisten vor Saisonbeginn unterschrieben. Daher haben wir sie auch zu akzeptiern. Ganz egal, welche Variante der NFV dann letztlich bezüglich Auf- und Absteiger wählt.“

Zeit für Fortsetzung zu knapp

Beim TB Uphusen haben sich die Verantwortlichen um Trainer Christian Ahlers-Ceglarek ohnehin mit einem Saisonabbruch arrangiert, da der Zeitfaktor keinen anderen Spielraum mehr zulässt. „Ein Spielbetrieb ist in meinen Augen nicht mehr zu realisieren. Daher wären wir schon froh, wenn wir wenigstens zum normalen Training wieder auf den Platz könnten“, so Warmer.

Auch Nils Goerdel, der mit seinem Team in der vergangenen Woche schon einige Trainingseinheiten absolviert hat, kann sich eine Fortsetzung der Saison nicht wirklich vorstellen. „Die aktuellen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Daher ist ein Abbruch die sinnvollste Entscheidung“, erklärte der Trainer des Landesligisten TSV Etelsen. „Allerdings wäre eine Annullierung fatal. Und auch von einer Quotientenregelung halte ich nichts. Ich wäre dafür, dass die Saison eingefroren wird und dann mit dem aktuellen Stand zu Ende gespielt wird, wenn es die Zahlen dann wieder erlauben.“

Von Frank Von Staden und Kai Caspers

Offizieller Presse-Text des NFV am Dienstagabend

Verden – Die Mitglieder des NFV-Vorstandes haben sich Dienstagabend in einer nicht turnusmäßigen Zusammenkunft über den weiteren Umgang mit der derzeit unterbrochenen Saison 2020/2021 beraten. „Der Verbandsvorstand, dem unter anderem die Vorsitzenden der 33 niedersächsischen Fußballkreise angehören, muss die Corona-Sachlage anhand von Fakten und ‚auf Sicht‘ bewerten, um zu verhältnismäßigen Entscheidungen im Umgang mit dem Spieljahr zu gelangen. Unsere feste Absicht war die sportliche Beendigung der Saison. In wie weit dieses Ziel angesichts der inzwischen wieder drastisch gestiegenen Infektionszahlen und der Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz noch realistisch ist, war Gegenstand unserer heutigen Erörterung“, erklärte NFV-Präsident Günter Distelrath.

Dabei zeichnet sich ab, dass mangels Eintritts der nach dem Stufenplan erforderlichen Inzidenzwerte und Öffnungsschritte das Mannschaftstraining und der Pflichtspielbetrieb nicht rechtzeitig wieder aufgenommen werden können, um an der sportlichen Fortsetzung und Beendigung der Saison 2020/2021 bis maximal zum 21. Juli 2021 festzuhalten. Insofern wird der Verband im Rahmen einer ordentlichen Verbandsvorstandssitzung in der kommenden Woche zur weiteren Planungssicherheit für Vereine und Verband eine alternative und finale Entscheidung zum Umgang mit dem Spieljahr 2020/2021 treffen, heißt es in einer Presseerklärung.

Bevorzugte Variante ist nach dem Austausch der Abbruch in Form der Annullierung – unter Berücksichtigung der Schnittstellenlösungen zwischen dem Niedersächsischen Fußballverband und den Spielklassen- und Pokalwettbewerben von übergeordneten Verbänden.

Ein Kommentar dazu von Kai Caspers

Sieg der Vernunft

Na bitte, es geht doch! Nachdem sich der Niedersächsische Fußballverband in den vergangenen Wochen vehement vor einer finalen Entscheidung gedrückt hat, bekennt der NFV nun endlich Farbe. Noch ist der Abbruch der Saison zwar nicht in Stein gemeißelt, aber gemäß der Pressemitteilung dürfte er spätestens nächste Woche endgültig zur Gewissheit werden. Und das ist die einzig richtige Entscheidung. Denn alles andere wäre in diesen Zeiten auch nicht mehr zu vermitteln gewesen. Oder wie will es der NFV erklären, wenn sich Teams zu Punktspielen auf dem Fußballplatz treffen, während sich ansonsten maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen?

Schon NFV-Präsident Günter Distelrath hatte im Oktober zu verstehen gegeben, dass der Fußball im Gegensatz zur eigenen Gesundheit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Daher ist es nur konsequent, dass in Anbetracht der steigenden Inzidenzwerte nun entsprechend gehandelt wird. Zumal das Rumgeeiere endlich ein Ende haben muss. Denn auch die Vereine, die schon lange nicht mehr ernsthaft an ein sportliches Ende der Saison geglaubt haben, waren des Wartens mittlerweile längst überdrüssig.

Mit dem eingeleiteten Abbruch ist nun der erste Schritt getan. Auch die finale Entscheidung bezüglich der Wertung der Saison ist für die kommende Woche angekündigt. Respekt! Allerdings riecht es da schon jetzt nach einer dicken Überraschung. Wurde bis dato immer betont, dass es Auf- und Absteiger geben muss, wird nun scheinbar die Annullierung bevorzugt. Gut, dann haben die Vereine zumindest Planungssicherheit. Aber es riecht auch nach Ärger!

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