Sportlerwahl des Jahrzehnts - Startnummer 9

Mara Wegener ist zurück auf der Bahn und greift jetzt als Trainerin an

Mara Wegener verbrachte nach ihrem Umzug nach Oldenburg die Zeit lieber in der Natur als beim Leichtathletik-Training.
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Mara Wegener verbrachte nach ihrem Umzug nach Oldenburg die Zeit lieber in der Natur als beim Leichtathletik-Training.

Rotenburg – Bei dem Blick auf die Bilder aus alten Zeiten muss Mara Wegener lachen. „Oh Gott, wie austrainiert ich da noch war“, entfährt es ihr bei der Betrachtung. Für die ehemalige Starterin des TuS Rotenburg sind die Zeiten als eine der besten Nachwuchs-Siebenkämpferinnen in der Leichtathletik weit entfernt. Und dennoch: Die Siegerin der Sportlerwahl 2013 ist nach mehr als vierjähriger Auszeit auf die rote Bahn zurückgekehrt, ihre Leidenschaft zur Leichtathletik ist neu entfacht – durch Corona.

„Tatsächlich bin ich im vergangenen Sommer als Trainerin eingestiegen“, berichtet sie. Während der Pandemie hatte sie sich einen Ausgleich zum Beruf gesucht und wurde dabei vom neuen Sportplatz der HSG Hatten-Sandkrug angezogen. „Ich hatte einfach Bock, wieder etwas zu machen.“ Im Vorort von Oldenburg ist die 22-Jährige nun wieder voll dabei. „Ich will dort eine neue Leichtathletikmannschaft aufbauen“, sagt Wegener. Im August stieg sie ein und fungiert als einer der Trainer für die Kinder und Erwachsenen. „Ab und zu habe ich auch selbst mittrainiert“, verrät die Siebenkämpferin. Momentan bietet Wegener ihren Schützlingen zweimal pro Woche ein Online-Training an. Zwar wäre Leichtathletik als Individualsport erlaubt, „aber der Aufwand mit Hygienekonzepten wäre einfach zu groß.“ Deshalb kann sie es kaum erwarten, wenn wieder normal trainiert werden kann.

Die Leidenschaft ist wieder entfacht. Allerdings strebt Wegener kein großes Comeback mehr als Aktive an. „Ich möchte schon ein oder zwei Wettkämpfe mitmachen und mal die 100 Meter laufen. Aber das soll alles längst nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen wie damals und nicht so leistungsorientiert werden“, erklärt die ehemalige Schülerin des Gymnasiums in Sottrum.

Einst war Wegener im Dress des TuS Rotenburg als Jugendliche eines der größten Talente Deutschlands. Gleich dreimal in Folge qualifizierte sich die Leichtathletin für die Deutschen Meisterschaften und erreichte 2012 bei der U 16 als bestes Resultat Rang neun. Zudem gewann sie beim nationalen Pfingstsportfest in Zeven über 200 Meter in 25,14 Sekunden und übersprang in ihrer Laufbahn mit 1,60 Meter im Hochsprung ihre eigene Körpergröße. Viermal pro Woche stand Wegener beim TuS Rotenburg auf dem Platz oder trainierte mit ihren Teamkollegen in der Pestalozzihalle die Muskeln. Leichtathletik war das bestimmende Hobby für die Athletin, die ihre Anfänge beim TV Sottrum machte und dann ab der vierten Klasse und nach dem Vereinswechsel in der Kreisstadt beim inzwischen in den Ruhestand gewechselten Trainer Klaus Dierks stetig Fortschritte machte.

Die Läufe waren ihre Paradesdisziplinen.

Die sieben Disziplinen 100 Meter Sprint, Hürdenlauf, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Speerwurf und die 800 Meter beherrschte die 22-Jährige. Allerdings war sie immer froh, wenn zwei Teile des Wettkampfs absolviert waren. „Kugelstoßen und der Hürdenlauf waren nie meine Favoriten. Fürs Kugelstoßen hatte ich nicht die nötige Figur und der Hürdenlauf war mir zu technisch“, erinnert sich Wegener schmunzelnd. Dennoch dachte sie nie daran, sich auf eine Disziplin zu konzentrieren. „Ich konnte einfach immer alles recht gut und konnte mich deshalb nicht festlegen. So war auch immer Abwechslung dabei“, begründet die ehemalige Athletin.

