Veränderungen in Spielordnung der DBBL / Hurricanes kritisieren „Lex Steidl“

EU-Recht: Kelterns Klage bringt Bundesliga zum Beben

+
Achim Barbknecht (hinten, hier mit Andreas Wagner, Vorsitzender der ChemCats Chemnitz) muss das Regelwerk modifizieren.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Es geht um EU-Recht, es geht um Berufssportlerinnen – und es wirkt wie ein juristischer Ritt durch das Paragraphen-Labyrinth: Grüner Stern Keltern, ambitionierter Basketball-Zweitligist aus der Nähe von Pforzheim, hat in einem Rechtsstreit mit der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) eine sofortige Änderung der Spielordnung erkämpft und die „Deutschenregelung“ gekippt.

Vorerst in der zweiten Liga, doch spätestens nächste Saison wird es auch im Oberhaus – der „Heimat“ der Avides Hurricanes – Änderungen geben.

Worum geht es? In Paragraph 10 der DBBL-Spielordnung ist geregelt, dass in Liga eins von Anfang bis Ende des Spiels jederzeit mindestens zwei Deutsche auf dem Feld stehen müssen. In Liga zwei sind es sogar drei. Seit der Saison 2010/2011 gilt das. Genau diese Regelung verstößt nach Ansicht des FC Nöttingen, dem Hauptverein von Grüner Stern Keltern, gegen das europäische Recht und die Arbeitnehmerfreizügigkeit von Bürgern der EU und assoziierter Staaten.

Im konkreten Fall handelt es sich um die serbische Spielerin Marina Steidl, die aufgrund der großen ausländischen Konkurrenz in Kelterns Zweitliga-Kader bisher nur im Regionalliga-Team aufgelaufen ist. Sie ist die Ehefrau von Dirk Steidl. Dieser ist Vorsitzender und hauptamtlicher Geschäftsführer des FC Nöttingen. Er hat die Fußballer in die Regionalliga gebracht und engagiert sich seit 2011 auch im Basketball. Anfang September bat er die DBBL auch in Namen der Erstligisten TSV Wasserburg, TuS Bad Aibling und TV Saarlouis um die Überprüfung der bestehenden Regelung und übermittelte ihr ein Rechtsgutachten.

Da die DBBL sich nicht rührte, strengte der Anwalt Frank Thumm (Stuttgart) im Namen des FC Nöttingen und Marinas Steidls ein Normenkontrollverfahren beim DBBL-Schiedsgericht an. Streitwert: geschätzte 30000 Euro. Steidl: „Den Vereinen war schon 2009 bei der Verabschiedung der Regelung gesagt worden dass die Sache nicht ganz den Regeln entspricht – ein Hammer.“

Letztlich erzielten die Parteien in dieser Woche Einigkeit. „Den Vergleichsvorschlag haben wir entwickelt“, sagt Steidl, der nach eigenen Angaben 8000 Euro der Kosten übernimmt. Der Kompromiss: In der ersten Liga bleibt vorerst alles beim Alten, in den zweiten Ligen müssen ab sofort nicht mehr drei Deutsche auf dem Feld stehen, sondern nur noch Spielerinnen eines EU-Mitgliedstaates oder eines EU-assoziierten-Staates. Allerdings: Sie müssen sich seit dem 1. Januar 2013 ununterbrochen in Deutschland aufhalten und als Berufsspielerinnen mindestens 450 Euro verdienen. „Die Regelung betrifft in der zweiten Liga niemanden außer meiner Frau“, weiß Steidl. Eine „Lex Steidl“ sei aber nicht sein Ziel gewesen, beteuert der Sport-Manager. Ihm gehe es vielmehr auch um die hohen Gehaltsforderungen, die manch Deutsche stellt: „Die haben ihren Preis.“

Das Schiedsgericht unter Vorsitz von Sascha Dieterich (Miesbach) hatte im Rahmen des Verfahrens alle Vereine der ersten und zweiten Liga zu einer Stellungnahme aufgefordert. Utz Bührmann, Vorstand Finanzen der Hurricanes, bekannte sich wie viele andere zur „Deutschenregelung“, da sie vornehmlich dem Zweck der Ausbildung und Jugendförderung diene und „damit auch einen Beitrag für die Entwicklung des Basketballsports in Deutschland“ leistet. Bührmann rügte Kelterns Vorgehen: „Ohne Rücksicht und Rücksprache hier offenbar ureigene oder persönliche Vorteile gegen den Konsens und ohne Beteiligung der zuständigen Gremien unter Fristlegung und Klageandrohung durchzusetzen, befremdet mich sehr.“

Achim Barbknecht, DBBL-Geschäftsführer, hat jetzt „Hausaufgaben für die Saison 2015/2016“ mitbekommen, um eine mit EU-Recht konforme Nachfolgeregelung des Paragraphen 10 zu finden. „Unser Vorschlag wird in Richtung Local-Player-Regelung gehen“, verweist er auf die Deutsche Fußball-Liga. Dort muss jeder Verein eine bestimmte Anzahl an Spielern beschäftigen, die bei einem deutschen Club ausgebildet wurden. Barbknecht findet: „Auch wir haben als Liga eine Verpflichtung gegenüber der Nationalmannschaft.“ Steidl hält dagegen: „Was hat die bisherige Regelung in den letzten fünf Jahren gebracht?“ In der Tat hatten sich die deutschen Frauen wieder nicht für die EM qualifiziert, der Nachwuchs ist international zweitklassig. „Jeder Verein, ob Rotenburg, Keltern oder Wasserburg, hat doch lieber eine Deutsche im Kader als etwa eine Slowenin – aber die Slowenin kostet nur ein Drittel“, glaubt Steidl. „Im Fußball wird nach Leistung bezahlt, im Basketball nach Nationalität.“

Mehr zum Thema:

BVB-Nachwuchs siegt im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern

BVB-Nachwuchs siegt im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern

Nach dem Bundesliga-Aufstieg: Heldt plant das neue 96-Team

Nach dem Bundesliga-Aufstieg: Heldt plant das neue 96-Team

Familientag beim TV-Jubiläum

Familientag beim TV-Jubiläum

Feuerwehr-Wettkämpfe in Rechtern

Feuerwehr-Wettkämpfe in Rechtern

Meistgelesene Artikel

Verlieren verboten!

Verlieren verboten!

1:0 im Festival der Fehlschüsse

1:0 im Festival der Fehlschüsse

Nur Ahrens trifft das Tor – 1:2 gegen Lilienthal

Nur Ahrens trifft das Tor – 1:2 gegen Lilienthal

Gruns Führung wird noch gekontert

Gruns Führung wird noch gekontert

Kommentare