Der Hellweger Bernd Heemsoth will mit Saarbrücken (erneut) ins Finale

„Wir können zu Helden werden”

Der ideale Co-Trainer: Seit Jahresanfang arbeitet Bernd Heemsoth für den 1. FC Saarbrücken. Foto: Imago Images/Hübner
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Der ideale Co-Trainer: Seit Jahresanfang arbeitet Bernd Heemsoth für den 1. FC Saarbrücken.

Saarbrücken/Hellwege - Von Matthias Freese. Geburtsort: Oldenburg. So steht es fast überall im Internet. Bei Wikipedia, Transfermarkt – und in vielen Berichten. Falsch, klärt Bernd Heemsoth auf: „Geboren bin ich in Rotenburg!” Bis zu seinem 20. Lebensjahr und dem Wechsel zum VfB Oldenburg, wohnte er in Hellwege. Auf dem Sportplatz an der Ahauser Straße startete quasi seine Karriere, die ihren Höhepunkt 1992 mit dem DFB-Pokalsieg im Trikot von Hannover 96 fand. Nun, 28 Jahre später, kann Heemsoth erneut das Finale erreichen. Der 53-Jährige ist Co-Trainer des 1. FC Saarbrücken. Im Halbfinale empfängt der künftige Drittligist am Dienstag (20.45 Uhr) Bundesligist Bayer 04 Leverkusen. Wir haben mit dem A-Lizenz-Inhaber über alte Zeiten und das Geister-Pokalspiel gesprochen – aber auch darüber, warum er nie Cheftrainer geworden ist.

Sie sind in Hellwege aufgewachsen. Welche Verbindungen bestehen noch dahin?

Da steht mein Elternhaus, dort leben meine Mutter, die bald 89 wird, und meine Schwester. Ich bin also öfter mal da.

Und Sie leben in Oldenburg, obwohl Sie seit Jahresanfang als Co-Trainer in Saarbrücken arbeiten?

Ich lebe wie mein Bruder in Petersfehn bei Oldenburg – mit Frau, Kind und Hund. Das ist mein Standort. Ansonsten habe ich immer eine Arbeitswohnung. Zu Hause bin ich nur alle zwei, drei Wochen. Die Familie muss das natürlich mittragen, aber meine Frau kennt es nicht anders. Ich war ja Profi, sie hat mich so kennengelernt. Fußball ist eben mein Leben.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Anfänge beim TuS Hellwege?

Ich habe immer mit den Älteren in einer Mannschaft gespielt, weil ich mit denen auch schon auf der Wiese mitgekickt und mitgehalten hatte. Ich war nie in der F- oder E-Jugend, sondern habe vier Jahre D-Jugend gespielt. Der TuS Hellwege ist dann in die JSG Wümme übergegangen.

Schon in der Jugend sind Sie zu Werder gewechselt.

Auch der Rotenburger SV war immer an mir dran. Ich bin sogar mal nach Luxemburg zu einem Turnier mitgefahren, dann aber doch in der B-Jugend zu Werder gegangen. Dort habe ich auch noch ein Jahr Amateure gespielt. Damals kam man als junger Spieler aber nicht weiter bei Werder – und der VfB Oldenburg (Oberliga Nord, Anm. d. Red.) war zu der Zeit auch noch eine bessere Nummer als Werders Amateure. Von Oldenburg ging es in die 2. Liga zu Hannover 96.

1992 gelang Ihnen mit Hannover der unerwartete Pokalsieg gegen Gladbach. Der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Der Pokalsieg ist natürlich das Highlight. Auf der Rückreise war auf der Autobahn Stau, sodass wir mit dem Pott bei 40 Grad dort langgegangen sind. In Hannover war dann die ganze Stadt auf den Beinen, wir sind von 50 000 Leuten empfangen worden. Wir waren ja der absolute Underdog – ähnlich wie jetzt mit Saarbrücken.

Fragen Ihre Spieler Sie denn danach?

Ja, die Jungs sprechen einen schon mal darauf an.

Durch den Saisonabbruch steht Saarbrückens Aufstieg in die 3. Liga schon fest.

Das war das primäre Ziel, endlich nach sechs Jahren wieder in die 3. Liga zurückzukehren. Der Pokal ist da Bonus, aber natürlich auch wirtschaftlich interessant. Er hilft uns allen.

Gibt der Aufstieg denn auch für das Pokalspiel noch einen extra Schub?

Das gibt schon ein bisschen Selbstvertrauen, sodass wir mit der nötigen Genugtuung und Coolness ins Pokalspiel gehen können. Wir haben schon jetzt viel mehr erreicht als gedacht, dafür müssen wir auch Danke sagen, auch unseren Fans. Wir können das Wunder schaffen, zu Helden werden, Sportgeschichte schreiben – das muss den Leuten bewusst sein.

Aber fehlen nicht die Fans? Es ist ja ein Geisterspiel.

Ja, das ist schon ein großer Nachteil. Wenn ich mich an die alten Zeiten mit Hannover erinnere, da sind wir, neben der Energie und Laufbereitschaft, auch zum Erfolg geschrien worden. Diese Zusatzmotivation fehlt jetzt.

Es ist nicht der einzige Nachteil, oder?

