Vereine sorgen sich um Nachwuchs

Welche Auswirkungen der Lockdown auf den Jugendfußball hat

In einem der bisher letzten Jugendspiele standen sich die U 16-Teams des Rotenburger SV (links) und des JFV Union 18 gegenüber.
+
In einem der bisher letzten Jugendspiele standen sich die U 16-Teams des Rotenburger SV (links) und des JFV Union 18 gegenüber.

Drohen den Fußballvereinen in den nächsten Jahren schwere Zeiten und Mitgliederverluste im Nachwuchsbereich aufgrund des Lockdowns? So manch einer fürchtet dieses Szenario.

  • Manch Jugendkicker verliert im Lockdown die Lust.
  • Vereine stehen vor Riesenherausforderung.
  • Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Rotenburg – Playstation statt Sportplatz? Virtueller Übersteiger statt Hackentrick auf dem Rasen? Viele Fußballvereine machen sich in der Corona-Auszeit ernsthafte und nicht ganz unberechtigte Sorgen um den Nachwuchs. Monatelang ohne Training, erst recht ohne Spiel – da verliert der eine oder andere junge Kicker womöglich die Lust und widmet sich anderen Dingen.

Henning Schwardt (Rotenburger SV).

Carsten Tietjen hat es bereits direkt gemerkt. Der Vorsitzende des SV Rot-Weiß Scheeßel, der auch selbst im Trainingsbetrieb eingebunden ist, hatte im Jahrgang 2010 noch vor einigen Monaten 35 Kinder in seinem Verein. „Acht davon haben nach dem ersten Lockdown aufgehört und komplett den Zugang zum Sport verloren“, berichtet er und untermauert bestehende Befürchtungen.

Andreas Kurth pflichtet ihm bei: „Die Welle wird kommen – nicht unbedingt bei den Leistungsmannschaften, aber bei der U 13 und jünger. Es wird eine Riesenherausforderung, der wir uns stellen müssen, um Mannschaften am Leben zu erhalten – in allen Vereinen“, glaubt der Sportliche Leiter für die Junioren-Leistungsteams des Rotenburger SV. Er berichtet auch, dass sein Verein im Sommer entgegen der ursprünglichen Planung keine U 11 ins Rennen geschickt hatte. Henning Schwardt, Jugendleiter des RSV, verdeutlicht: „Wenn nur ein oder zwei Jungs aufhören, kann es schon dazu führen, dass man die Mannschaft nicht mehr melden kann.“ Insgesamt spricht er aber von einer überschaubaren Anzahl an „Aussteigern“ und sagt: „Das wäre sonst vielleicht auch passiert. Womöglich war das jetzt nur ein Anlass.“

Thomas Holzkamm (JFV Union 18).

Vorsichtig optimistisch ist Thorsten Hoffmann, der im Sport-Vorstand des JFV Wiedau Bothel Teamleiter der A- bis C-Jugend ist. „Im Moment spüren wir noch keine Auswirkungen. Ich denke, bei den älteren Jahrgängen werden wir wegen der Corona-Krise auch keine Spieler verlieren. Bei den jüngeren Jahrgängen können wir es noch nicht abschätzen, das werden wir da erst merken, wenn wir wieder auf die Plätze kommen.“

Ein halbwegs gutes Gefühl hat auch Thomas Holzkamm, Vorsitzender des JFV Union 18, der nach Rücksprache mit seinen Trainern feststellt: „Bei uns hört keiner auf. Da ist keiner dabei, der keinen Bock mehr hat.“ Allerdings schätzt er auch, dass „diejenigen aufhören könnten, die sowieso wenig Spielanteile haben. Aber die Stammspieler? Das glaube ich nicht.“

Carsten Tietjen (SV RW Scheeßel).

Viele Jugendcoaches schicken ihren Spielern Trainingspläne oder haben Challenges gestartet, versuchen damit auch in der Corona-Auszeit, in Kontakt zu bleiben und sich ins Gedächtnis zu rufen. „Aber das ersetzt ja nicht das Eigentliche. Und gerade bei den jüngsten Jahrgängen stagniert die Entwicklung“, weiß Schwardt. Peter Meyer, erfahrener Nachwuchstrainer und Spielausschussobmann für die Jugend des RSV, erläutert: „Wenn du nicht trainierst, konservierst du auch nicht, was du vorher gelernt hast.“ Bei den Älteren kommt das ohnehin beliebte Zocken an der Konsole hinzu: „Im Moment ist das Daddeln mehr angesagt, was anderes bleibt denen ja auch nicht übrig“, ahnt auch Holzkamm und zeigt Verständnis. Und Schwardt ergänzt: „In Fifa sind sie dann alle die Vollprofis.“

Was das letztlich für Folgen für die Vereine hat, „werden wir im neuen Jahr sehen und zu spüren bekommen“, glaubt nicht nur Meyer. Auch in Scheeßel musste der Vorsitzende Tietjen bisher kaum Austritte notieren: „Es sind nicht viele, die den Verein verlassen.“ Allerdings warten manche Eltern sicher auch erst einmal ab, ob ihre Kinder nicht doch den Weg zurück auf den Platz finden.

Umso wichtiger ist es den Vereinen, möglichst schnell wieder trainieren zu dürfen. „Meinetwegen ohne Kabine, mit Abstand und in kleinen Gruppen. Das ist zehnmal besser als alles andere“, findet Schwardt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Meistgelesene Artikel

Vor dem Pokal: RSV hofft auf Hakansson

Vor dem Pokal: RSV hofft auf Hakansson

Vor dem Pokal: RSV hofft auf Hakansson
Krause kämpft für Disc-Golf-Anlage in Rotenburg

Krause kämpft für Disc-Golf-Anlage in Rotenburg

Krause kämpft für Disc-Golf-Anlage in Rotenburg
Kreisligist TV Stemmen schlägt RW Scheeßel im Test gleich mit 7:2

Kreisligist TV Stemmen schlägt RW Scheeßel im Test gleich mit 7:2

Kreisligist TV Stemmen schlägt RW Scheeßel im Test gleich mit 7:2
Basketball-Zweitligist verpflichtet Schinkel und holt Saidi zurück

Basketball-Zweitligist verpflichtet Schinkel und holt Saidi zurück

Basketball-Zweitligist verpflichtet Schinkel und holt Saidi zurück

Kommentare