Heeslinger untermauert Interesse

Zweite Liga mit Werder: Philipp Bargfrede steht zur Verfügung

Der bitterste Moment: Philipp Bargfrede stieg mit Werder ab.
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Der bitterste Moment: Philipp Bargfrede stieg mit Werder ab.

Philipp Bargfrede hat deutlich gemacht, dass er sich eine feste Rückkehr in der Profikader des SV Werder Bremen unter Trainer Markus Anfang vorstellen kann. Der Heeslinger könnte das ideale Bindeglied für die Talente sein.

Heeslingen/Bremen – Aktuell verbringt Philipp Bargfrede die freien Tage mit seiner Familie – Urlaub ist angesagt. Runterkommen nach einer Saison, die für ihn erst mit einer Rückholaktion in den Profikader und dann mit dem Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus endete. Und doch ist der 32-jährige Defensivspieler, der aus Heeslingen stammt, mit den Gedanken auch bei seiner Zukunft.

Kehrt er zurück zur U 23 in die Regionalliga – oder wird aus der kurzzeitigen Aushilfe doch wieder ein festes Engagement, dann in Liga zwei unter Neu-Coach Markus Anfang? Für Bargfrede steht jedenfalls fest: „Wenn Werder auf mich zukommt, würde ich mir deren Angebot schon anhören.“

Bargfrede ‒ der Abstieg mit Werder hat Spuren hinterlassen

Der Abstieg hat auch bei Bargfrede Spuren hinterlassen. Mit dem Abstand von rund zwei Wochen ist sich der Routinier, der seit 2004 das grün-weiße Trikot trägt und für den vor der vergangenen Saison ursprünglich kein Platz mehr im Erstliga-Kader war, aber sicher, dass er durchaus bei der Mission „Wiederaufstieg“ mithelfen möchte. „Ich habe weiterhin große Lust, Fußball zu spielen, bin gesund und fühle mich fit“, betont Bargfrede. Er könnte beim Umbau der Mannschaft ein ideales Bindeglied für die hoffnungsvollen Talente sein.

Doch wie groß ist der Glaube, dass Werder nach nur einer Saison in die erste Liga zurückkehrt? „Die zweite Liga wird zur harten Herausforderung, denn jeder Gegner wird 120 Prozent geben und es uns in jedem Spiel schwer machen. Der Unterschied zur Bundesliga ist einfach der, dass dort die individuelle Qualität größer ist“, meint Bargfrede.

Ich habe weiterhin große Lust, Fußball zu spielen, bin gesund und fühle mich fit.

Philipp Bargfrede

Ob er in den Planungen von Sportchef Frank Baumann und Markus Anfang eine Rolle spielt, bleibt abzuwarten. Die Rückholaktion durch Florian Kohfeldt vor dem 29. Spieltag zeigte jedoch, welche Hoffnungen der Trainer in seinen ehemaligen Vorzeige-Profi setzte und wie groß die Wertschätzung in der Werder-Familie immer noch ist. Bargfrede absolvierte immerhin 241 Pflichtspiele, kehrte trotz vieler Verletzungen immer wieder als Leistungsträger zurück, ist im besten Fußball-Alter und bringt eine große Erfahrung mit. Die eingeplanten und neu verpflichteten „Erben“ des Sechsers schafften es gerade in der Rückrunde zu selten, Stabilität in die Defensive zu bringen. Da wurde ein Vorsprung von elf Punkten leichtfertig verspielt.

Lange ist es her: 2009 stieg Philipp Bargfrede (r.) in Werders Profikader auf. Zu der Zeit entstand auch das Bild mit seinem Vater Hansi Bargfrede.

„Ich habe ab und an bei den Profis mittrainiert, dadurch ist der Kontakt zum Trainer nie abgerissen“, erzählt Bargfrede, der in der Woche vor dem Auswärtsspiel gegen Borussia Dortmund ein „SOS“ von Florian Kohlfeldt erhielt. „,Flo‘ hat mich angerufen und um Hilfe gebeten. Da habe ich sofort zugesagt. Ich hatte immer noch Bock auf Fußball. Durch das kontinuierliche Training in unserer U 23 fühlte ich mich recht fit. Was fehlte, war die Spielpraxis“, erklärt der Defensivspieler, dessen Profikarriere nach dem Nichtabstieg 2020 eigentlich endete, weil Werder ihm für den Profikader keinen Vertrag mehr anbot. Die eher unpersönliche Ausmusterung tat dem bodenständigen und vereinstreuen Fighter schon weh. „Nach dem letzten Spiel ging es für alle Spieler in den Urlaub. Erst später gab es ein gutes Telefonat mit Frank Baumann“, berichtet Bargfrede. Er erhielt eine zweijährige Anschlussverwendung. In Werders U 23 spielte er, zudem soll er eine Trainee-Ausbildung erhalten.

