Vom möglichen Kreisliga-Aufstieg überrascht

Veeser FC hat Gesprächsbedarf

Finden in der Blau-Weiß-Arena in Westervesede in der nächsten Saison Kreisliga-Duelle statt? Durch den NFV-Antrag könnte der Veeser FC um Bastian Kuschkewitz (am Ball) im Sommer aufsteigen. Foto: Freese
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Finden in der Blau-Weiß-Arena in Westervesede in der nächsten Saison Kreisliga-Duelle statt? Durch den NFV-Antrag könnte der Veeser FC um Bastian Kuschkewitz (am Ball) im Sommer aufsteigen.

Rotenburg - Der Veeser FC hat bereits in der vergangenen Woche den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. Damit war der Tabellenzweite der 1. Fußball-Kreisklasse Süd früher als die meisten anderen Vereine zurück auf dem Platz. Ein ähnlicher Fleiß wird auch nächste Saison vonnöten sein – zumindest wenn der vom Vorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) eingebrachte Antrag – Spielabbruch mit Aufsteigern, ohne Absteiger – durchkommt. Dann steigt neben dem Tabellenführer TV Stemmen auch der Veeser FC ohne Relegation in die Kreisliga auf. Die Rückkehr sechs Jahre nach dem Abstieg – damals noch als BW Westervesede – bahnt sich an.

Kaum einer ist von der plötzlich so konkreten Chance so überrascht, wie der Veeser FC selbst. Während andere Vereine bereits zum Aufstieg gratuliert haben, präsentiert sich der Klub eher zurückhaltend. „Am Montagabend besprechen wir, wie wir damit umgehen“, kündigt Fußball-Boss Markus Weseloh an. Ein Verzicht auf den Aufstieg scheint eine echte Option, „schließlich gibt es genug abschreckende Beispiele, die zeigen, wie schnell und böse ein Ausflug in höhere Spielklassen enden kann“. Aber: „Grundsätzlich spielt man ja Fußball, um Erfolg zu haben und um Aufstiege feiern zu dürfen“, betont Weseloh. Zwar sei die Kreisliga eine Herausforderung, aber von der sportlichen Qualität her sicherlich zu schaffen.

„Für uns steht fest, dass wir auf jeden Fall unsere Spieler mit ins Boot nehmen werden“, stellt der Veeser Vorsitzende klar. Für die Spieler sei ein Aufstieg mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden – „es muss allen bewusst sein, was das für die Mannschaft bedeutet.“

Ob es auch am Ende der Saison für einen Aufstieg gereicht hätte, da sind sie sich nicht sicher – „vielleicht“, kommentiert Weseloh. Und Coach Simon Kuschkewitz ergänzt zurückhaltend: „Vielleicht hätte die Abschlusstabelle bei einem normalen Saisonverlauf ganz anders ausgesehen.“ Bleibt also abzuwarten, ob der Veeser FC das Aufstiegsgeschenk annimmt. So oder so: Der Klub aus der 1. Kreisklasse wäre nicht die einzige Mannschaft, die vom NFV-Antrag profitieren könnte. Auch die anderen künftigen Spielklassen der Zukunft – von der Oberliga bis zur 4. Kreisklasse – nehmen Kontur an. Ein Überblick.

Die designierten Aufsteiger ...

... in die Oberliga: Die Oberliga würde in der kommenden Saison aus insgesamt 20 Mannschaften bestehen. Neben dem Rotenburger SV als Meister der Landesliga Lüneburg, feiern außerdem Blau-Weiß Lohne (Bezirk Weser-Ems), der SV Ramlingen/Ehlershausen (Bezirk Hannover) und die SVG Göttingen 07 (Bezirk Braunschweig) den Aufstieg. Letztere übrigens mit einem hauchdünnen Quotienten-Vorsprung gegenüber dem Drittplatzierten SSV Kästorf – 2,38 (Göttingen) zu 2,37 (Kästorf).

... in die Landesliga Lüneburg: Die Landesliga des Bezirks Lüneburg würde in der kommenden Saison aus insgesamt 18 Mannschaften bestehen. Die Spielklasse ergänzen werden der ungeschlagene TSV Etelsen aus dem Kreis Verden (Meister der Bezirksliga Lüneburg 3), der ASC Cranz-Estebrügge aus dem Kreis Stade (Meister der Bezirksliga Lüneburg 4) und der VfL Breese-Langendorf aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg (Meister der Bezirksliga Lüneburg 1).

... in die Bezirksliga 3: Die Bezirksliga 3 würde in der kommenden Saison aus insgesamt 21 (!) Mannschaften bestehen. Mit Blick auf die Planung der 40 Spieltage sicherlich eine Herausforderung. Sechs Aufsteiger würden die Spielklasse ergänzen. Dabei würde der TV Sottrum doppelte „Verstärkung“ aus dem Kreis Rotenburg. Neben dem unangefochtenen Kreisliga-Meister VfL Visselhövede käme auch der Tabellenzweite MTSV Selsingen hoch – dank der Quotientenregelung, die kaum knapper hätte ausfallen können. Mit 1,82 zu 1,8 hat Selsingen letztlich die Nase gegenüber dem FC Alfstedt/Ebersdorf vorne. Übrigens: Die SG Unterstedt dürfte sich ärgern, nicht noch einen Sieg mehr eingefahren zu haben. Mit drei Punkten mehr auf dem Konto wäre die Mannschaft nämlich der zweite Aufsteiger aus dem Altkreis.

