Dressurreiter zur neuen Helmpflicht

Sicherheit oder Tradition im Reitsport? „Zum Frack gehört ein Zylinder!“

Nadine Husenbeth gefällt der Helm bei der Dressur.
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Nadine Husenbeth gefällt der Helm bei der Dressur.

Rotenburg – Seit Jahresanfang gilt im Reitsport auch für alle Dressurreiterinnen und Dressurreiter die Helmpflicht, die international eingeführt wurde. Damit müssen bis auf die Voltigierer und Westernreiter alle Pferdesportler einen Helm tragen. Dieser löst in der Dressur aus Sicherheitsgründen den traditionellen Zylinder ab. Das hat im Kreis der Aktiven zu viel Kritik geführt.

Größte Gegnerin ist die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt, Isabel Werth, die sich in den Vier- und Fünf-Sterne-Prüfungen gegen die neue Regel ausspricht: „Wir haben eine Umfrage gestartet. 97 Prozent der von uns Befragten sind für eine freie Wahl und nicht für eine Helmpflicht“, sagte sie gegenüber dem Sport-Informations-Dienst. Sie habe bis heute nicht davon gehört, dass es im Dressursport schon einmal einen schwerwiegenden Unfall gegeben habe. Es gibt aber auch Gegenbeispiele. Olympiasieger Sönke Rothenberger reitet etwa nur mit Helm – und auch Vielseitigkeits-Europameisterin Ingrid Klimke trägt ihn in der Dressur. Im US-Verband ist der Helm längst kein Diskussionsthema mehr. „Das ist, als wenn man den Sicherheitsgurt im Auto anlegt – und das stellt doch auch niemand infrage“, zitiert ntv.de die WM-Zweite Laura Graves.

Felicitas Rost (hier nach ihrem DM-Sieg 2017) trägt gerne Zylinder.

Jonny Hilberath, der deutsche Disziplintrainer Dressur, kommt aus dem Kreis Rotenburg. Der 65-Jährige ist in Abbendorf zu Hause und findet: „Grundsätzlich sollte es jedem Senioren-Reiter über 25 Jahre überlassen bleiben, ob er seine Dressurprüfung mit Zylinder oder Helm reitet. Es gibt keinerlei Statistik, dass sich ein Reiter bei einer Dressurprüfung eine Kopfverletzung zugezogen hat. Das Tragen eines Helms auf dem Abreiteplatz kann ich mir aber gut vorstellen.“

Die in Rotenburg beheimatete Felicitas Rost meint: „Bei solch einer Entscheidung gibt es immer Gewinner und Verlierer. Verlierer sind zum Beispiel die Leute, die bisher die Zylinder hergestellt haben. Bei Jungpferdeprüfungen und auch bei erfahrenen Pferden ist die Helmpflicht beim Abreiten und bei Siegerehrungen sicher sinnvoll, weniger aber bei den Grand-Prix-Pferden. Da ist meines Erachtens noch nie etwas passiert,“, sagt die ehemalige Deutsche Amateur-Meisterin und ergänzt: „Es hat auch vieles mit Ästhetik zu tun, aber auch mit Tradition und Kultur.“

Grundsätzlich sollte es jedem Senioren-Reiter über 25 Jahre überlassen bleiben, ob er seine Dressurprüfung mit Zylinder oder Helm reitet.

Jonny Hilberath, Disziplintrainer Dressur

Ähnlich sieht es Andrea Miesner (RFRV Scheeßel): „Bei den Jungpferdeprüfungen und bei den Ponys ist das meiner Meinung nach in Ordnung. Dagegen halte ich den Helm im Grand-Prix-Sport für völlig überzogen. Dort gehört zum Frack ein Zylinder und kein Helm“, bezieht die erfolgreiche Dressurreiterin klar Stellung.

„Allein aus Sicherheitsgründen ist das auf jeden Fall eine sinnvolle Sache. Es kann immer etwas passieren. Aus ästhetischen Gründen finde ich es aber schade, denn auch ich bin der Meinung, dass zu einem Frack ein Zylinder gehört“, betont Nicola Dimde vom RV Sottrum. Ihre Vereinskameradin Anja Rietbrock sieht es ähnlich: „Mit einem Zylinder ist es natürlich ästhetischer, aber wir können an dieser neuen Reglung nichts mehr ändern. Wir haben uns ja inzwischen auch schon an die Kappe durch das Tragen bei den Jungpferdeprüfungen gewöhnt. So schlimm ist es nun ja auch wieder nicht mit der Kappe. In den USA wird gar nicht danach gefragt. Wer dort ohne erwischt wird, wird richtig hart bestraft“, erzählt sie.

Auch Anja Rietbrock hat sich an die Kappe gewöhnt.

Auch die Sottrumerin Nadine Husenbeth findet die Einführung der Helmpflicht völlig in Ordnung: „Wir haben als Dressurreiter auch eine Vorbildfunktion. Zudem geht die Sicherheit auch in dieser Sportart über alles. In den Jungpferdeprüfungen ist eine Kappe schon lange Pflicht und kein Problem. Außerdem sind die heutigen Helme so bequem und so schick, dass ich voll hinter dieser neuen Reglung stehe.“

Vor allem in den Grand-Prix-Prüfungen werden sich also viele Dressurreiterinnen und -reiter umstellen und die ästhetischen Gründe beiseiteschieben müssen, denn für den internationalen Reiterverband FEI steht die Sicherheit an erster Stelle.

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