Nach Regelverstoß im Spiel gegen Uphusen

Verbandssportgericht schmettert Protest des RSV mit Wahrscheinlichkeitsrechnung ab

Diese zweite Gelbe Karte gegen Burak Yigit löste den Protest aus – die Erfolgsaussichten des RSV sind aber minimal.
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Diese zweite Gelbe Karte gegen Burak Yigit löste den Protest aus – die Erfolgsaussichten des RSV sind aber minimal.

Rotenburg/Uphusen – Es geht auch um Wahrscheinlichkeitsrechnung in diesem Fall. Oder besser: Es geht vor allem um Wahrscheinlichkeitsrechnung! Die Erfolgsaussichten des Rotenburger SV, ein Wiederholungsspiel in der Fußball-Oberliga gegen den TB Uphusen zu erzwingen, sind jedenfalls drastisch gesunken. Sie tendieren gegen null. Der Einspruch, den der Aufsteiger wegen eines eingeräumten Regelverstoßes des Schiedsrichters Jens Kampling (SV Herbrum) nach der 2:3-Niederlage eingereicht hatte, ist bereits zwei Tage später vom Vorsitzenden des Verbandssportgerichts Jörg Firus abgeschmettert worden. Der Unparteiische hatte den Uphuser Burak Yigit in der 83. Minute zum zweiten Mal die Gelbe Karte gezeigt, ihn aber nicht vom Platz gestellt.

Firus wies in seinem Schreiben an den RSV darauf hin, „dass das Rechtsmittel keine Aussicht auf Erfolg hat“. Er begründete das mit Paragraf 16 der Rechts- und Verfahrensordnung, wonach sich ein Protest nur auf einen den Spielausgang nachteilig beeinflussenden Regelverstoß des Schiedsrichters stützen könne, „wenn dieser die Spielwertung als verloren oder unentschieden mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat“. Das Verbandssportgericht erkannte zwar den Regelverstoß des Schiedsrichters an, doch hätte dieser die Spielwertung nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst. „Denn allein die rein mathematische oder statistische Wahrscheinlichkeit, dass der Rotenburger SV e.V. durch ein Überzahlspiel in den verbleibenden restlichen Spielminuten noch hätte den Ausgleich erzielen können oder das Spiel für sich entscheiden können, vermag die in § 16 Abs. 2 RuVO geforderte hohe Wahrscheinlichkeit nicht zu begründen. Denn mindestens genauso wahrscheinlich wäre es gewesen, dass der Rotenburger SV e.V. auch bei einem Überzahlspiel in den verbleibenden acht Spielminuten zuzüglich der Nachspielzeit kein Tor mehr erzielt hätte“, schreibt Firus in seiner Begründung. Dass nach der Szene tatsächlich noch zwei Tore – auf jeder Seite eines – gefallen sind, lässt er außer Acht. Genauso den Fakt, dass das 3:1 für Uphusen aus einem klaren Handspiel resultierte.

Kommentar

Wie ein kleiner Schuljunge abgekanzelt

Von Matthias Freese

Eines ist Jörg Firus, dem Vorsitzenden des Verbandssportgerichts nicht vorzuwerfen: Er schiebt den Einspruch (oder ganz formal: Protest) des Rotenburger SV nicht auf die lange Bank. Das ist gut. Mit seiner Einschätzung überrascht er aber nicht nur den Aufsteiger von der Wümme, sondern auch Oberliga-Spielleiter Burkhard Walden, der noch am Montag fest damit gerechnet hatte, dass die Partie wegen des Regelverstoßes des Schiedsrichters wiederholt werden muss.

Doch Firus kommt als Statistiker daher, kanzelt den RSV wie einen kleinen Schuljungen ab und haut ihm noch das Lineal auf die Finger. Die Wahrscheinlichkeit, dass der RSV in den verbleibenden Minuten plus Nachspielzeit noch ein Tor erzielt hätte, sei nicht hoch genug. Vielleicht hätte er sich etwas genauer mit dem Fall beschäftigen sollen. Die Rotenburger hatten sogar noch ein Tor erzielt! Allerdings auch eins kassiert. Dass Uphusen beim 3:1 nur noch zu zehnt auf den Platz hätte stehen dürfen – es interessiert den Sportrichter nicht. Dass dieses auch noch nach einem klaren Handspiel fiel – na und?

Hier wird der Eindruck erweckt, dass sich das Verbandssportgericht Arbeit ersparen will und aufgrund der noch drohenden Corona-Terminnot zusätzliche Ansetzungen verhindert. Bitte nicht falsch verstehen: Uphusen kann absolut nichts dafür, aber der RSV ist nicht nur in dieser Partie ungerecht behandelt worden, sondern auch hinterher.

Torsten Krieg-Hasch reagierte auf dieses dreiseitige Schreiben spürbar sauer. „Dass unser Einspruch so abgeschmettert wird, kann ich nicht nachvollziehen. Wir werden uns jetzt beraten, wie wir vorgehen.“ Der RSV lässt nun zumindest anwaltlich die Erfolgschancen prüfen und hat sich noch nicht abschließend festgelegt, ob er am Einspruch festhalten wird. Bis 28. September hat er eine Frist erhalten – im Falle einer Rücknahme entfiele die Protestgebühr in Höhe von 125 Euro. Dann hätte der Verein nur die Verfahrenskosten (30 Euro) zu tragen.

„Dass die Rotenburger Einspruch eingelegt haben, war deren gutes Recht. Aber ich kann die Entscheidung des Verbandes gut nachvollziehen und freue mich, dass die drei Punkte bei uns bleiben. Die Jungs haben sich das für ihren großen Einsatz auch redlich verdient“, kommentierte wiederum Florian Warmer, Sportlicher Leiter des TB Uphusen, Mittwochabend auf Nachfrage. „Damit hat sich das Thema für mich auch erledigt. Denn ich denke schon, dass das Schreiben eindeutig ist und man es dann dabei auch belassen sollte!“

Von Matthias Freese

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