Fußball-Kreis zahlt Prämie aus

Wilken wirbt mit Moukoko ‒ SV Jeersdorf und RW Scheeßel liegen über dem Schiedsrichter-Soll

Jan-Luca Wilken ist einer der am höchsten pfeifenden Referees aus dem Kreis Rotenburg. Er leitet Spiele in der Landesliga und ist Assistent in der Junioren-Bundesliga.
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Jan-Luca Wilken ist einer der am höchsten pfeifenden Referees aus dem Kreis Rotenburg. Er leitet Spiele in der Landesliga und ist Assistent in der Junioren-Bundesliga.

Rotenburg – Was Youssoufa Moukoko und Jan-Luca Wilken gemeinsam haben? Der 16-jährige Jungstar von Borussia Dortmund und der Fußball-Schiedsrichter des SV Jeersdorf standen Ende September noch zusammen auf dem Platz. Auf der Sportanlage von Preußen Münster war es – A-Jugend-Bundesliga. Wilken war als Assistent an der Seitenlinie tätig. „Durch diese Einsätze trifft man ja schon auf die Stars von morgen, wie zum Beispiel Moukoko oder Woltemade von Werder Bremen“, erzählt er und ergänzt: „Dies kann schon als Ansporn für unsere jüngeren Schiedsrichter gesehen werden.“ Wilken ist damit das Zugpferd – und so kommt es nicht von ungefähr, dass sein kleiner Verein sogar zwei Referees mehr als nötig stellt.

Insgesamt gibt es nur fünf Vereine im Kreis Rotenburg, die in der Saison 2019/2020 über dem Schiedsrichter- Soll lagen. Neben dem SV Jeersdorf waren es der Nachbar SV Rot-Weiß Scheeßel, der sogar drei Unparteiische mehr als erforderlich gemeldet hatte, der SV Ippensen, der TSV Oerel-Barchel und der MTV Wohnste. Ihre Arbeit wurde kürzlich vom Fußball-Kreis honoriert – sie erhielten eine Anerkennungsprämie.

Alles im Blick: Viktor Herber gehört in der Kreisliga zu den renommiertesten Schiedsrichtern im Kreis Rotenburg – er pfeift seit Jahren für den SV Jeersdorf.

Großzügig war der Kreis auch bei der Bemessung in der vergangenen, wegen Corona abgebrochenen Saison. Eigentlich muss ein Schiedsrichter auf 15 Einsätze pro Serie kommen, sonst wird er nicht mitgezählt. „Wir haben aber alle gewertet, die auf der Liste standen, unabhängig davon, wie viele Spiele sie geleitet haben“, erzählt Mats Baur, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichterausschusses.

Wie hoch die Bonuszahlung ist? „Die Ausschüttung wird von Jahr zu Jahr je nach Finanzlage durch den Kreisvorstand neu entschieden“, hüllt sich Pressesprecher Joachim Riegel in Schweigen. In diesem Jahr lag sie meist im unteren dreistelligen Bereich, im Fall von RW Scheeßel waren es beispielsweise 200 Euro, wie der Vereinsvorsitzende Carsten Tietjen verrät. „Deswegen hat die erste Herren auch ein Aufstiegsverbot“, merkt er schmunzelnd an. Schließlich wird die zu erfüllende Quote ab der Kreisliga höher, weil ab dieser Klasse ein Gespann die Partien leitet. Und: Für jede Mannschaft, bei deren Spielen Assistenten eingesetzt werden, muss der Verein selbst drei Schiedsrichter stellen.

Was bekommt ein Schiedsrichter eigentlich?

