Interview

Hurricanes-Coach Christian Greve: „Wir sprechen nicht mehr über Ziele“

Die Maske als ständiger Begleiter: Coach Christian Greve am Spielfeldrand.
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Die Maske als ständiger Begleiter: Coach Christian Greve am Spielfeldrand.

Scheeßel – Die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes genießen eine Sonderrolle während des Lockdowns. Sie gelten als Profiteam und dürfen das tun, was Amateurmannschaften derzeit untersagt ist – ihren Sport betreiben. Eigentlich. Denn: Manche Partie fiel coronabedingt aus. Zudem ruht der Spielbetrieb im „Unterhaus“ seit drei Wochen. Aufgrund der hohen Inzidenzzahlen hatten sich die Damen-Basketball-Bundesligen (DBBL) zu diesem Schritt entschlossen. Der Wiederbeginn ist für Mitte Januar geplant. Zeit für ein Zwischenfazit und einen vagen Ausblick mit Coach Christian Greve.

Aktuell sind Sie nicht in der Halle. Wann startet das Training wieder?

Wir wollen nächste Woche wieder anfangen. Am 16. Januar ist planmäßig unser erstes Spiel bei Eintracht Braunschweig. Zwei Wochen vorher wollen wir deshalb trainieren. Wir sind ja in der Zeit des Sollens, Müssens, Könnens und Dürfens. Wenn die Liga sagt, wir sollen spielen, müssen wir auch trainieren. Wir wollen auch gerne spielen, wir sind aber demütig genug und wissen, dass wir ein Privileg haben. Das heißt aber nicht, dieses mit aller Gewalt durchzusetzen.

Inwiefern hat sich Ihre Arbeit als Trainer verändert?

Wir müssen alles sehr dynamisch machen, mit sich ständig ändernden Verordnungen. Wir haben Tests eingeführt und einen Trainingsrhythmus, der dem entspricht, was wir dürfen. Für mich als Trainer fängt es damit an, dass es eigentlich meine Hauptmotivation ist, jungen Menschen eine Sportart beizubringen, die ich als die schönste empfinde. Das fällt gerade für die Jugendteams, mit denen ich gearbeitet habe, komplett weg. Ich merke, dass ich darüber viel nachdenke. In der U 14 will ich jetzt antesten, über Zoom ein Home-Work-out zu machen – viele Alternativen haben wir nicht und in den Graubereich sollte man sich nicht begeben. Es ist hart, ich merke, dass es an mir nagt, nicht in die Halle zu gehen.

Sie haben noch die erste Damen. Wie läuft das ab?

Wir achten darauf, Masken aufzusetzen, Abstand zu halten, die Hygienemaßnahmen umzusetzen. Mit der Routine wird man manchmal aber auch nachlässig, das merke ich an mir selbst. Auf diese Dinge muss man immer wieder achten. Basketballerisch ist es aber kein großer Unterschied zu sonst. Natürlich haben wir eine andere Konstellation des Teams durch die Auszeit von Pia Mankertz und den Abgang von Daeja Smith gehabt. Aber das sind Herausforderungen, die mein Job seit Jahren mit sich bringt – das ist nichts, was uns komplett einschränkt.

Wie sehr stören Sie die ständigen Pausen durch Spielausfälle oder die Saisonunterbrechung?

Die Pause jetzt ist natürlich doof. Gefühlt haben wir die Saison schon dreimal angefangen, jetzt im Januar zum vierten Mal. Wenn man das Pokalspiel gegen Wasserburg sieht, passiert aber ja trotzdem etwas mit dem Team.

Wie planen Sie da die weitere Saison?

Es ist alles hypothetisch. Am 16. Januar spielen wir gegen Braunschweig, aber erst am 10. Januar entscheidet sich, wie es wirklich weitergeht. Feste Planungen lassen sich seit Monaten nicht machen.

Trotzdem müssen Sie frühzeitig wissen, wer für die Spiele am Wochenende zur Verfügung steht und können nicht mehr kurzfristig reagieren, weil ja alle einen Corona-Test haben müssen.

Eigentlich stehen alle immer zur Verfügung, da aktuell die Überschneidungen für die, die noch in anderen Mannschaften spielen, komplett wegfallen. Und da wir am Abend vorm Spiel testen, ist es einfach. Diese Planbarkeit ist schon okay.

Sie werden auch jedes Mal getestet. Haben Sie sich daran gewöhnt?

Für mich ist es weiterhin nicht angenehm, so ein Stäbchen in den Kopf geschoben zu bekommen. Für mich ist es aber in der Nase noch angenehmer als im Mund.

Saisonziel waren die Play-offs. Jetzt steht aus vier Spielen erst ein Sieg da. Wie schätzen Sie das ein?

Schwierig. Unter den Umständen ist es nicht einfach gewesen. Ich bin auch gerne erfolgreicher. Ich denke aber, sportlich ist uns noch kein Vorwurf zu machen. Als wir darüber sprachen, wo wir landen wollen, war der Kader noch komplett. Auf die Veränderungen mussten wir uns erst mal einstellen.

Welchen Wert hat eigentlich die Saison für Sie?

Den würde ich nicht beurteilen wollen. Dadurch, dass wir das Privileg haben zu spielen, muss man den Wert respektieren, den es hat.

Wäre es nicht auch sinnvoll gewesen, wenn der ganze Profisport eine Pause eingelegt hätte?

Das wäre zumindest ein gutes Zeichen für die Bevölkerung. Das ist aber gerade im Profifußball mit Champions League und so nicht denkbar. Vielleicht ist es aber auch systemrelevant, das Volk zu unterhalten. Ich habe in den letzten Wochen jedenfalls so viele Basketballspiele geschaut wie noch nie.

