Sein Weg in die Insolvenz

Clever fit: Falsches Spiel mit Achimer Ex-Betreiber Lars Hildebrandt?

Sind dabei, das Studio in Achim zu räumen: Andrea Warfsmann-Bents und Ex-Betreiber Lars Hildebrandt.
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Sind dabei, das Studio in Achim zu räumen: Andrea Warfsmann-Bents und Ex-Betreiber Lars Hildebrandt.

Lars Hildebrandt, ehemaliger Besitzer des Achimer Fitnessstudio clever fit, behauptet, dass er keine Insolvenz hätte anmelden müssen, wenn ihm sein Franchisegeber die versprochene Hilfe gegeben hätte.

  • Pleite des Achimer clever fit-Studios hätte verhindert werden können.
  • Der ehemalige Besitzer Lars Hildebrandt wirft clever fit-Geschäftsführung unterlassene Hilfeleistung vor.
  • Studio soll aber schon bald wieder unter clever fit-Fahne eröffnen.

Achim – Hinter jeder Nachricht – wie groß oder klein, wie interessant oder doch eher uninteressant, ob negativ oder positiv – steckt immer auch eine Geschichte. Wie bei Lars Hildebrandt, dem ehemaligen Besitzer des Achimer Fitnessstudios clever fit, der kürzlich Insolvenz anmelden musste.

Der sagt jetzt: „Das hat allerdings nur bedingt etwas mit Corona zu tun. All das hätte so nie passieren müssen, wenn mich mein Franchisegeber nicht hätte hängen lassen!“

Vor der Insolvenz besaß Hildebrandt, der in diesen Tagen sein einstiges Studio am Fritz-Lieken-Eck ausräumt, vier clever fit-Centren. Neben das in Achim noch eines in Nordenham, im ostfriesischen Norden sowie in Bremen-Walle. Dass die Fitness-Herberge in Achim viel Geld an Miete verschlang, will Hildebrandt nicht abstreiten, „doch ich bin klargekommen.“ Weit über 10 000 Euro soll der Betreiber dabei jeden Monat gezahlt haben. Über Summen will Hildebrandt dann zwar nicht sprechen, ins Land der Fantasien will er sie aber auch nicht schicken. Im Gegenteil.

Im März 2019 erhielt der gebürtige Kasseler laut eigenen Aussagen eine letztlich verhängnisvolle Anfrage seitens seines Franchisegebers. In diesem Telefonat soll der 43-Jährige darum gebeten worden sein, das insolvente clever fit in Bremen-Walle zu übernehmen. „Ich habe dann deutlich gemacht, dass ich niemals ein angeschlagenes Studio ohne die nötige Unterstützung übernehmen würde, zumal ich erst eineinhalb Jahre zuvor das Studio in Nordenham eröffnet und im Januar 2019 sowohl den Umzug in Achim von der Borsteler Landstraße ins Fritz-Lieken-Eck als auch die Renovierung aus Eigenmitteln bezahlt hatte. So habe ich erst etwas gezögert, dann aber zugesagt, weil mir ganz klar die nötige Hilfe in einem Notfall zugesichert wurde“, lässt Hildebrandt die Ereignisse noch einmal Revue passieren. Was er da noch nicht ahnte: 30 Prozent der Bestandsmitglieder in Walle sollten kurz nach Vertragsabschluss zwischen ihm und der clever fit GmbH ihr außerordentliches Kündigungsrecht in Anspruch nehmen.

Plötzlich war Funkstille! Ich stand alleine da. Das hat mich tief getroffen, auch wenn ich es als Selbstständiger hätte wissen müssen, dass man sich auf ein Wort nicht verlassen darf. Ich hätte mir etwas Schriftliches geben lassen müssen!

