In der Warteschleife

Ärger um den Winterrasen: Kosten steigen drastisch, Vergabe vertagt

Die Sportanlage des Rotenburger SV.
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Still ruht die Sportanlage – und der immer noch vorhandene Grandplatz: Bis zum Herbst soll an dessen Stelle jedoch ein Winterrasen entstehen. Mehr als ein Jahr nach der ursprünglichen Planung.

Winterrasen in Rotenburg: Nach zahlreichen Problemen wurde nun auch noch die Vergabe verschoben. Der Verwaltungsausschuss tagt in 14 Tagen erneut.

Rotenburg – Das Thema zieht sich wie der Refrain eines Schlagers von Daliah Lavi: „Oh, wann kommst du?“, fragte die Sängerin Anfang der Siebziger und zählte die Tage. In Rotenburg können sie inzwischen die Jahre zählen. Am 23. Mai 2019 hatte der Rat der Stadt dem Bau eines Winterrasens auf der Ahe-Sportanlage zugestimmt. Doch immer noch fristet dort, wo er entstehen soll, der rote Grandplatz ein trostloses Dasein.

Einzig der Wurfkäfig der Leichtathleten ist mittlerweile verschwunden. Die letzte Hürde sollte das Projekt am Mittwoch im Verwaltungsausschuss nehmen – doch daraus wurde nichts! Die Vergabe an einen Generalunternehmer wurde vertagt. Fest steht derweil: Die ganze Angelegenheit wird teurer, viel teurer.

Rolf Ludwig hat 250 000 Euro gespendet.

Der Winterrasen für die Fußballer droht damit zu einer unendlichen Geschichte zu werden, die bei den Protagonisten für Frust und Verärgerung sorgt. Insbesondere bei Geldgeber Rolf Ludwig und dem von ihm ins Boot geholten Rasen-Experten Clemens Mehnert aus dem Allgäu. Ludwig hatte mit einer Spende seiner Stiftung in Höhe von 250 000 Euro alles angeschoben und damit auch die Diskussion um einen Kunstrasenplatz beendet. „Ich bin mehr als stinkig, ich bin tief enttäuscht. Was da passiert ist, ist eine Katastrophe. Hätte ich den Platz bloß selbst gebaut und der Stadt geschenkt“, sagt er nun.

Corona-Pandemie, Meinungsverschiedenheiten mit dem beauftragten Planer und auch als Bauleiter tätigen Dieter Grundmann aus Sarstedt sowie weitere Verzögerungen bei der Ausschreibung ließen den angepeilten Termin der Fertigstellung platzen. Nun wurde auch die Vergabe verschoben. „Der Verwaltungsausschuss hat mir mitgeteilt, dass er noch mal in die Fraktionen gehen und beraten will. Alle halten am Ziel fest, den Winterrasen zu realisieren, aber es gibt Diskussionsbedarf“, erklärt Bürgermeister Andreas Weber (SPD). In 14 Tagen ist das nächste Treffen angesetzt.

Die von Ludwig geübte Kritik in Richtung Verwaltung weist Weber zurück. Auf die erste Ausschreibung im Winter habe sich keine Firma beworben, erklärt er: „Durch Corona ist es unheimlich schwer, Fachfirmen zu finden.“ Daher folgte eine zweite Ausschreibung, in der alles an einen Generalunternehmer gehen sollte. Drei Angebote seien eingegangen.

Chronologie des Winterrasenplatzes in Rotenburg

Eine alte Diskussion um den Bau eines Kunstrasenplatzes in Rotenburg, zuletzt 2010 geführt, flammt 2017 wieder auf. Rolf Ludwig, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine, spricht sich im Mai klar dagegen aus, der damalige Präsident des DFB, Reinhard Grindel, schaltet sich per Brief an Bürgermeister Andreas Weber (SPD) ein – er ist Mitglied des Rotenburger SV und wie sein Verein ein Fürsprecher des Kunstrasens. Im September 2018 wird das Thema „Winterrasen“ bei einem Experten-Hearing im Rathaus erstmals diskutiert. Drei Wochen später stellt die Fraktion der Grünen im Rat den Antrag für die Errichtung eines Winterrasens. Im Februar 2019 verkündet Ludwig, der Stadt einen Winterrasen zu schenken. Ende Mai 2019 beschließt der Stadtrat einstimmig, die Spende in Höhe von 250 000 Euro anzunehmen. Bereits im Juni nimmt der Sachverständige Clemens Mehnert erste Untersuchungen auf dem Grandplatz vor. Im März 2020 verschafft sich der beauftragte Landschaftsarchitekt Dieter Grundmann einen ersten Eindruck vor Ort. Nach einer Baubesprechung stellt sich im September heraus, dass sich der Beginn um ein Jahr verzögert. Grund: Corona und unzählige offene Fragen. Im September ist Diplom-Agrarökonom Mehnert zu weiteren „Bohrungen“ in Rotenburg. Die Ausschreibungen verzögern sich, im November übt daraufhin Grindel erneut öffentlich Kritik. maf

„Ich möchte, dass der Platz zu Beginn der Saison 2020/2021 fertig ist“, hatte er noch im Frühjahr 2019 erklärt. Und nun? Ziel sei es, dass spätestens im Juni/Juli mit den Arbeiten begonnen wird, „um im August/September fertig zu sein, damit der Rasen sechs Wochen liegen und richtig wachsen kann“, nennt Weber den Fahrplan. Ludwig meint: „Wenn das Wetter mitspielt, wir keine weitere Zeitverzögerung haben und der Rasen gut durchkommt, kann man vielleicht schon im September das erste Spiel darauf machen.“ Doch dafür muss – zumindest seit Mittwoch – wohl alles ziemlich glatt laufen.

Was bereits klar ist: Der Platz inklusive Flutlicht, Ballfangzaun, Bewässerung und Drainage wird spürbar teurer als gedacht. 450 000 Euro waren im Haushalt bisher eingeplant, nun dürften es nach unseren Informationen ungefähr 100 000 Euro mehr werden. „Es gibt eine Kostensteigerung“, bestätigt Weber, der sich bei der ganzen Diskussion als eine Art Vermittler sieht: „Es ist auch die Aufgabe des Bürgermeisters, immer wieder die Wogen zu glätten.“ Rolf Ludwig machte derweil klar: „Ich bin nicht bereit, einen Pfennig mehr zu geben.“

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