INTERVIEW KSB-Boss Jörn Leiding über die Sportregion, Zuschüsse und E-Sport

„Wir haben dazugewonnen“

Jörn Leiding, Vorsitzender des Kreissportbundes, blickt dem kommenden Jahr optimistisch entgegen. Foto: Freese

Sottrum - Von Matthias Freese. Ganz klar: Das Positive überwiegt für Jörn Leiding (46). Wir haben mit dem aus Sottrum stammenden Vorsitzenden des Kreissportbundes Rotenburg auf das Jahr 2019 zurückgeblickt und in die Zukunft geschaut.

Vor einem Jahr mochten Sie sich zum Thema E-Sport noch nicht klar äußern. Inzwischen spielen die Fußballer sogar eine Kreismeisterschaft aus. Haben Sie sich mittlerweile eine Meinung zu dieser neuen Art des „Sporttreibens“ gebildet?

Es gibt eine klare Positionierung des Deutschen Olympischen Sportbundes: E-Sport ist grundsätzlich kein Sport, weil die Grundbewegungsmuster, die Sport definieren, nicht vorhanden sind. Nun kann man darüber streiten, denn es gibt virtuelle Sportarten und das E-Gaming, also die Ballerspiele, die nicht der Wertekultur des DOSB entsprechen. Bei den virtuellen Sportarten ist aber Golf an der Konsole fast wie in echt. Nur wozu gehört jetzt „Fifa“? Da wird es schwierig.

Sollten Vereine also unterstützt werden, wenn Sie E-Sport anbieten wollen?

Am Ende geht es auch um das Thema Anerkennung der Gemeinnützigkeit, die auch die E-Sport-Organisationen gerne hätten. Es gibt Vereine in Süddeutschland, denen die Aberkennung angedroht worden ist, weil sie eine feste E-Sport-Sparte angeboten haben. Wenn man also als Verein E-Sport nicht offiziell bespielen kann, ist Kooperation das Stichwort. Am Ende ist es wichtig, die Zielgruppe nicht aus den Augen zu verlieren.

Gibt es denn Bestrebungen im Kreis, E-Sport im Verein anzubieten?

So eine Anfrage haben wir noch nicht bekommen. Es ist eher so, dass der Spielball momentan zwischen den großen E-Sport-Ligen und dem DOSB liegt.

Also können Sie es momentan vernachlässigen?

Auf keinen Fall. Man sieht ja, was die für Hallen füllen, was für „Kohle“ dahintersteckt. Die Frage ist: Wann kommt es unten an? Mich auf die DOSB-Definition zurückzuziehen, bringt mich nicht weiter.

Kommen wir zum echten Sport und den Zuschüssen. Wie viele gab es 2019 für die Vereine aus dem Kreis?

Wir haben unterschiedliche Fördertöpfe. Zum einen die Sportgeräteförderung, die neu ist. Da stehen insgesamt 50 000 Euro für die Jahre 2019 und 2020 zur Verfügung. 28 000 Euro davon sind ausgeschöpft. Aus dem Topf der Sportstättenförderung des Landessportbundes wurden 15 Vereine 2019 gefördert – da geht es um eine bewilligte Förderungssumme in Höhe von 297 295 Euro. Alle Vereine, die etwas beantragt haben, haben wir gefördert.

Befindet sich darunter auch das Geld, das aus dem neuen Sportstättenförderprogramm des Landes fließt?

Es ist ein großer See, der aus zwei Flüssen gespeist wird, aus dem Standard-LSB-Programm und dem 100-Millionen-Euro-Sportstättenförderprogramm des Landes. Außerdem haben wir das große Glück, dass der Landkreis immer parallel fördert. Darum beneiden uns viele Sportbünde und -regionen, dass wir so einen spendablen Landkreis haben. Der hat 2019 mehr als 200 000 Euro reingeschossen. Hinzu kommt die Übungsleiterunterstützung. Auch da kommen mehr als 90 000 Euro im Jahr vom Landkreis.

Und wer hat 2019 am meisten profitiert?

Der Schützenverein Elsdorf hat für den Umbau seiner Schützenhalle 88 000 Euro bekommen, der TSV Karlshöfen für den Anbau des Umkleidegebäudes mit Fitnessraum 52 600 Euro.

Geht es in dieser Größenordnung 2020 so weiter?

Das Niveau wird nicht geringer. Das ist auch wichtig, denn wir haben einen Rieseninvestitionsstau.

Welche Rolle spielt der Kreissportbund bei der Förderung?

Damit die Vereine an die Fördergelder kommen, müssen Beratungsgespräche mit dem Kreissportbund geführt werden. Da haben wir früher einen Ausschuss gehabt, der jetzt aber ein bisschen dezimiert ist. Das hängt jetzt alles an Sonja Holsten aus der Geschäftsstelle. Wenn man es vereinfacht sagen will: Es ist jetzt mehr Geld im System, dadurch ist es auch beratungsintensiver für uns – auch weil es zwei verschiedene Förderrichtlinien gibt.

Der Winterrasenplatz in der Stadt Rotenburg gehört nicht zu den begünstigten Projekten. Wie finden Sie es eigentlich, dass er gebaut wird?

Ich freue mich immer, wenn eine Sportstätte lange und dauerhaft zu bespielen ist. Ein Fußballplatz, der im Winter nicht bespielbar ist, ist Mist. Und wenn man jemanden findet, der das finanziert, kann man nicht Nein sagen.

In Sittensen soll stattdessen ein Kunstrasenplatz entstehen ...

Es geht darum, sich den Wetterbedingungen zu stellen, dann ist eine Lösung natürlich ein Kunstrasen, mit welchem Material er auch immer gefüllt ist. Wichtig ist es, Sportstätten zu schaffen, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten.

