Etelserin schon elffache Deutsche Meisterin

Anika Müller: „Radpolo ist meine Passion“

Etelsens Radpolospielerin Anika Müller zeigt einen Ball.
+
Blickt auf eine Erfolgsgeschichte: Etelsens Anika Müller will aber auch nach der Pandemie angreifen.

Anika Müller begründete Anfang der 2000er-Jahre die Erfolgs-Ära des Bundesligisten RV Etelsen. Elf DM-Titel stehen seither in der Vita der passionierten Radpolospielerin. Nach der Pandemie will sie wieder angreifen und das Dutzend vollmachen.

Etelsen – In ihrer Vita stehen beachtliche elf Titel einer Deutschen Meisterin im Radpolo. Hinzu kommen noch etliche Titel im Deutschlandpokal. In dieser, zugegebenermaßen, Randsportart hat Anika Müller vom RV Etelsen ihre Leidenschaft gefunden und wurde schon früh für diese Disziplin begeistert. Mit einem umgebauten Fahrrad sowie ihrem Mini-Schläger übte sie akribisch abseits der Spieltage der Erwachsenen.

„Mich für diesen Sport zu begeistern war wirklich keine bewusste Entscheidung. Im Radpolo habe ich meine Passion gefunden“, ist für die Linkshänderin der Weg noch nicht am Ende.

Aktuell mit Maren Struckmann im Team

Allerdings ist der Nachwuchs eher rar gesät, und derzeit spielte die 37-Jährige in der Eliteliga mit Maren Struckmann aus Niedernehmen (Nordrhein-Westfalen) im Team. 2019 hatte Struckmann in Etelsen angefragt und schwups spielte sie mit Müller das Deutschlandpokal-Viertelfinale. „Niedermehnen ist nicht eben um die Ecke, sodass man sich kurz zum Training trifft“, verdeutlicht Müller die Situation. Kein Wunder also, dass es bei der neu zusammen gestellten Mannschaft zunächst noch ruckelte.

So war vor dem ersten gemeinsamen Auftritt im Viertelfinale des Deutschlandpokals im Dezember 2019 in Wetzlar beiden nur eine gemeinsame Trainingseinheit vergönnt. Den ersten gemeinsamen Auftritt in der 1. Bundesliga im Januar 2020 schaffte das Duo dennoch mit Bravour – nach einem beeindruckenden Spieltag holten beide sechs Punkte aus drei Partien.

„Die ersten Spiele mit Maren waren noch sehr ungewohnt. Die Abläufe und Fahrwege stimmten noch nicht. Alles muss sich natürlich erst mal einspielen und man muss sich neu finden“, gibt Etelsens erfolgreichste Radpolospielerin zu verstehen. Beim faszinierenden Sport, der allerdings wie viele Amateursportarten zurzeit wegen der Corona-Pandemie ausgebremst ist, sind eine gehörige Portion Koordination, ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn und ein schnelles Umschaltspiel gefragt.

Riesen-Erfolge mit Jennifer Knocke als kongenialer Partnerin

Die Erfolgsstory des RVE begann eigentlich Anfang der 2000er-Jahre, als Linkshänderin Müller an der Seite von Tanja Schwarz (geborene Prahl) einen tollen dritten Rang bei den deutschen Titelkämpfen 2001 in Moers herausfuhr. Noch am Tag zuvor hatte Müller die Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga mit ihrer Partnerin Jennifer Krüger (geborene Knocke) erfolgreich bestritten, bevor am Folgetag die Bronzemedaille folgen sollte. Müller erinnert sich: „Das Wochenende war schon sehr anstrengend. Nach einer langen Rückfahrt wurde uns im Etelser Gasthaus Wätjen ein toller Empfang bereitet.“ Die Empfänge sollten in den kommenden Jahren zur Routine werden...

Beginnend im Jahre 2002 mischte das Erfolgsduo Anika Müller/Jennifer Knocke die 1. Bundesliga auf. In den folgenden Jahren standen gleich neun Titel eines Deutschen Meisters zu Buche – und es gelang das Kunststück, acht Mal am Stück zu triumphieren. Den Grundstein legte Trainer Heiner Abbetmeyer, der durch seine Akribie und seinen Ehrgeiz den einzigartigen Weg von Knocke/Müller bereitete und drei deutsche Meisterschaften mit dem Erfolgsduo an sein Revers heften konnte.

„Wir haben ihm wirklich sehr, sehr viel zu verdanken. Er war immer ein strenger Motivator mit dem Herz am rechten Fleck. Ein Meistertrainer eben“, strahlte Müller, die sich als Linkshänderin bestens mit Jennifer Knocke, die das Radpolotor hütete, ergänzte. Beide wüssten genau, wie der andere tickt, weil sie schon von Kleinauf zusammen gespielt hätten und die Fahrwege beinahe schon automatisiert waren, wie Müller klar herausstellt.