Lars Hildebrandt

So forderte er den zuvor versprochenen Griff unter die Arme bei seinem Franchisegeber ein. Doch es folgt der nächste Tiefschlag für den Unternehmer, der seit vielen Jahren in der Weserstadt wohnt und sich selbst als „Hanseaten mit den dazugehörigen nordischen Eigenschaften“ bezeichnet. „Erst gab es einen völlig inakzeptablen Hilfevorschlag. Als ich den ablehnte, herrschte plötzlich Funkstille! Ich stand alleine da. Von hilfreicher Unterstützung war keine Rede mehr. Das hat mich tief getroffen, auch wenn ich es als Selbstständiger hätte wissen müssen, dass man sich auf ein Wort nicht verlassen darf. Ich hätte mir etwas Schriftliches geben lassen müssen! Auch, wenn man zuvor viele Jahre vertrauensvoll zusammengearbeitet hat“, macht sich der ehemalige Achimer Studio-Besitzer auch heute noch selbst immer wieder große Vorwürfe.

Was folgte, war natürlich ein enorm herber Verlust finanzieller Art! „Aber ich wollte nicht sofort wieder aufgeben, habe das Minus mit Geldern aus den anderen Studios ausgeglichen, um Walle irgendwie noch zu retten und um Zeit zu gewinnen“, so Hildebrandt. „Wir Mitarbeiter hatten sofort das Gefühl, dass den Verantwortlichen von clever fit unsere Ängste und Nöte in diesem Moment völlig egal waren“, fügt da Hildebrandts Regionalleiterin Andrea Warfsmann-Bents unterstützend an. Auch sie ahnte schnell, dass Bremen-Walle das bisher gut funktionierende Konstrukt ihres Chefs ins Wanken bringen könnte.

Das „Ausgleichsspiel“ ging auch einige Zeit gut. Dann aber verhängte die Regierung im März 2020 den Lockdown. Für den einstigen Fußballer, der auch schon für den Rotenburger SV aktiv war, quasi der Super-Gau. Das Studio in Bremen war sehr schnell nicht mehr zu halten, am Ende musste Hildebrandt Insolvenz beantragen, die laufenden Kosten fraßen ihn auf.

Familie greift unter die Arme

Der 43-Jährige hatte allerdings Glück im Unglück. So schaltete sich seine Familie ein, die im späteren anonymen Bieterverfahren das beste Angebot für die drei verbliebenen Studios abgab und so quasi zum Rettungsring avancierte. Ein clever fit-Vertreter, der ebenfalls mitgeboten hat, ging leer aus. Dennoch soll dieser Hildebrandt und sein Team noch ein letztes Mal in die Suppe gespuckt haben. So versichert der Studio-Betreiber: „Man hat versucht, mich und meine Familie bei den Vermietern der Studio-Gebäude in Misskredit zu bringen. In Achim war man leider erfolgreich!“

Was die Verantwortlichen des Easyfitness um den Regionalmanager Bastian Aucamp auf den Plan rief. Und für dessen Team bricht Hildebrandt dann eine Lanze, versichert: „Ich habe die Vertreter als ungemein sympathisch und integer kennen- und auch schätzen gelernt! Sie haben keine leeren Versprechungen gemacht und haben meinen Mitgliedern als auch meinen Mitarbeitern letztlich eine echte Perspektive geboten, indem sie ihnen ein sehr faires Übernahmeangebot ihrer Verträge gemacht haben.“

Fakt ist, dass ein anderer Franchisenehmer aus der clever fit-Gruppe bewusst versucht hat, das Sanierungsbemühen zu sabotieren. Wir hätten eigentlich alles sauber durchführen können.

Dr. Ralf Götz, Insolvenzverwalter

Dr. Ralf Götz von der Bremer Kanzlei B+O Böhme-Götz-Geske, der Insolvenzverwalter in diesem Verfahren, erklärte auf Nachfrage, „dass sich die clever fit GmbH im vorläufigen Insolvenzverfahren in den Abläufen absolut fair verhalten hat.“ Zur unterlassenen Hilfeleistung des Franchisegebers im Fall Bremen-Walle konnte er keine Stellung nehmen, wohl aber zu dem Vorwurf Hildebrandts, dass ein clever fit-Franchisenehmer gezielt versucht habe, ihn in Misskredit zu bringen.