Nein. Wir trainieren seit fünf Wochen wieder, erst nur in Kleingruppen. Wir dürfen nicht mal ein Freundschaftsspiel machen und sind klar benachteiligt gegenüber Leverkusen, die schon länger im Wettkampfmodus sind. Also haben wir ein Spiel unter uns bestritten, um das wenigstens ein bisschen zu simulieren.

Hinzu kommt die Quarantäne seit Mittwoch. Wie erleben Sie die?

Ich als Co-Trainer finde es nicht so schlimm, aber es ist schon eine zusätzliche Belastung. Wenn man nach dem Training nach Hause fährt, kann man auch mal auf andere Gedanken kommen.

Was wird getan, um die Spieler neben dem Training auf das Spiel einzustimmen?

Wir schauen uns Videos an und diskutieren darüber, welche Wunder es gab. Muhammad Ali mit dem Rumble in the Jungle. Oder der Titel für Leicester City, Kaiserslauterns Meisterschaft als Aufsteiger, Manchester gegen die Bayern. Unser Videoassistent hat da auch einiges zusammengeschnitten. Wir sind ja eine Woche lang 24 Stunden im Hotel. Da geht es darum, die Spannung aufzubauen.

Wie gehen Sie das Spiel an?

Wir können es genießen, wir haben ja nichts zu verlieren. Wir wollen es für Leverkusen so schrecklich wie möglich machen und selbst immer wieder Spitzen setzen. Leverkusen hat Samstag noch gegen Bayern gespielt, danach geht es gegen Schalke. Dazwischen müssen sie zu uns nach Völklingen kommen (im heimischen Ludwigspark kann wegen Bauarbeiten nicht gespielt werden, Anm. d. Red.). Das ist ein Platz mit alter Aschebahn herum. Allerdings sind auch wir da nur zu Gast.

Kann Saarbrücken gegen Leverkusen der nächste Pokalcoup gelingen?

Natürlich ist Leverkusen noch eine andere Nummer als unsere vorherigen Gegner Karlsruhe und Düsseldorf. Da machst du normalerweise Kilometer ohne Ende und kommst trotzdem kaum an den Ball. Das Ziel ist aber, ins Endspiel einzuziehen und dort vielleicht Bayern München zu ärgern und zu bezwingen. Man muss immer daran glauben, nichts ist unmöglich.

Noch einmal zur Ihrer Person. Sie haben bisher immer nur als Co-Trainer gearbeitet ...

Interimsweise habe ich ja öfter schon als Cheftrainer übernommen. In Wiesbaden für ein Spiel gegen Heidenheim, in Ahlen sogar etwas länger – gegen Kaiserslautern und Freiburg unter anderem.

Warum sind Sie denn nie längerfristig Cheftrainer geworden?

Natürlich gibt es immer mal Anfragen, auch vor Kurzem aus der Regionalliga. Im Raum stand immer was. Aber die Frage ist: Was möchte man? Ich möchte professionell, so hoch wie möglich und hauptberuflich trainieren. Es ist doch was anderes, ob ein Regionalligist anruft, der viermal die Woche um 18.30 Uhr trainiert, oder ob man zweimal täglich um 10 und um 14 Uhr professionell trainiert. Ich hätte nichts dagegen, als Cheftrainer zu arbeiten, aber ich habe den Fußballlehrer-Schein nicht und dürfte schon deshalb nicht oberhalb der Regionalliga trainieren. Als ich damals zum Lehrgang wollte, wurden die Zulassungsbestimmungen geändert, deshalb musste Christian Wück, Ahlens damaliger Cheftrainer, da erst einmal hin. Ich war dann neun Monate allein mit der Mannschaft.

Haben Sie nie darüber nachgedacht, das nachzuholen?

Es ist nicht mehr mein großes Ziel. Das Thema habe ich eigentlich abgeschlossen, ich fühle mich wohl in meiner Rolle.

Also sind Sie der ideale Co-Trainer?

Das kann ich schlecht sagen, aber ich bin nie irgendwo mit Schimpf und Schande gegangen, sonst wäre ich auch nicht zweimal bei Preußen Münster und zweimal bei Holstein Kiel gewesen.

Zur Person - Pokalsieger mit 96

Der Hellweger Bernd Heemsoth (53) stieg Anfang des Jahres beim 1. FC Saarbrücken, Tabellenerster der Regionalliga Südwest, als Co-Trainer von Chefcoach Lukas Kwasniok ein. Zuvor hatte er bereits in dieser Funktion lange Jahre in der 2. und 3. Liga sowie der Regionalliga gearbeitet. Er war für Preußen Münster, Rot-Weiß Ahlen, Holstein Kiel, den SV Wehen Wiesbaden und SV Elversberg tätig, interimsweise auch Cheftrainer in Ahlen und Wiesbaden. Als Profi hatte seine Karriere 1989 bei Hannover 96 begonnen, nachdem er bei Werders Amateuren und dem VfB Oldenburg war. Der Abwehrspieler kam auf 84 Zweitligaspiele und wurde 1992 DFB-Pokalsieger mit Hannover (4:3 im Elfmeterschießen gegen Borussia Mönchengladbach). Heemsoths Aufgabe im Finale: Jörg Neun aus dem Spiel nehmen. Nach der Zeit in der Leinestadt lief er noch für den BV Cloppenburg, VfL Osnabrück, VfB Lübeck, VfB Oldenburg, SV Wilhelmshaven und Preußen Münster auf. 2003 folgte in Kiel unter Hans-Werner Moors seine erste Station als Co-Trainer.    maf

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