Haben Sie in dieser Zeit auch die Ziele korrigiert?

Wir sprechen aktuell gar nicht mehr über Ziele. So lange man nicht weiß, was in den nächsten Wochen oder Monaten ist, kann man keine Ziele formulieren.

Glauben Sie, dass die Saison zu Ende gespielt wird?

Ich kann mir kaum vorstellen, dass wir die Saison wie geplant spielen, also mit Auf- und Abstieg. Schließlich wird auch in den unteren Ligen pausiert. Ich habe die Hoffnung und den Eindruck, dass die handelnden Personen auf der Ebene ab Regionalliga abwärts weitsichtig genug sind und nicht auf Gewalt etwas durchpressen wollen.

Und in Ihrer Liga?

Ich vermute, dass wir so viele Spiele machen, wie wir dürfen und können – aber keine komplette Saison.

Also eine Einfachrunde?

Das wäre schon mal schön. Es ist ja nicht so, dass die Lage sich schon entspannt hat. Aus unserer Sicht kann man mit Testungen spielen, aber in Braunschweig konnten sie nicht trainieren, aus Berlin hört man das ähnlich. Ob wir da eine einfache Runde hinkriegen und es eine Wertung der Saison gibt? Die Frage ist auch: Kann man nach hinten hinaus verlängern?

Was wäre Ihre Idee?

Erst mal schauen, was möglich ist. Gesellschaftlich ist es schwierig, ein normales Leben zu führen. Solange wir das, was die Experten empfehlen, einhalten können, so lange sollten wir gucken, dass wir spielen. Das schließt nicht aus, dass man doch mal einen Fall in seiner Mannschaft hat. Aber wir haben bisher ein Aufwand betrieben, dass wir auch spielen sollten. Ich kann bei uns nicht von einer Resignationsstimmung berichten. Mein Ansatz wäre: Spielt die Spiele, die ihr spielen könnt. Ob man am Ende eine aussagekräftige Tabelle hat, sei mal dahingestellt.

Bei all der Ungewissheit: Benötigen Sie noch eine zweite Amerikanerin?

Das ist ein ganz schwieriges Thema. Eine zweite Profispielerin könnte auch eine Nicht- Amerikanerin sein. Aber trotzdem bleibt es nicht einfach. In unserer Situation kann ich der Spielerin doch nicht versprechen, dass wir auf jeden Fall spielen. Das kann ich auch nicht mit meiner Moral vertreten.

Also verzichten und das Geld sparen?

Wir stehen weiter auf dem Standpunkt, nicht einfach irgendjemanden zu nehmen. Es ist nicht so, dass der Markt sich weiter öffnet und es ist noch nicht diejenige dabei, von der ich sage: Die soll es sein. Aber die Suche stelle ich erst am 30. Januar ein (Am Tag darauf schließt das Wechselfenster, Anm. d. Red.). Das Geld wäre da, aber wenn wir niemanden finden, spielen wir so weiter und hätten es gespart.

Glauben Sie, dass es eine verschenkte Saison ist?

Verschenkt auf keinen Fall, dafür sind wir zu häufig in der Halle gewesen. Ich für meinen Teil finde, mit dieser Situation klar zu kommen, erweitert die Lebenserfahrung. Und ob es gelingt, die Spielerinnen besser zu machen, zeigt sich ja nicht nur an den Ergebnissen.

Gibt es denn Fortschritte?

Ja, aber ich habe nicht für jede Spielerin einen Katalog und hake da ab. Ich habe schon das Gefühl, dass wir im Training sehr gut gearbeitet haben – da waren Fortschritte im Team zu erkennen. Ich habe auch deutlich wahrgenommen, dass Andrea Baden und Hannah Pakulat in der Zeit ohne Pia schon noch mehr in der Verantwortungsrolle waren.

Denken Sie auch bereits an die nächste Saison?

Das ist sicher im Hinterkopf.

Ihr Vertrag läuft bis Sommer und verlängert sich automatisch, wenn keine Seite kündigt. Wie sehen Ihre Pläne aus?

Ich will die nächste Saison angehen. Ich plane schon, länger für den Verein zu arbeiten. Von meiner Seite aus gibt es keinen Grund, die Zusammenarbeit zu beenden.

Kapitänin Pia Mankertz steigt wieder ein

Christian Greve, Coach der Avides Hurricanes, kann ab sofort wieder mit Pia Mankertz planen. Die Kapitänin kehrt nach ihrer beruflich bedingten Auszeit in den Kader der Zweitliga-Basketballerinnen zurück. „Der Plan ist, dass sie einsteigt, wenn wir mit dem Training anfangen. So sind wir verblieben“, erklärt der Trainer. Die 30-jährige Leistungsträgerin hatte noch das erste Saisonspiel Ende Oktober bei der TG Neuss mitgemacht, aber seitdem pausiert, weil ihr das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, aufgrund ihrer Referendariatsprüfung zu groß war. Anfang Dezember bestand sie die Prüfung, ab Februar arbeitet sie als Grundschullehrerin an der Schule am Grafel in Rotenburg. „Jetzt warten wir aber erst einmal ab, wann die Saison weitergehen wird. Ich freue mich jedenfalls darauf, mich wieder zu bewegen“, sagt Mankertz. Ihrer Meinung nach hätte die Liga noch gar nicht im Oktober starten müssen: „Ich habe auch nicht die perfekte Lösung, aber man hätte es doch noch aussitzen und dann eine verkürzte Saison spielen können.“

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