Nur drei Schwimmvereine sind im Kreis aktiv

„Die Zugpferde fehlen“

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Günter Schöpke vom TuS Rotenburg ist das Aushängeschild des Schwimmsports im Kreis. Doch rund um den Dauerbrenner ist es um die Leistungen seiner Mitstreiter ruhig geworden. In den vergangenen Jahren gab es im Umkreis kaum noch Talente. 

Rotenburg - Von Stefan Demps. Wenn es um die Entwicklung des Schwimmsports geht, wird Günter Schöpke nachdenklich. Kein Wunder: Schließlich hat die Sparte beim TuS Rotenburg dank des 75-jährigen Leistungssportlers und Trainers eine lange Tradition. Von Jahr zu Jahr wird es allerdings immer schwieriger, Nachwuchs sowie Übungsleiter zu motivieren. Doch der Wümme-Club steht mit diesem Problem nicht alleine da, auch die anderen Vereine im Kreis kämpfen dagegen an. „Die Zugpferde fehlen“, glaubt Schöpke.

Beim TuS Rotenburg sind derzeit 20 Jugendliche und vier Erwachsene aktiv. Das Training gestaltet sich vor allem für die Kinder sehr schwierig. „Von 18 bis 20 Uhr ist kein Training im Ronolulu möglich, da sonst wohl weniger Badegäste kommen würden“, erklärt Schöpke. „Die Trainingsbedingungen sind sonst aber super“, ergänzt er.

Gegenwärtig erschweren laut Schöpke Ganztagsschulen die zeitliche Planung der Hobbys. „Auf Bezirksebene brauchst du täglich mindestens 90 Minuten Training“, weiß der Altmeister aus eigener Erfahrung, schließlich zählt der Weltrekordler in seiner Altersklasse zu den Besten der Welt. Für die jungen Athleten bedeutet dies, dass sie erst nach 22 Uhr die Schwimmhalle verlassen können. „Das ist sehr problematisch“, resümiert der Rotenburger, der seit mehr als 40 Jahren als Übungsleiter aktiv ist. „Es wird in den nächsten Jahren nicht einfacher, da die Sportangebote zu großflächig sind“, glaubt Schöpke.

Hinzu kommt, dass nicht in jedem Ort ein Schwimmverein vorhanden ist. Im Kreis sind derzeit neben dem TuS Rotenburg nur noch der TuS Zeven und der Visselhöveder SC aktiv. Das einst leistungsorientierte Team Ronolulu gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Die letzte national erfolgreiche Schwimmerin Caroline Friedrich studiert in den USA. Auch der TSV Bremervörde lässt seine Abteilung momentan ruhen. Dort gibt es nach dem Ausscheiden der Eheleute Ziehm keinen Trainernachwuchs, sodass die Sportler zu anderen Vereinen gewechselt sind. „Die Bedingungen sind schwierig gewesen“, resümiert Irmtraut Ziehm. Auch sie ist davon überzeugt, dass pro Woche drei Mal trainiert werden muss, um dauerhaft erfolgreich zu sein. „Vor allem hat es an Hallenzeiten und Geld gemangelt“, gibt Ziehm offen zu. Ihre Tochter ist aufgrund der fehlenden Perspektive auf ein Internat nach Hannover gegangen.

Auch Mario Müller, seit einem Jahr Verantwortlicher im Kreisschwimmverband Rotenburg, weiß, dass „die Situation nicht mehr so ist wie früher“. Für den ehemaligen Schwimmer stellt es sich aber nicht so negativ dar: „Die Talente sind noch vorhanden und werden gefördert.“

Der Visselhöveder SC, der 1953 gegründet wurde, darf sich dagegen über ausreichend Trainernachwuchs freuen. Derzeit kümmern sich dort fünf Übungsleiter um die 40 Jugendlichen Sportler. Die fehlende Wettkampfmentalität einzelner Schwimmer hat „Vissels“ Vorsitzender Dieter Bortz aber ebenfalls bemerkt. Grund seien seiner Meinung nach nicht nur terminliche Schwierigkeiten. „Die Bürokratie hat es in den letzten Jahren komplizierter gemacht.“ Neben einer Wettkampfpauschale, die der Verein entrichtet, müssen die Schwimmer lizenziert werden. Durch dieses Verfahren erhöht sich die finanzielle Belastung der Sportler.

Eine Lösungsmöglichkeit wäre, wie bereits bei anderen Sportarten praktiziert, eine Kooperation zwischen den Clubs zu gründen. „Wenn sich die Vereine verstehen würden, könnte es klappen. Nur das tun sie nicht, da zu viele persönliche Eitelkeiten im Weg sind“, spricht Irmtraut Ziehm deutliche Worte. Einen ähnlichen Plan verfolgt auch Mario Müller, der im Hinterkopf hat, die Topathleten als gemeinsames Kreisteam zu Wettkämpfen zu schicken. „Wollen kann man viel“, stellt er süffisant fest.

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