Viel Ballbesitz an der Konsole

Walseder Duo erreicht bei „eFootball“-Kreismeisterschaft das Viertelfinale

Der SV Horstedt ist mit eigenem Fanclub angereist. In dieser Szenen jubeln die Zuschauer gerade mit Tim Thölken und Miguel Sojka (v.l., am Bildschirm) über ein Tor. Fotos: freese
+
Der SV Horstedt ist mit eigenem Fanclub angereist. In dieser Szenen jubeln die Zuschauer gerade mit Tim Thölken und Miguel Sojka (v.l., am Bildschirm) über ein Tor.

Zeven - Es ist 18.44 Uhr. Eine Autotür öffnet sich. Tim Bewernick und Marco Scherweit steigen aus. Die Autotür knallt. Snapback, Sneaker, schwarze Sporthose, rote Trainingsjacke. Dass die beiden ein Team bilden, ist nicht zu übersehen. Sie steuern das Nebengebäude der Volksbank Zeven an. Bei ihrer Ankunft stellt sich Scherweit vor: „FC Walsede“, sagt er zu einem Mann mit Teilnehmerliste in der Hand. Es ist Oliver Stahs. Der „eFootball“-Beauftragte des NFV-Kreises Rotenburg winkt das Duo durch und zeigt auf den Veranstaltungsraum der Bank. Wo es sonst um wenig mehr als Geld geht, steht nun die erste Kreismeisterschaft im „eFootball“ in den Startlöchern – mit 32 Teams aus 20 Vereinen.

Im Raum herrscht ein lautes Durcheinander. Ständig trudeln neue Mannschaften ein. Es wird geredet, viel gelacht. Erst Uwe Schradick sorgt mit seinem Griff zum Mikrofon für einen Moment der Stille. Nach einer kurzen Begrüßung eröffnet der NFV-Kreisvorsitzende den Titelkampf an der Playstation  4. Die Fifa 20-Regeln sind den Spielern bekannt.

Die K.o.-Phase zu erreichen, haben sich Bewernick (24) und Scherweit (36) zum ausdrücklichen Ziel gesetzt. „Das ist Pflicht“, kündigt der Abwehrroutinier aus der 1. Kreisklasse an. Das Duo habe zwar nicht trainiert, verstehe sich aber auch so blind. Es tritt mit der französischen Nationalmannschaft an – „die hat die körperlich besten Spieler“, erklärt Bewernick. Er nimmt neben Scherweit vor einem Computerbildschirm Platz, greift nach einem der Controller und schiebt eine Kunstblume zur Seite, um Platz für seine Wasserflasche zu haben. Eine Rarität an diesem Abend – schließlich haben nahezu alle anderen Mannschaften bereits vor dem Anpfiff ein Bierchen oder Alster in der Hand.

Fokussiert: Hussen Kenj vom TV Stemmen.

Die erste Partie gegen den FC Alfstedt/Ebersdorf entscheiden die Walseder deutlich für sich. „Wir hatten viel Ballbesitz und der Gegner keine Torchance – so kann’s weitergehen“, analysiert Scherweit. Dank der sich anschließenden Siege gegen den TSV Karlshöfen II und den SV Sandbostel ziehen sie ungeschlagen ins Achtelfinale ein. Dort treffen sie auf die zweite Mannschaft des TuS Heeslingen, die sie mit 3:0 besiegen. Erst im Viertelfinale ist Schluss für Bewernick und Scherweit: Mit 1:4 unterliegen sie dem Duo des TSV Karlshöfen I, dem späteren Vize-Kreismeister. „Es ist hier definitiv etwas Anderes, als wenn du alleine zu Hause spielst“, sagt Bewernick, der ankündigt, nun über das Ende seiner Fifa-Karriere nachzudenken. Mit dem Erreichen des Viertelfinales sind die Walseder das beste der insgesamt acht Duos des Südkreises.

Kamen ins Viertelfinale: Marco Scherweit (vorne, l.) und Tim Bewernick, die von einigen als Favorit gehandelt wurden.

Sie verpassen die „eFootball“-Niedersachsenmeisterschaft, die im Januar in Hannover stattfinden wird. Aus dem Kreis qualifizierten sich der FC Oste-Hamme als Dritter, des TSV Karlshöfen als Zweiter und der neue Kreismeister, der TuS Zeven, mit Claas Paulsen und Franjo Kohl.

So haben die anderen Altkreis-Teams abgeschnitten

TuS Hemslingen/Söhlingen: Kevin Bartels und Dennis de Mil sowie Carlos Eckstein und Lennart Bartels sind für den TuS Hemslingen-Söhlingen an der Start gegangen. Beide Teams mussten sich aber im Achtelfinale geschlagen geben.

Kein Photoshop: Hansa Rostock, gespielt vom FC Alfstedt/Ebersdorf, siegt gegen Paris Saint-Germain.

SV Horstedt: Ein eigener Fanclub unterstütze die zwei Horstedter Teams. Während sich Felix Lohmann und Pascal Meier bereits in der Gruppephase aus dem Titelrennen verabschiedeten, lieferten sich Miguel Sojka und Tim Thölken im Achtelfinale ein Duell mit dem TuS Nieder Ochtenhausen. Dieses verloren sie letztlich mit 7:8 im Elfmeterschießen.

TV Sottrum: Lenni Reiter und Pascal Pape waren nach ihrem Ausscheiden im Achtelfinale sichtlich enttäuscht. „Da war mehr drin“, gestand Pape nach einer starken Gruppenphase. Das Duo war knapp mit 2:3 gegen den FC Oste-Hamme ausgeschieden.