„Fakt ist, dass dieser Franchisenehmer aus der clever fit-Gruppe bewusst versucht hat, das Sanierungsbemühen zu sabotieren. Der Studiobetrieb hätte bereits seit September 2020 saniert sein können, nun musste er geschlossen werden. Der Gebäudevermieter hat alle von uns vorgestellten Erwerber, so auch Herrn Hildebrandt, mit der pauschalen Begründung abgelehnt, die Bonität sei nicht ausreichend. Es war übrigens derselbe Franchisenehmer, der bei uns zuvor ein deutlich schlechteres Angebot für die Übernahme des Studios im Bieterverfahren abgegeben hatte!“ Und Hildebrandt fügt süffisant an: „Man wollte mit einem Schnäppchen den Jackpot landen! Denn allein in Achim verzeichnete ich 2500 Mitglieder.“

Das will Marcus Bulka, Mitglied der Geschäftsleitung von clever fit und Leiter Expansion, so nicht stehenlassen, hält dagegen: „Wir haben Herrn Hildebrandt von Anbeginn bei uns unterstützt. Es ist falsch, dass wir ihn zum Studio in Bremen-Walle gedrängt haben. Richtig ist, dass er auf uns zugekommen ist, denn er hat an diesen Standort geglaubt. Auch danach waren wir für ihn da. Die Frage ist nur, welche Art von Unterstützung er sich vorgestellt hat. Als die Probleme bei ihm immer größer wurden, haben wir dann auch angeboten, alle vier Studios von ihm zu übernehmen und abzukaufen. Statt aber in gute Gespräche und Verhandlungen einzusteigen, ist er in Urlaub gefahren und hat danach dann Insolvenz beantragt!“ Hildebrandt kontert: „Erstens habe ich eine Voice-Mail vom clever fit-Gründer Alfred Enzensberger, auf der dieser mich bittet, dass Waller Studio zu übernehmen! Zweitens war ich Ende 2019, also dreieinhalb Monate vor der Pandemie, die letztlich Auslöser der Insolvenz im April 2020 war, im Urlaub. “ Generell wird aktuell ein Sterben der Fitnessstudios befürchtet.

Nicht mehr lange, dann wird das Gebäude am Fritz-Lieken-Eck wieder leer stehen - oder doch nicht?

Zum Vorwurf der Diskreditierung äußert sich Bulka wie folgt: „Wir als Franchise-Zentrale haben Herrn Hildebrandt nie in irgendeiner Form schlecht gemacht oder in ein schlechtes Licht gestellt! Das möchte ich betonen. Wenn dann ein anderer Betreiber kommt und uns fragt, ob er um die Standorte kämpfen kann, sagen wir sicherlich nicht nein. Denn wir sind immer bemüht, diese zu halten. In welcher Form der Betreiber letztlich vorgegangen ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir werden dem aber nachgehen.“ Bulka abschließend: „Ich hoffe sehr, dass wir auch weiterhin in Achim vertreten sein werden. Ob in demselben Gebäude, wird sich zeigen.“

Die Fitnesskette clever fit GmbH ist für Lars Hildebrandt und seine Familie übrigens seit wenigen Wochen Geschichte. Die Zentrale hat all seine Verträge gekündigt. Hildebrandt und seine Familie sind deshalb weiß Gott nicht traurig. Im Gegenteil. Denn es wurde bereits ein neuer Partner gefunden – Easyfitness. „Das ist definitiv die bessere Wahl. Deren Umgang mit uns Franchisenehmern ist schon jetzt um Welten besser“, hat Hildebrandt das eine Berufskapitel zwar mit Schmerzen abgeschlossen, das andere aber mit neuem Mut aufgeschlagen. Wann Fitnessstudios wieder öffnen dürfen, bleibt abzuwarten.

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