Als sie 2016 nach dem bestandenen Abitur eine duale Ausbildung zur Bankkauffrau in Oldenburg begann, war die Karriere auf der roten Bahn für lange Zeit vorbei. Neben der Arbeit gab es wenig Zeit und die Prioritäten haben sich immer mehr verschoben. Statt Sport nach dem Feierabend wollte sich Wegener lieber entspannen und in der neuen Heimat Kontakte knüpfen.

„Ich hatte als Kind immer feste Trainingszeiten. Da war ich immer am Montag, Mittwoch und Freitag beim Training. Ich habe es dann genossen, dass ich mich nicht mehr an feste Zeiten binden musste“, gesteht sie. So ging es statt zum Sportplatz ins Fitnessstudio, mit dem Fahrrad los, oder ein Spaziergang durch die Oldenburger Natur wurde absolviert.

Bei der Sportlerwahl 2013 kam an Mara Wegener keiner vorbei.

Die Kontakte zu den alten Trainingspartnern aus Rotenburg sind bis heute nicht abgerissen. „Natürlich wissen wir voneinander, was der andere so macht. Viele hat es aus Rotenburg mittlerweile weggezogen und sogar ein paar Leute unserer alten Trainingsgruppe sind neben mir in Oldenburg angekommen – zum Beispiel Vanessa Koß“, erzählt Wegener. Zu Hause in Höperhöfen ist sie aber nicht mehr oft. „Ein mal pro Monat wohl“, sagt sie. Stattdessen will sie demnächst mit ihrem Freund in Sandkrug zusammenziehen. Ganz genau informiert über die Neuigkeiten in Rotenburg und umzu ist die Firmenkundenberaterin mit Schwerpunkt Landwirtschaft trotz einiger Kunden aus dem Kreis Rotenburg nicht mehr. Deshalb rätselt Wegener auch, wie es der Leichtathletik-Sparte des TuS Rotenburg heute geht. „Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob es noch Training gibt und wer dann der Trainer ist.“

Dass niemand an der Wümme in ihre Fußstapfen als Leistungsathletin gestiegen ist, findet sie bedauerlich – genau wie die allgemeine Entwicklung der Sportart. „Ich habe mal nach den Ergebnissen der Kreismeisterschaften geschaut. Mehr als drei oder vier Vereine sind da ja nicht mehr dabei. Das ist sehr traurig. Leichtathletik ist so ein toller Sport“, schwärmt Wegener. „Für jeden ist etwas dabei. Wer Power im Arm hat, macht eben eine Wurfdisziplin. Wer schnelle Beine hat, geht auf die Laufbahn.“ Es ist klar zu merken: Die Leidenschaft ist bei Wegener wieder voll da. Und die will sie in der neuen Heimat Sandkrug nun an ihre Schützlinge übertragen.

Zahlen, Daten, Fakten: Mara Wegener

Geburtsort: Rotenburg.

Alter: 22.

Aktueller Wohnort: Oldenburg.

Familienstand: Ledig.

Beruf: Firmenkundenberaterin (Landwirtschaft und Ernährung).

Sportart: Leichtathletik.

Sieger bei der Sportlerwahl: 2013.

Größte Erfolge: Dreimal Teilnahme bei der Deutschen Meisterschaft im Siebenkampf (davon einmal Rang neun bei der U 16 im Jahr 2012), überspringen der eigenen Körpergröße von 1,60 Meter, Sieg über 200 Meter beim nationalen Pfingstsportfest in Zeven mit 25,14 Sekunden.

Bisherige Vereine: TV Sottrum, TuS Rotenburg.

Aktueller Verein: TSG Hatten-Sandkrug.

Hobbys: Leichtathletik, Zeit mit Familie und Freunden verbringen, die Natur genießen.

Ziele: Glücklich und gesund sein, eine neue Leichtathletikmannschaft bei der HSG Hatten-Sandkrug aufbauen, noch einmal einen Wettkampf bestreiten (100 Meter).

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