In Rotenburg ist ein Kunstrasen wegen des Umweltaspektes gescheitert. Womit wir beim Klimawandel sind – was können Vereine im Kleinen tun, wo werden Sie vom Kreissportbund unterstützt?

Es gibt kleine Förderprogramme wie zum Beispiel den Klimacheck. Viele Vereine mit einem Sportplatz haben auch das Thema LED-Flutlicht-Beleuchtung auf dem Zettel. Bei Neu- und Umbauten steht das Thema Dämmung natürlich an. Am Ende ist es wichtig, dass es umweltfreundlich passiert.

Gibt es auch Aktionen der Vereine, bei denen das Thema Klimaschutz im Kleinen auftaucht?

Es gibt beispielsweise eine neue Sportart, die Jogging mit Müllsammeln verbindet – Plogging. So etwas entsteht, wenn auch noch nicht bei uns. Ich selbst bin in einer Kommission des Landessportbundes, dort geht es darum, wie die Sportregion 2030 aussieht. Da wird auch das Thema der Fahrtstrecken kritisch hinterfragt. Wie viel CO2 blase ich in die Luft, wenn ich mein Kind von A nach B fahre? Die Distanzen sind ein Thema. Aber dass sich ein Verein einen E-Mannschaftsbus anschafft, habe ich noch nicht gehört.

Auch in der Sportregion, die aus den Kreissportbünden Rotenburg, Verden und Osterholz besteht, sind die Distanzen ja groß.

Die Frage ist tatsächlich: Ist das der richtige Zuschnitt oder ist es etwa für die Visselhöveder nicht einfacher, nach Walsrode zu fahren statt nach Schwanewede. Die Sportregion ist vor fünf Jahren ins Leben gerufen worden, da reflektiert man schon und fragt sich: Läuft es überall in den 17 Sportregionen in Niedersachsen?

Wie fällt Ihr Urteil aus?

Wir gehören zu den Sportregionen, die funktionieren, das können wir wirklich mit Stolz sagen. Wir haben durch die Sportregion nichts verloren, sondern dazugewonnen. Wir haben so zum Beispiel vier Sportreferenten, dadurch können wir alle Handlungsfelder vernünftig bespielen. Und es kommt so langsam in den Vereinen an, das stelle ich auch bei den Qualifix-Seminaren fest. Nichtsdestotrotz hat jeder Kreissportbund seine eigene Identität und kann einiges selbst tun.

Was haben Sie denn zum Beispiel getan?

Wir haben seit diesem Jahr eine Koordinierungsstelle für Integration, die mit Susanne Kuppler auf 450-Euro-Basis besetzt ist. Wir haben schon zwei interkulturelle Frauensporttage in enger Zusammenarbeit mit dem Landkreis durchgeführt, in Rotenburg hatten wir mehr als 80 Teilnehmerinnen. Das hat super funktioniert. Da haben sich Frauen schon in der ersten Veranstaltung von der Verschleierung gelöst. Außerdem haben wir eine neue Aktion, die total viel Spaß macht – „Ehrenamt überrascht“. Dieser Moment der Wertschätzung ist großartig.

Trotzdem: Werden drei Kreissportbünde in der Sportregion benötigt?

Ich glaube, dass es noch lange die Kreissportbünde geben wird, zumindest solange keine Gebietsreform kommt und es die Landkreise gibt, die ihre Kreissportbünde unterstützen. Da wird doch kein Landrat der Welt sagen: Hier habt ihr die 300 000 Euro, macht damit auch mal die Vereine in Verden und Osterholz glücklich.

In vielen Sportarten gibt es aber keine Kreisverbände mehr, dort wird auch kreisübergreifend in Regionen gespielt.

Ja, da sieht man, dass sich plötzlich die Sportarten völlig anders entwickeln. Da wird es schwierig, wenn man die Fachverbände bezuschussen will. Das ist eine Herausforderung, beide Welten übereinander zu bekommen.

Welche Projekte stehen für den Kreissportbund 2020 auf der Agenda?

2020 gibt es erst einmal eine Reform der Übungsleiterabrechnung, die zu einer deutlichen Vereinfachung führt. Der Dokumentationsaufwand entfällt. Das nächste Thema ist, wie wir einen weiteren Mehrwert schaffen für die Vereine. Durch die Beitragserhöhung, die wir eigentlich nicht brauchen, aber durchführen müssen, haben wir mehr Geld im System. Stecken wir es in die Übungsleiterausbildung? Können wir die Sportgeräteförderung aufstocken? Außerdem wollen wir in der Sportregion ein Zukunftsforum mit den Themen Digitalisierung und Ehrenamt veranstalten. Wir liefern faktisch einen Mehrwert für die Vereine und sind Willens, noch mehr zu tun.

Und wo drückt am meisten der Schuh?

Uns bewegt die Personalsuche. Für den Sportausschuss fehlen noch ein, zwei Leute, die Lust haben, sich mit dem Thema Sportstätten auseinanderzusetzen. Vor allem habe ich aber immer noch kein Vorstandsmitglied für Finanzen. Dabei ist es nicht mehr das klassische Tagesgeschäft eines Kassenwarts, dafür haben wir ein Steuerberatungsbüro.

Und am Hungertuch nagt der KSB ja auch nicht ...

Nein, ich brauche keinen Sanierer, sondern einen, der Bock hat, etwas für die Vereine zu tun und ein bisschen einen finanziellen Blick hat.

Noch ein Wunsch an die Vereine?

Ich wünsche mir, dass sie mit uns ins Gespräch kommen. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir Geld haben, würde ich gerne etwas machen. Dafür muss ich aber wissen, worauf die Vereine Lust haben.

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