Rat gibt zusätzliche Mittel frei

Winterrasen kommt ‒ Weber verspricht „Aussaat vor der Wahl“

Noch ist es kein Winterrasen, was da auf dem Grandplatz wächst.
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Noch ist es kein Winterrasen, was da auf dem Grandplatz wächst.

Jetzt ist es fix: Der Winterrasen in Rotenburg kommt. Der Stadtrat hat die Mehrkosten in Höhe von 145 500 Euro mit einer Mehrheit von 18:13 Stimmen abgesegnet.

Rotenburg – Die hitzige Diskussion über die Mehrkosten für die Umwandlung des Grandplatzes auf dem Ahe-Sportgelände in einen Winterrasenplatz wäre nicht nötig gewesen, um die Ratsmitglieder und Zuschauer ins Schwitzen zu bringen – denn im Lucia-Schäfer-Saal war es am Abend bei geöffneten Fenstern auch so schon über 30 Grad Celsius warm. Trotz der öffentlichen Diskussionen in den vergangenen Wochen kamen noch einmal alle Argumente auf den Tisch – und zwischenzeitlich schien es fast so, als würden die Ratsmitglieder sich an diesem Donnerstag zwischen einem Winterrasen und Kunstrasen entscheiden können. „Diese Entscheidung haben wir bereits einstimmig im Jahr 2019 getroffen“, sagte Weber. Trotzdem dauerte es eineinhalb Stunden und 14 Wortbeiträge, ehe Ratsvorsitzender Hartmut Leefers (CDU) um 21.45 Uhr zur Abstimmung aufrufen konnte.

Diese ging so aus, wie es sich im Verlauf des Abends abgezeichnet hatte: 18 Ratsmitglieder stimmten dafür, weitere 145 500 Euro für den Winterrasen, die Flutlichtanlage und den Ballfangzaun freizugeben, 13 Ratsmitglieder – dies betraf geschlossen die CDU-Fraktion – dagegen. Damit steht der Auftragsvergabe an das Hamburger Generalunternehmen, das die Ausschreibung für sich entschieden hatte, nichts mehr im Weg. Und das Hickhack um den ungeliebten Grandplatz scheint endgültig beendet.

Rinck erinnert an Ludwigs Versprechen

Zuvor hatte der Verwaltungsausschuss bereits die Mehrkosten abgesegnet. Die Kommunalaufsicht des Landkreises hatte Bürgermeister Andreas Weber dann aber in einem Schreiben mitgeteilt, dass der Beschluss aus haushaltsrechtlichen Gründen „mit hoher Wahrscheinlichkeit unwirksam“ sei. Damit nahm die Diskussion neuen Schwung auf.

Allen voran geführt von Klaus Rinck (CDU), der seine bereits im Leserbrief in der Kreiszeitung vom 12. Juni dargestellten Argumente am Abend aufgriff und an das Versprechen von Spender Rolf Ludwig in einem Brief seiner Stiftung im Februar 2019 erinnerte. Darin heißt es: „Die nicht durch Fördermittel gedeckten Kosten übernimmt die Stiftung.“ Dies bestätigte Ludwig nach der Sitzung, erklärte aber: „Damals lagen mir Angebote vor, die unter meiner Spendensumme in Höhe von 250 000 Euro lagen – die Kosten sind seitdem deutlich gestiegen.“ Rinck schloss mit den Worten, es sei „ein Gebot der Wirtschaftlichkeit“, dem Beschlussvorschlag der Verwaltung nicht zuzustimmen.

Ludwig wäre „fast über das Geländer gesprungen“

Rolf Ludwig saß unter den Zuschauern und wäre bei der Diskussion um den Winterrasen zwischenzeitlich „fast über das Geländer gesprungen“. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS) ist der Initiator des Projektes und brachte es durch seine Spende in Höhe von 250 000 Euro erst auf den Weg. Nun, nachdem der Rat die Mehrausgaben abgesegnet hat, ist er „erleichtert. Damit ist der Winterrasen nun endgültig durch. Mir ist eine richtige Last von den Schultern gefallen.“ Ludwig war in der Vergangenheit immer wieder für seine Position angegriffen worden und empfindet die Abstimmung als Art Genugtuung. „Eine deutliche Klatsche für die CDU“, meinte er. maf

„So eine dreiste Umkehr der Wahrheit habe ich in 30 Jahren Kommunalpolitik selten erlebt“, antwortete Mattina Berg (SPD). Die Kritik an Bürgermeister Andreas Weber für dessen „groteskes Hin und Her“ sei in ihren Augen fehl am Platze und unverschämt. Sie habe vielmehr das Gefühl, dass es in Wirklichkeit nur um Wählerstimmen und um den Kunstrasenplatz ginge. „Einige hoffen wohl, diesen nach der Kommunalwahl doch noch umsetzen zu können“, so Berg.