Reich werden Schiedsrichter durch ihre Tätigkeit auf der Kreis-, Bezirks- oder Verbandsebene nicht. Trotzdem gibt es nach der Spesenordnung des Fußball-Kreises auch für sie eine Aufwandsentschädigung. Die beginnt in den untersten Herren-Spielklassen bei 22 Euro pro Einsatz, steigert sich in der Kreisliga und im Kreispokal auf 25 Euro, beträgt in der Bezirksliga und im Bezirkspokal 35 Euro, in der Landesliga dann 40 Euro und liegt in der Oberliga bei 60 Euro. Assistenten erhalten in der Kreisliga jeweils 20 Euro, auf Bezirksebene 23 Euro sowie in der Oberliga 30 Euro. Hinzu kommen Fahrtkosten für den Schiedsrichter in Höhe von 30 Cent pro Kilometer. Bei Frauenspielen gibt es übrigens 22 (Kreisliga und tiefer), 26 (Bezirksliga), 28 (Landesliga) und 40 Euro (Oberliga) für den Unparteiischen, im Jugendbereich auf Kreisebene zwischen 15 und 18 Euro. Handelt es sich um Spiele auf Bezirks- oder Verbandsebene, sind es zwischen 18 und 30 Euro. Im Seniorenbereich liegen die Sätze bei 20 beziehungsweise 22 Euro pro Einsatz. maf

So müsste beispielsweise der Rotenburger SV allein acht Referees für seine gemeldeten Herrenteams aufbieten – jeweils drei für die erste und zweite Mannschaft (Oberliga/Kreisliga), jeweils einen für die dritte und vierte. Da die Wümmestädter das nicht können, müssen sie derzeit jede Saison einen vierstelligen Betrag an Strafe abführen. „Es ist ein Problem, dass gerade unsere großen Vereine nicht genügend Schiedsrichter stellen. Wenn die ihrem Soll nachkämen, würde das richtig helfen“, betont auch Mats Baur.

Jeder fehlende Referee kostet im Juniorenbereich (ab C-Jugend) sowie im Herrenbereich auf Kreisebene übrigens 150 Euro, bis zur Bezirksliga sind es 250 Euro, ab der Oberliga 350 Euro. „47 Vereine haben ihr Soll nicht erreicht“, berichtet Baur. Einnahmen, die der Fußball-Kreis zwar gut gebrauchen kann, die allerdings das Problem nicht lösen.

Und das wird immer größer, obgleich die Anzahl von rund 240 pfeifenden Aktiven im Kreis seit Jahren recht konstant bleibt. „Das klingt erst einmal positiv, aber es hören immer wieder welche gesundheits- oder altersbedingt auf, die wirklich massenhaft Spiele geleitet haben. Und die nachrückenden Schiedsrichter haben einfach nicht die Zeit, eine derartige Summe an Spielen zu übernehmen. Sie erfüllen dann oft nur ihr Soll, weil sie viele andere Sachen um die Ohren haben. Wir brauchen also viel mehr Schiedsrichter als noch vor Jahren“, betont der Ausschussvorsitzende. „Wir hoffen wirklich, dass wir irgendwie die 300 Schiedsrichter erreichen können.“

Seine Rechnung: Im Schnitt müsse jeder Verein nur einen Unparteiischen mehr stellen, dann wäre das Ziel erreicht. „Es wäre doch echt schade, wenn manche Klassen künftig ohne angesetzten Schiedsrichter oder Assistenten auskommen müssten. Teilweise war es ja sogar schon bei einzelnen Spielen der Fall.“ Die Corona-Pandemie hat die Lage zudem verschärft. „Es gibt Schiedsrichter, die zu einer Risikogruppe gehören und deshalb erst mal nicht pfeifen möchten“, weiß Baur.

Der Kreisvorstand verspricht sich deshalb von seiner Bonuszahlung an die fünf Vereine, die über einen Überschuss verfügen, einen positiven Effekt und wünscht sich, dass weitere Clubs ihre Bemühungen intensivieren. Der SV Jeersdorf dient als gutes Beispiel, wie es funktionieren kann. Auch dank Jan-Luca Wilken. Der 22-Jährige ist nicht nur Spartenleiter, er ist als Schiedsrichter auch in der Landesliga und eben als Assistent in der Junioren-Bundesliga aktiv. Außerdem gehört er dem Talentkader des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) an. Neben ihm ist Viktor Herber als langjähriger Kreisliga-Referee der renommierteste des Vereins. Sechs Unparteiische stellt Jeersdorf insgesamt. „Darauf sind wir auch stolz! Ich glaube, die meisten konnte ich durch die spannenden Berichte von den Spielen überzeugen. Da ich aus Sicht des Vereins ein Aushängeschild als Schiedsrichter bin, ist das Schiedsrichterwesen ein großes Thema bei uns und wird auch gefördert“, weist Wilken den Weg, wie es gehen kann.

Von Matthias Freese

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