Mit ihrer langjährigen Partnerin Jennifer Krüger, geb. Knocke (rechts), begründete Anika Müller am Anfang des Jahrtausends die RVE-Ära.

Insbesondere die Titel-Premiere bleibt im Gedächtnis haften. „Die Freude nach der ersten Meisterschaft war einfach unfassbar. Mit dem Spielsystem von Heiner, den Ball schnell laufen zu lassen, der Tatsache, dass meine Eigenschaft als Linkshänderin unserem Spiel obendrein guttut und weil Jenny und ich uns auf dem Spielfeld einfach blind verstanden haben, begründete sich unser Erfolg“, beschreibt Anika Müller das Geheimnis hinter den folgenden vielen Titeln – eine wahre Ära des RVE im deutschen Radpolo war entstanden.

Auch der Finalerfolg gegen den RSV Seeheim I (Hessen) Jahre bleibt noch Jahre später, unvergessen. Müller schmunzelt: „Ich war aufgrund der anstehenden Abschlussprüfung meiner Ausbildung die zwei Wochen vor der Meisterschaft in Hannover und bin erst nachträglich zu den Meisterschaften angereist. Deswegen konnten wir im Vorfeld auch sehr wenig trainieren.“ Noch in der Vorrunde hatte Etelsens Topduo gegen den Finalgegner eine ordentliche Packung (4:11) hinnehmen müssen. Doch der Lerneffekt und die Reaktion als Team waren enorm, sodass im Endspiel in der 14-minütigen Spielzeit der RSV deutlich in die Schranken gewiesen wurde. Im Übrigen fiel die Revanche mit dem gleichen Trefferabstand aus wie bei der Niederlage in der Vorrunde (9:2).

Jenny und ich haben es uns zum Ritual gemacht, dass wir uns vor jedem Finalspiel vor der Halle irgendwo draußen hingelegt haben und mal gemeinsam runtergefahren sind. Natürlich haben wir auch Kleinigkeiten besprochen, die wir im Spiel umsetzen wollen. Aber einfach mal abzuschalten ist wichtig.

Etelser Radpolo-Crack Anika Müller über eines ihrer Erfolgsrezepte

„Jenny und ich haben es uns zum Ritual gemacht, dass wir uns vor jedem Finalspiel vor der Halle irgendwo draußen hingelegt haben und mal gemeinsam runtergefahren sind. Natürlich haben wir auch Kleinigkeiten besprochen, die wir im Spiel umsetzen wollen. Aber einfach mal abzuschalten ist wichtig, auch wenn es im Oktober draußen nicht immer schön ist. Wenn man morgens früh mit den Spielen beginnt und das Finalspiel dann erst am Abend ist, steht man den ganzen Tag unter Strom“, schmunzelte Müller.

In den nächsten Jahren wurde es ruhiger. Jedenfalls in Sachen Meistertitel. Im Jahre 2015 wollte die kongeniale Partnerin Jennifer Knocke wieder einsteigen, aber sie wurde schwanger. Somit musste der Platz in der Eliteliga abgegeben werden. Im kommenden Jahr fanden sich Müller und Viola Prahl (geborene Waschwill) zusammen, kehrten in die Bundesliga zurück und spielten dort eine Saison zusammen. Claudia Benke hatte nun auch wieder Lust auf Radpolo. Doch sie musste der Mehrfachbelastung mit zwei kleinen Kindern sowie einem Ehemann im Schichtdienst Tribut zollen.

Nach der Pandemie folgt der Traum vom Titel-Dutzend für RV Etelsen

Im Jahr 2020 meldete sich Maren Struckmann und beide spielten das Viertelfinale im Deutschlandpokal sowie drei Spieltage. Dann war aufgrund der Corona-Pandemie wieder Schicht im Schacht. Doch die Lust am Radpolo ist ungebrochen und für die Spielzeit 2021 ist das RVE-Duo auf jeden Fall gemeldet. Sobald die Pandemie ihre Zügel lockert und ein Spielbetrieb möglich ist, wollen Müller/Struckmann angreifen. Und der Titel eines deutschen Meisters ist natürlich nicht ausgeschlossen – damit würde Anika Müller das Dutzend Meistertitel vollmachen. Wenn das kein Anreiz ist...

Von Björn Lakemann

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

BVB verpasst Coup in Manchester: 1:2 nach achtbarem Kampf

BVB verpasst Coup in Manchester: 1:2 nach achtbarem Kampf

Meistgelesene Artikel

Training trotz Corona: Etelsen startet

Training trotz Corona: Etelsen startet

Training trotz Corona: Etelsen startet

Kommentare