Was machen die Talente?

Handarbeit, Spielkonsole, Familie ‒ jugendliche Sportler nutzen die trainingsfreie Zeit sehr kreativ

Absperrband vor dem Spielfeld
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Basketball hinterm Absperrband. Momentan ist selbst das für die jugendlichen Sportler nicht möglich.

Rotenburg – Mitte des Monats gab das Präsidium des Landessportbundes (LSB) eine Stellungnahme zur Öffnungsdiskussion ab. Unter dem Motto „Mit dem Kinder- und Jugendsport beginnen“ forderte der LSB unter anderem die gleichzeitige Rückkehr des Vereinssportes für den Nachwuchs, wenn dieser wieder in die Kindertagesstätten und Schulen gehen darf. Seit nunmehr fast vier Monaten befinden sich die Amateursportler im Lockdown. Wir wollten deshalb wissen, wie sich die sportliche Freizeitgestaltung der Jugendlichen in dieser Zeit entwickelt hat und haben bei vier engagierten Talenten nachgefragt.

Basketballerin Thea Gerken (16/Junior Hurricanes), Prellballerin Tabea Ehlert (16/TV Sottrum), Handballer Filip Korda (15/TuS Rotenburg) und Fußballer Muhammed Aktas (15/Rotenburger SV) standen uns Rede und Antwort. Was hat sich für sie verändert? Verliert der Sport die Jungen und Mädchen eventuell an die Sozialen Medien und die Spielkonsolen oder bleiben sie ihren Vereinen auch während sowie nach der Pandemie treu?

Thea Gerken (16) ist im Basketball-Team der Junior Hurricanes.

Wie schaut eure sportliche Freizeitgestaltung derzeit aus?

Thea Gerken: Mit der Mannschaft habe ich zwei- bis dreimal die Woche Online-Training. Das geht jeweils zwei Stunden. Zudem probiere ich in den letzten Monaten immer wieder neue Sportarten für mich aus. Daran habe ich total Freude. Zum Beispiel haben mein Bruder und ich vor kurzem auf einer Eisfläche hier bei uns Eishockey gespielt.

Tabea Ehlert: Wir treffen uns mit der Mannschaft einmal in der Woche zu einem Online-Work-out. Zusätzlich mache ich noch alleine mit meinem eigenen Körpergewicht ein paar Fitnessübungen.

Filip Korda: Unsere Trainer geben uns Woche für Woche immer neue Pläne für Work- outs und Laufchallenges. Wir sollen uns mit diesen Sportübungen fit halten. Ich versuche, mich täglich nach der Schule sportlich zu betätigen.

Muhammed Aktas: Ich gehe viel laufen und kicke im Garten. Da mache ich zum einen Schusstraining an unserer Garagenwand, zum anderen habe ich mir meine eigene Koordinationsleiter gebaut und mache dort einige Übungen, die ich vom Fußball noch kenne.

Tabea Ehlert (16) spielt und trainiert Prellball beim TV Sottrum.

Hat sich der Sportanteil in eurer Freizeit während der Pandemie verringert oder erhöht?

Thea Gerken: Das ist schwer zu sagen. Aktiv mit der Mannschaft hat sich der Anteil leider etwas verringert, aber insgesamt hat er sich erhöht, weil ich mit der Familie sehr viel Sport mache. Irgendwie hat der Sport sich so in meinen Alltag „eingeschlichen“.

Tabea Ehlert: Der Anteil hat sich deutlich verringert. Sonst stand ich sechs Stunden in der Woche in der Halle – sowohl als Trainerin, als auch bei meinem eigenen Training. Jetzt bin ich in Summe bei gut 1,5 Stunden pro Woche.

Filip Korda: Bei mir persönlich hat sich der Sportanteil eher erhöht. Man hat einfach mehr Zeit, um sich sportlich zu betätigen. Die Halle fehlt mir aber. Die kann nicht ersetzt werden.

Muhammed Aktas: Der Sportanteil ist bei mir deutlich weniger geworden. Sonst haben wir immer feste Trainingszeiten, die eingehalten werden müssen. Die fallen im Moment aber natürlich weg und man weiß nicht so richtig, was man machen soll.

Filip Korda (15) trägt das Handballtrikot des JH Wümme.

Was macht ihr in der Zeit, in der ihr sonst eigentlich beim Training wärt?

Thea Gerken: Wenn ich das kurz und knapp auf den Punkt bringen muss, ist es eindeutig, Zeit mit der Familie zu verbringen. Vor der Pandemie hatte ich kaum Freizeit. Seit einem Jahr machen wir so viel gemeinsam drinnen und draußen. Das genieße ich einfach total.

Tabea Ehlert: Zum einen schaue ich natürlich mehr Serien, aber besonders habe ich die Handarbeit wieder für mich entdeckt. Als Kind habe ich das schon einmal gemacht. Während des ersten Lockdowns habe ich ein Kissen mit Wolle gemacht und es meiner Mama geschenkt. Im Moment bin ich an einem neuen Projekt dran. Ich webe mit einem Rahmen mehrere einzelne Teile, die ich am Ende zu einem großen Schal zusammen setzen will.

Filip Korda: Wir haben einen Basketballkorb auf dem Hof hängen. Da werfe ich häufiger drauf. Natürlich sind auch Beschäftigungen wie das Zocken oder Social Media mehr geworden. Aber ich versuche es, so niedrig wie möglich zu halten.

Muhammed Aktas: Ich wollte mit dem Tischtennis mal anfangen und ausprobieren, ob mir das gefällt, aber es fehlt mir bislang leider ein gescheiter Trainer, der mir den Sport beibringt. Außerdem ist die Motivation nicht immer gegeben. Außerhalb des Sports zocke ich in den letzten Wochen mehr.

Muhammed Aktas (15) spielt Fußball beim Rotenburger SV.

Habt ihr in den vergangenen Wochen mal ans Aufhören gedacht?

Thea Gerken: Ich habe definitiv mal drüber nachgedacht. Aber es kam für mich persönlich nie in Betracht. Dafür ist die Vorfreude auf die Halle viel zu groß.

Tabea Ehlert: Ans Aufhören habe ich nie gedacht. Die Sportart ist mir einfach zu wichtig. Der Prellball wird mich nicht so schnell los.

Filip Korda: Darüber habe ich ehrlich gesagt nie nachgedacht. Es gibt für mich keinen Grund aufzuhören. Ganz im Gegenteil: Dass ich die Halle vermisse, zeigt doch, wie wichtig mir der Sport ist.

Muhammed Aktas: Nein, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich wollte nie und werde nicht aufhören. Denn dafür ist die Liebe zum Fußball zu groß. Bevor ich aufhöre, kicke ich – wie momentan – lieber im Garten und überbrücke so die Zeit, bis die Spiele wieder losgehen.

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