Der Nachholspiel-Marathon nervt die Fußballer

Verlängerung der Saison? „Das wollen die Vereine nicht“

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Bei diesen Temperaturen geht nichts auf den Plätzen – auch in Rotenburg nicht. 

Rotenburg/Bothel - Von Matthias Freese. Die Fußball-Trainer der Region sind derzeit nicht zu beneiden. „Ich fühle mich wie ein Telefonagent“, sagt Tim Ebersbach. Der Coach des Rotenburger SV ist stets auf der Suche nach alternativen Trainingsinhalten, denn: „Den grünen Rasen haben wir noch nicht ein Mal gesehen.“ Mal wieder erschweren die Witterungsbedingungen nicht nur seinem Landesligisten die Vorbereitung. Wenigstens ein Mal die Woche gönnt sich der RSV deshalb den Kunstrasenplatz in Hemelingen – gegen Gebühr.

Dass am Wochenende irgendwo in der Landesliga oder Bezirksliga gespielt wird, ist schwer vorstellbar. Auch der TuS Bothel rechnet nicht mit der Austragung seiner Bezirksligapartie beim SV Ippensen und würde damit die vierte Begegnung vor sich herschieben. Dem RSV geht es ähnlich – wenn Eintracht Lüneburg als letzter Club in der Staffel absagt. Die Rotenburger waren übrigens letztmalig am 11. November gegen den TSV Etelsen in einem Punktspiel auf „echtem“ Rasen aktiv. Lang ist‘s her.

So viele Nachholpartien wie in dieser Saison gab es zu diesem Zeitpunkt lange nicht mehr. Landesligist Blau-Weiß Bornreihe hat seit Saisonbeginn gerade mal zwölf Punktspiele absolviert, die meisten Kontrahenten erst 13 oder 14. Von 136 Begegnungen wurden bis zum Winter nur 112 ausgetragen. In der Bezirksliga waren es 118 von 144 – jeweils rund 18 Prozent! Allein fünf Teams aus Osterholz hinken mit erst 13 ausgetragenen Partien hinterher, während die Kunstrasen-Besitzer FC Verden 04 und TV Oyten 17 Mal aufgelaufen sind.

Da wird der eine oder andere Verein neidisch. Und angesichts des Nachholspiel-Marathons nervös. Nicht so Jürgen Stebani. Der erfahrene Spielausschussvorsitzende des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) sieht die Sache „noch ganz entspannt. Mich kann nach 30 Jahren nicht mehr so viel aufregen. Außerdem war es 2012/2013 doch viel schlimmer“, meint er. Damals ging von Januar bis Ende März wegen der frostigen Temperaturen fast nichts, damals waren aber zuvor fast alle Teams auf Stand. Solch eine Wetterperiode könnte in dieser Saison zum Super-GAU führen. Ist eine Verlängerung also Plan B? Schließlich fällt auf, dass die Serie bereits am 27. Mai, also vier Wochen vor den Sommerferien und zwei vor der WM, endet. Die eingeplanten Relegationstermine betreffen zumindest die Landesliga und die Bezirksliga 3 nicht – da sind also Reserven vorhanden. Stebani lehnt (bisher) jedoch ab: „Das wäre der Notfall, aber den wollen die Vereine eigentlich nicht. Die planen doch auch ihre Abschlussfahrten.“ Christoph Meinke, Spielertrainer des TuS Bothel, will die Möglichkeit der Verlängerung indes nicht verteufeln: „Da hätte ich kein Problem mit.“ Stebani hält lieber ein anderes Ass im Ärmel vor: „Wir haben ja auch noch Pfingsten“, erinnert er an den bisher spielfreien 20./21. Mai.

Dass bereits am 28. Januar wieder offizieller Ligastart in der Bezirksliga war, brachte indes kaum einen Vorteil: „Ich denke, dass man lieber in der Woche zwei Spieltage im August und September, zur guten Jahreszeit, mitansetzen sollte. Im Januar und Februar weiß man nie, ob was stattfindet“, merkt Meinke an und wundert sich, dass sein Team im Mai nur ganze zwei Spiele absolvieren muss!

Die ständige Ungewissheit, das ständige Umschmeißen der Trainingsinhalte – der Coach findet es „ätzend und mühselig. Man überlegt immer, was man noch machen kann.“ Fünf , sechs Einheiten war er mit seinen Jungs immerhin schon auf dem Rasen. „Wir können es bei uns selbst entscheiden, sind aber auch schon recht vorsichtig. Wir haben bisher eine Einheit komplett ausfallen lassen, haben aber auch schon mal einen Teil der Halle abbekommen, hatten zwei Testspiele auf Kunstrasen oder sind durch das Dorf gelaufen“, berichtet Meinke.

Dem RSV hat das Trainingslager in Malente am vergangenen Wochenende die Vorbereitung gerettet. Tim Ebersbach bat seine Mannen übers Wochenende zu acht Einheiten und einigen Saunagängen. Ansonsten standen auch schon Intervallläufe, Fitnesskurse oder aber Brustschwimmen an. „Ich muss ja sehen, die Leute bei Laune zu halten“, sagt Ebersbach.

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