TV Stemmen: Patrick de Back und Hussen Kenj schafften es als Tabellenzweiter der Gruppenphase immerhin ins Achtelfinale. Frederik Narten und Jannis Steenbock scheiterten in der Gruppenphase.

FC Walsede: Robin Willenbrock und Johannes Gebhardt verpassten den Einzug in die K.o.-Phase nur knapp. Bei Tim Bewernick und Marco Scherweit lief’s besser – Viertelfinale.

Rotenburger SV: Alexander Nitz und Jonas Niemann spielten in der Gruppenphase zwei Spiele mit dem SSC Neapel und eins mit dem HSV – ohne Erfolg und mit null Punkten.

Drei Fragen an Stahs: „Regelrechte Punktlandung!“

Oliver Stahs hat die erste Meisterschaft im „eFootball“ im Kreis Rotenburg auf die Beine gestellt. Wir stellten ihm drei Fragen zu

seinem Job als eFootball-Beauftragter.

Wie wird man eFootball-Beauftragter eines NFV-Kreises?

Ehrlich gesagt, hat Uwe (Schradick, Anm. d. Red.) das einfach bestimmt. Es lief so nach dem Motto: „Du kennst dich mit Computern aus, du machst das.“ Aber es macht mir großenSpaß, ich hab’s noch nicht bereut.

Haben Sie damit gerechnet, dass so viele Teams an der eFootball-Kreismeisterschaft teilnehmen wollen?

Nein, das müssen wir offen so sagen – auch weil es in anderen Kreisen auch nicht gut lief. Wir haben eine regelrechte Punktlandung erzielt: Zum Anmeldeschluss, am 15. Oktober, waren es genau 32 Teams.

Warum lief das hier im Kreis besser?

Keine Ahnung, das ist schwierig zu sagen. Vielleicht, weil wir nicht nur klassisch per E-Mail eingeladen haben, sondern auch viel Werbung auf Social Media gemacht haben.

Hintergrund: der Spielmodus

Damit es fair bleibt, gibt es bei Fifa die Möglichkeit, Turniere im 85er-Modus auszutragen. Dies verhindert, dass sich die Teilnehmer um die besten Mannschaften streiten müssen. Im 85er-Modus werden die Wertungen aller Mannschaften gleichgesetzt – auf den Wert 85. So sind selbst die Voraussetzungen im Spiel Real Madrid gegen den HSV gleichwertig. Am Ende entscheidet also nur das Können der Teilnehmer über Sieg und Niederlage.

Zitate aus der Rubrik Sprücheklopfer:

„Das ist auf dem Rasen trotzdem geiler.“

Uwe Schradick, NFV-Kreisvorsitzender

„Meinst du, das macht so einen Unterschied, wenn wir die Computer auf den Rasen stellen?“

Marco Biedermann vom Mitveranstalter Powerplay-Events kontert den Spruch von Uwe Schradick.

„Du musst der Zeitung das Interview geben, schließlich hast du unseren Sieg versaut.“

Felix Lohmann vom SV Horstedt zu seinem Teamkollegen Pascal Meier, der zwei unnötige Elfmeter verursacht hatte.

„Ich habe keine Playstation zu Hause – ehrlich gesagt habe ich nicht einmal einen Fernseher.“

Hussen Kenj, TV Stemmen

„Wir haben viele Talente. Tore zu schießen gehört nur leider nicht dazu.“

Marco Scherweit, FC Walsede, verzweifelt in der Offensive.

„Wir lagen mit 0:4 hinten gegen den TV Stemmen. Da wollte ich einfach mal ein Zeichen setzen.“

David Wehber, FC Alfstedt/Ebersdorf, begründet seine Rote Karte.

„Irgendwo muss der TSV Karlshöfen ja seine Punkte holen – wenn schon nicht in der Liga.“

Henning von Holten, FC Alfstedt/Ebersdorf, kommentiert den 5:1-Erfolgdes TSV Karlshöfen über den FC Walsede.

„Na, gewinnt ihr schon wieder mit Glück?“

Pascal Pape, TV Sottrum, zu dem Spieler-Duo des FC Oste-Hamme, gegen das er im Achtelfinale knapp mit 2:3 verloren hat.

„Und daraus trinken kann man auch.“

Claas Paulsen, TuS Zeven, entdeckt die Vorteile des Kreismeister-Pokals.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Wer an diesen Unis studiert hat, wird Milliardär

Wer an diesen Unis studiert hat, wird Milliardär

Diese Dinge sollten Sie schleunigst aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Diese Dinge sollten Sie schleunigst aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Mit dieser Körpersprache geht das Bewerbungsgespräch schief

Mit dieser Körpersprache geht das Bewerbungsgespräch schief

Mit neuen Gesichtern und neuen Trikots: Trainings-Start bei Werder

Mit neuen Gesichtern und neuen Trikots: Trainings-Start bei Werder

Meistgelesene Artikel

Graf lässt den Nachwuchs schwitzen

Graf lässt den Nachwuchs schwitzen

Kiel-Brüder wechseln in die 1. Kreisklasse

Kiel-Brüder wechseln in die 1. Kreisklasse

Lohmann ist die Nummer zehn

Lohmann ist die Nummer zehn

Stadt sagt Sportlerehrung für 2020 ab

Stadt sagt Sportlerehrung für 2020 ab

Kommentare