Rotenburger SV erhält seinen Einspruch gegen die Spielwertung aufrecht

„Wir ziehen das durch“

Gibt noch nicht auf: RSV-Präsident Peter Grewe.
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Gibt noch nicht auf: RSV-Präsident Peter Grewe.

Rotenburg – Der Rotenburger SV gibt nicht klein bei. „Wir ziehen das durch! Wir ziehen nicht zurück!“, erklärt Peter Grewe, der Vorsitzende des Fußball-Oberligisten. Heißt: Sein Aufsteiger erhält den eingelegten Protest gegen die Wertung des mit 2:3 verlorenen Derbys gegen den TB Uphusen aufrecht und will ein Wiederholungsspiel erreichen. Schiedsrichter Jens Kampling (SV Herbrum) hatte dem Uphuser Burak Yigit in der 83. Minute zum zweiten Mal Gelb gezeigt, ihn aber nicht vom Platz gestellt. Kurz darauf fiel das 3:1 für die Gäste. Am Mittwoch hatte das Verbandssportgericht in Person des Vorsitzenden Jörg Firus den Wümmestädtern mitgeteilt, dass zwar ein Regelverstoß des Schiedsrichters vorliege, der Einspruch aber keine Aussicht auf Erfolg habe. Hierzu führte Firus den „Wahrscheinlichkeits-Paragrafen“ (§ 16 der Rechts- und Verfahrenordnung) an.

„Wir wollen die Verhandlung haben und sind schon auf der Suche nach einem Anwalt“, betont Grewe und zeigt kein Verständnis für die Sichtweise des Verbandssportgerichts: „Das ist ein Regelverstoß, dem man nicht mit Wahrscheinlichkeitsrechnung begegnen kann.“ Genau das hat der Vorsitzende des Gerichts in seiner Erklärung aber getan. „Allein die rein mathematische oder statistische Wahrscheinlichkeit, dass der Rotenburger SV e.V. durch ein Überzahlspiel in den verbleibenden restlichen Spielminuten noch hätte den Ausgleich erzielen oder das Spiel für sich entscheiden können, vermag die in § 16 Abs. 2 RuVO geforderte hohe Wahrscheinlichkeit nicht zu begründen. Denn mindestens genauso wahrscheinlich wäre es gewesen, dass der Rotenburger SV e.V. auch bei einem Überzahlspiel in den verbleibenden acht Spielminuten zuzüglich der Nachspielzeit kein Tor mehr erzielt hätte“, schreibt Firus.

Nur: Wie hoch muss diese „hohe Wahrscheinlichkeit“ denn sein? 90 Prozent? 50 Prozent? Oder reichen 20 Prozent? Das erwähnt Firus nicht, das steht auch in diesem recht schwammig formulierten Paragrafen nicht konkret. Es ist Auslegungssache, es bleibt also im subjektiven Ermessen des Betrachters beziehungsweise des Sportgerichts.

Grewe verweist wiederum darauf, dass doch gerade in diesem Spiel nach dem nicht erfolgten Platzverweis sogar noch zwei Tore gefallen seien. „Ein reguläres für uns und ein irreguläres (das 3:1 nach klarem Handspiel, Anm. d. Red.) für Uphusen. Also hätte es eigentlich 2:2 gestanden. Ich verstehe nicht, wann denn sonst so ein Paragraf angewandt werden soll“, merkt der RSV-Vorsitzende an und fragt rhetorisch: „Wie viele Spiele gehen denn gefühlt in der Nachspielzeit oder in der Schlussphase noch verloren? Gegen Ende eines Spiels fallen doch die meisten Tore, ob in der Bundesliga oder der Oberliga.“

Beim RSV sind sie sich einig: Das Tor, das Uphusens Kai Schmidt hier bejubelt, wäre normalerweise aus zwei Gründen nie gefallen: Die Gäste hätten eigentlich in Unterzahl agieren müssen, zudem war dem Treffer ein klares Handspiel vorausgegangen.

Das belegen übrigens auch langjährige Untersuchungen im Fußball-Oberhaus. Die Internetseite bundesliga.de hatte vor fünf Jahren alle Bundesliga-Tore in sechs Viertelstunden aufgeteilt und festgestellt, dass „mit zunehmender Spieldauer auch immer mehr Treffer fallen“. Die Anzahl der Tore in den letzten fünf Minuten (allerdings plus Nachspielzeit) erbrachten den mit Abstand höchsten Wert.

Ähnlich sieht es übrigens in den bisher 15 Saisonspielen der Oberliga Weser-Ems/Lüneburg aus, in denen die Teams bislang 53 Tore erzielten. Natürlich ist diese Auswertung nicht repräsentativ, gibt aber durchaus eine Tendenz wieder. Eingeteilt in Zehn-Minuten-Abschnitte sind allein 13 Tore bis dato in den letzten Spielminuten (einschließlich der Nachspielzeit) gefallen – das macht immerhin einen Wert von fast 25 Prozent. Am zweitmeisten Bälle, genau elf, landeten zwischen der elften und 20. Minute im Netz.

Im Falle des RSV-Spiels gegen Uphusen bleibt zudem unberücksichtigt, dass die Gäste eigentlich zum Schluss in Unterzahl hätten spielen müssen. „Mit zehn Mann ist es doch schwerer zu verteidigen als mit elf“, merkt Grewe an. In den Sozialen Medien stößt der RSV mit seinem Einspruch durchaus auf Zustimmung – nicht nur bei eigenen Vereinsmitgliedern. Aber natürlich auch. Etwa bei Gerd Rathjen, der selbst 26 Jahre lang Beisitzer im Sportgericht des Norddeutschen Fußball-Verbandes war. Auf der Facebook-Seite des Rotenburger SV kommentiert er öffentlich: „Es ist schon hanebüchen ... Sorry, aber mit einer Entschuldigung ist der Fall nicht erledigt. Nicht bei einem so krassen Patzer, der den meisten Kreisliga-Schiedsrichtern nicht unterlaufen würde.“

Von Matthias Freese

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