Der 29. Spieltag, die Partie in Dortmund, hätte zum Comeback des 32-Jährigen werden können. Doch die Hoffnungen waren spätestens mit dem frühen 0:3-Rückstand verflogen. „Ich weiß, dass ich einen Spieler mit Qualität habe, der sofort funktionieren würde. Das ist ein gutes Gefühl für einen Trainer“, meinte Kohfeldt damals zur Reaktivierung. Und Frank Baumann erklärte: „,Bargi‘ hat solche Situationen in den letzten zehn Jahren häufiger kennengelernt und kann der Mannschaft weiterhelfen. Ich sehe es positiv, dass wir diese Möglichkeit haben.“

Rauswurf von Kohlfeldt miterlebt

Doch erst im dritten Spiel gegen Union Berlin (1:3) feierte Bargfrede sein Comeback, wurde in der 64. Minute beim Stande von 0:2 eingewechselt und agierte, wie es die Fans von ihm kannten. Er forderte die Kugel, pushte seine Nebenleute, ging in die Zweikämpfe und schaffte sogar einige Überraschungsmomente. Mit dem 0:3 war das Spiel aber gelaufen. „Ich hätte mir schon mehr Einsatzzeiten gewünscht. Doch was soll ein Trainer machen, wenn man immer wieder in Rückstand gerät?“, fragt Bargfrede, der nach dem 0:2 gegen Augsburg den Rauswurf von Kohfeldt miterlebte. Im wegweisenden letzten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach sollte es Thomas Schaaf richten.

Für Bargfrede wurde es eine kurze Rückkehr in die Vergangenheit. Als Youngster spielte er unter Schaaf an der Seite von Diego, Mertesacker, Frings oder Özil und feierte große Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene. „Die Mannschaft bestand zeitweise nur aus Nationalspielern. Das hat mich geprägt. Und es sind schon unvergessene Erinnerungen“, sagt der Heeslinger, der im Mai nach dem Trainingslager in Barsinghausen eine vielversprechende Woche erlebte. „Dort hat man gespürt, welch ein erfahrener und großer Trainer Thomas ist. Der Trainingsalltag war schon ein Gegensatz zur Zeit davor“, findet er.

Bargfrede dankt den treuen Werder-Fans

Zwar kam er im Schicksalsspiel gegen Gladbach nicht zum Einsatz, aber vom Empfang der Bremer Fans zeigte er sich dennoch angetan. „Als wir mit dem Bus am Stadion eintrafen, haben uns die Fans gefeiert. Eine super Geste, einfach unglaublich. Ich hatte ein Jahr nicht mehr in der Liga gespielt. Daher hätte es wohl kaum jemand verstanden, wenn ich von Beginn an aufgelaufen wäre“, zeigt Bargfrede Verständnis, dass er den Abstieg von der Bank aus erlebte – und sich in seiner sehenswerten Vita noch eine Delle holte. „Es war für mich unverständlich, dass wir nach dem stürmischen Empfang unserer treuen Fans nicht von Beginn an zu 120 Prozent konzentriert waren und nach drei Minuten bereits das 0:1 kassiert haben. Das hat alles noch schwerer gemacht. Nach dem Abpfiff war ich total enttäuscht, niedergeschlagen und fassungslos.“

Dass Markus Anfang den Anspruch hat, den enttäuschten Werder-Fans Offensiv-Fußball anzubieten, hört sich gut an. Doch die entscheidende Frage wird sein: Gelingt es den Werder-Protagonisten, einen qualitativ guten und konkurrenzfähigen Kader zusammenzustellen. „Der Mix im Kader ist wichtig. Und dann stellt sich unter anderem die Frage: Welche Vision hat der Trainer? Stehen dafür die Spieler zur Verfügung und lassen sich die Forderungen überhaupt umsetzen?“, wirft Philipp Bargfrede ein. Er wäre jedenfalls bereit und steht zur Verfügung.

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