Langwedel 1971 die Geburtsstätte des Damenfußballs im Kreis Verden

Am Anfang noch belächelt

Gut gelaunt präsentierten sich die Frauenfußballerinnen des FC vor der Kreisligasaison 1993.
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Gut gelaunt präsentierten sich die Frauenfußballerinnen des FC vor der Kreisligasaison 1993.

Langwedel – 50 Jahre Frauenfußball. Da kann auch der FC Langwedel ein Wörtchen mitreden. Denn 1969/70 starteten die Damen des FC mit den ersten Trainingseinheiten, in denen Walter Gerken, Armin Korb und Gerd Ahnemann den jungen Damen die Grundzüge des Fußballs näher brachten.

Die mittlerweile 83-jährige Annegret Gerken gehörte zu den ersten Damen, die in Langwedel gegen den Ball traten. „Wir haben damals immer bei unseren Männern zugesehen und wollten dann auch selbst mal spielen. Neben mir war auch meine Tochter Petra dabei. Dazu gesellte sich Marion Domschat sowie ihre Schwester Renate. Und die konnte ihre Freundin motivierten. Ligrid Röge spielte im Tor und auch Heidemarie, Erika, Eva, Brigitte, Dörte, Gertrud, Hildegard waren mit von der Partie. An alle kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Dennoch hatten wir ruck zuck eine Mannschaft zusammen. Zu Anfang wurden wir sehr belächelt und es hieß immer, warum wollt ihr Frauen denn Fußball spielen? Aber es hat einfach Spaß gemacht, ehe es später dann ernster wurde“, erinnert sich Annegret Gerken gerne zurück.

Heidemarie Korb, ebenfalls Gründungsmitglied beim FC, konnte sich noch an die ersten Niederlagen erinnern: „Die ersten Spiele haben wir alle haushoch verloren. Im Freundschaftsspiel gegen Posthausen sogar 0:11. Und auch bei den ersten Ligaspielen sahen wir keine Sonne. Mit der Zeit wurde es dann besser und wir haben dann auch mal gewonnen“.

Später wurde Langwedel zur Geburtsstätte des Damenfußballs im Kreis Verden. Am 1. April 1971 fand die Gründungsversammlung statt. Zu der konnte Kreisspielausschussobmann Walter Koske Vereinsvertreter aus Achim, Verden, Posthausen, Quelkhorn, Langwedel, Kirchlinteln und Westen begrüßen. Aus diesen Teams setzte sich dann auch die erste Staffel zusammen. die am 18. April 1971 mit dem ersten Spieltag begonnen wurde. Dass die Damen in einer 7-er Besetzung spielen sollten, fand keine Zustimmung. Gleichberechtigung war angesagt, sodass genau wie bei den Männern mit elf Spielerinnen gespielt wurde. Wobei das mitunter nicht ganz so eng gesehen wurde. Denn wenn bei der einen Mannschaft mal jemand fehlte, wurde sich beim anderen Team die eine oder andere Spielerin ausgeliehen. Auch die Spielzeit betrug zunächst nur zweimal 30 Minuten. Erst mit den Jahren wurden daraus zwei Hälften mit je 45 Minuten.

1977 startete dann die neue Generation beim FC Langwedel, die von Annegret Gerken nur noch betreut wurde. „Ich habe seinerzeit die Tischtennisabteilung gegründet und mich immer mehr vom Fußball zurückgezogen“, weiß Gerken noch heute. Klaus Jahnke und Thomas Behrmann waren fortan für das Training verantwortlich und dieses konnte sich sehen lassen. Zur damaligen Mannschaft gehörten Karin Zerbe, Gisela Both, Sabine und Traute Meyer, Petra Gerken, Elke Klein, Heike Menge, Christiane Vast, Claudia Jahnke, Jutta Rondthaler und Dörte Böhning. Die ersten Erfolge waren schnell sichtbar, denn das FC-Team fand sich urplötzlich in der vorderen Tabellenhälfte wieder. Auch in spieltechnischer und taktischer Hinsicht machten die Damen Fortschritte. Zwar wurde oft noch immer in Netzstrumpfhosen gespielt und über die spielenden Frauen gelästert, aber das war denen egal. 1981 gelang sogar der Aufstieg in die Bezirksklasse, in der das FC-Team erfolgreich mitspielen konnte. „Da wir später dann teilweise zu wenig Spielerinnen hatten und mitunter nur zu Neunt oder Zehnt zu den Punktspielen gefahren sind, haben wir uns in Anbetracht der weiten Fahrten nach Hammah, Tostedt und Hollen dazu entschlossen, dass wir 1985 freiwillig in die Kreisliga gegangen sind“, berichtet Claudia von Kiedrowski, die seit 1980 dabei war. „Früher war es mit Genehmigung der Eltern und einer sportärztlichen Bescheinigung noch erlaubt, als 13-Jährige bei den Damen zu starten. Somit stand ich kurz nach meinem 13. Geburtstag erstmals in einem Punktspiel auf dem Platz. Und das haben wir gegen Eiche Neu St. Jürgen mit 4:0 gewonnen“, erinnert sich von Kiedrowski, die durch ihre Mutter Heidemarie Korb zum Fußball kam.

Der FC Langwedel kämpfte sich von Saison zu Saison. Viele Erfolge, wie Pokalsiege und Turniersiege blieben in Erinnerung. Spielerinnen kamen und gingen. Im Jahre 2000 war dann Schluss. Denn es fehlte nicht nur ein Trainer, sondern es gab auch nicht genügend Spielerinnen für eine weitere Saison. Einige hatten aufgehört oder eine Familie gegründet. Der Rest ging nach Kirchlinteln, Hassendorf und Bierden. „Ich hätte gerne in Langwedel weitergespielt, hatten wir 1994 doch erst das 25-jährige Jubiläum der Frauenmannschaft groß gefeiert. Aber leider kam die Unterstützung vom Verein zu spät. Die Spielerinnen hatten sich schon anderweitig orientiert“, bedauert von Kiedrowski das Ende im Jahr 2000.

Dennoch treffen sich die „Alten“ zwischendurch immer mal wieder, um über alte Zeiten und Highlights zu schwadronieren. Daher rührte auch die Idee, das Ereignis „50 Jahre Frauenfußball“ in Langwedel gebührend zu feiern. Aufgrund der Corona-Pandemie steigt es nun jedoch im kleinen Rahmen am 3. Oktober auf dem Sportplatz des FC Langwedel. „Vielleicht machen wir das DFB-Fußballabzeichen. Aber auf jeden Fall wird gegrillt und etwas gefeiert. Hoffentlich kommen auch einige aus der Gründungszeit dazu“, würde sich Traute Meyer, die seit 1977 in Langwedel Tore geschossen hatte, darüber sehr freuen.

Von Claudia Von Kiedrowski

Mit dieser Mannschaft fing 1970 alles an bei den Damen des FC Langwedel.

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