Rolf Klammer (SPD) erkannte zwar an, dass 145 500 Euro „kein Pappenstiel“ sind, betonte aber, dass auch andere Vereine und die IGS den Winterrasenplatz nutzen werden. „Außerdem ist auch ein Kunstrasenplatz nicht allwettertauglich. Wir müssen die Umweltverträglichkeit im Auge behalten“, so Klammer.

Niestädt spricht von Fake-News

Der parteilose Michael Niestädt betonte, sein größtes Problem, dem Beschlussvorschlag zu folgen, sei, dass sich Spender Rolf Ludwig bei der Sportlerwahl 2019 vor 600 Gästen für seine Worte „Ich schenke der Stadt Rotenburg einen Winterrasen“ feiern lassen und diese Ankündigung im von Rinck angeführten Schreiben bestätigt hatte. „Das waren offensichtlich Fake-News“, so Niestädt.

Als „unendliche Geschichte“ und „Trauerspiel“ bezeichnete Joachim Hickisch (Bündnis 90/Die Grünen) die anhaltende Diskussion. Die Stadt mache sich regresspflichtig und gebe sich der Lächerlichkeit preis, wenn der Rat der Beschlussvorlage nicht zustimme. „Wir würden die große Chance verpassen, im Bezug auf Nachhaltigkeit im Sportbereich eine Vorreiterrolle für andere zu übernehmen“, so Hickisch. Die Angriffe auf Rolf Ludwig seien zum „Fremdschämen, das hat Rolf Ludwig nicht verdient“.

Es sind bereits Planungskosten in Höhe von 85 000 Euro entstanden, und diese heute in den Sand zu setzen, ist unverantwortlich und wirtschaftlich nicht zu vertreten.

Jens Kohlmeyer (WIR)

Jens Kohlmeyer (WIR) beschwichtigte und lenkte die Diskussion zurück auf eine sachliche Ebene: „Es ist ohne Frage wichtig, alle Fehler klar und deutlich anzusprechen. Wichtig ist, es sind bereits Planungskosten in Höhe von 85 000 Euro entstanden, und diese heute in den Sand zu setzen, ist unverantwortlich und wirtschaftlich nicht zu vertreten.“

Für den Beschlussvorschlag der Verwaltung sprach sich auch Gunter Schwedesky (FDP) aus: „Unser Thema ist heute, dass wir mehr zahlen müssen, wenn wir einen weiteren Platz haben wollen. Die Gründe für die Preissteigerung sind für mich nebulös geblieben. Rat und Sportausschuss sind zu wenig über die Probleme informiert worden. Für die Städtebauförderung muss die Stadt in den kommenden zehn Jahren aber viel Geld investieren. Da bleibt kein Cent für einen weiteren Sportplatz übrig – darum investieren wir gerne die notwendigen 145 000 Euro.“

Weber will Winterrasen nicht als Erbe übergeben

Und so wird es nun kommen. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) machte deutlich, dass er nach der Entscheidung keine weitere Zeit verstreichen lassen will: „Ich werde den Bau des Winterrasenplatzes nicht als Erbe an meinen Nachfolger übergeben, sondern werde das Thema noch während meiner Amtszeit umsetzen. Noch vor der Wahl am 12. September soll Winterrasen ausgesät werden, damit wird bereits im Oktober einen schönen grünen Platz sehen, der im Winter von den ersten Mannschaften fürs Training genutzt werden kann.“ Das Bauvorhaben „Heckenweg“ wird dafür wie vorgesehen in das nächste Jahr verschoben, um damit zusätzliche Mittel im Haushalt freizuschaufeln.

Kommentar zum Winterrasen

Es ist Zeit für die Bagger

Fouls und Finten gehören im Fußball wie in der Politik dazu – das haben auch die heißen Diskussionen um den Winterrasen eindrucksvoll gezeigt. Für die Gegner ist er ein „vergiftetes Geschenk“ mit finanziellen Nebenwirkungen, für die Befürworter, die auf die Öko-Bilanz verweisen, ein Vorzeigeprojekt. Zur Demokratie und zum Sport gehört es, getroffene Entscheidungen zu respektieren und Niederlagen zu akzeptieren. Wo es Gewinner gibt, gibt es meist Verlierer. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Bagger endlich anrollen, damit Gras über die Sache wächst.
Matthias Freese

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