Außerdem würden in der Bezirksliga 3 in der nächsten Saison der TSV Fischerhude/Quelkhorn und der TSV Thedinghausen aus dem Kreis Verden sowie der SV Löhnhorst und der FC Worpswede aus dem Kreis Osterholz mitmischen.

... in die Kreisliga: Die Kreisliga Rotenburg würde in der kommenden Saison aus insgesamt 17 Mannschaften bestehen. Neben dem TV Stemmen und dem Veeser FC aus der 1. Kreisklasse Süd gelänge auch dem TuS Tarmstedt und dem TSV Gnarrenburg aus der 1. Kreisklasse Nord der Aufstieg.

... in die 1. Kreisklasse Süd: 14 Mannschaften würden zur 1. Kreisklasse Süd gehören. SG Horstedt/Mulmshorn und VfL Visselhövede II als Zweiter hießen die Aufsteiger.

... in die 2. Kreisklasse Süd: Die 2. Kreisklasse Süd würde in der nächsten Saison 15 Mannschaften beherbergen. So stießen aus der 3. Kreisklasse Süd der MTV Jeddingen II und der TuS Hemsbünde dazu. Aus der 3. Kreisklasse Mitte gelänge dem Tabellendritten Veeser FC II der überraschende Aufstieg, aufgrund des besseren Punktequotienten gegenüber dem TuS Westerholz II – 2,2 zu 2.

... in die 3. Kreisklassen: Die Staffelzuteilung ist noch nicht genau vorherzusehen. Fest steht jedoch, dass der SV RW Scheeßel II, der MTV Wohnste, der TuS Hellwege und der Bartelsdorfer SV II aufsteigen würden – unklar ist, wer in die Mitte- und wer in die Südstaffel müsste.

Kommentar: Der NFV hat seine Basis besänftigt

Von Matthias Freese.

Die Glückwünsche für die designierten Aufsteiger kommen etwas verfrüht. Noch muss auf dem außerordentlichen Verbandstag das abgesegnet werden, was der Vorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes als Antrag einbringt – den Saisonabbruch mit Aufsteigern nach der Quotientenregelung und ohne Absteiger. Er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit durchgehen. Die große Mehrheit der Kreisvorsitzenden hat sich in einer Probeabstimmung bereits dafür ausgesprochen. Viele Vereine wird‘s freuen. Vor allem, weil sie jetzt deutlich mehr Planungssicherheit haben. Doch es ist eine nicht unproblematische Lösung. Auf die Perspektive kommt es an. Natürlich hat jeder Verein bei der ganzen Diskussion um den Umgang mit der Saison 2019/2020 auch auf sich geguckt. Mancher zuerst, mancher sogar nur auf sich. Das ist nachvollziehbar – und gleichzeitig eine Erklärung dafür, dass es jetzt zu der vorgeschlagenen Lösung kommt. Es ist die Variante, von der die meisten Teams profitieren. Die Variante mit den wenigsten Verlierern. Die Basis ist besänftigt. Der Verband, der erst mit der Idee der Saisonfortsetzung so ungeschickt vorgeprescht und damit bei seinen Mitgliedern abgeblitzt war, hat damit die 180-Grad-Wende vollzogen, hat eingelenkt, seinen Fehler revidiert. Mehr noch: Er hat das ganz große Füllhorn ausgepackt, indem er auch alle Mannschaften direkt aufsteigen lassen will, die auf einem Relegationsplatz liegen. Dabei ist gerade das angesichts der überfüllten Spielklassen auf Bezirks- und Verbandsebene eigentlich etwas zu viel des Guten. Nur auf den ersten Blick gibt es dadurch ausschließlich Gewinner. Die, die gehofft hatten, durch eine Fortsetzung noch auf einen Aufstiegsplatz vorzudringen, werden enttäuscht sein. So wie in der Landesliga Treubund Lüneburg, der TuS Harsefeld oder die SV Ahlerstedt/Ottendorf. Das ist so. Und für manche Vereine wird es zu negativen Folgen mit Verspätung kommen, denn es muss und es wird ab Bezirksebene mehr Absteiger als üblich geben. Allein 21 Teams stark dürfte die Bezirksliga 3 (mit dem VfL Visselhövede und TV Sottrum) werden – das macht 40 Punktspiele! Das geht nur, wenn die zweite Corona-Welle nicht kommt – und wenn bis zu den Sommerferien gespielt wird. Letztlich ist es die Kröte, die geschluckt werden muss – alle anderen wären noch dicker. Die sich nun abzeichnende Klarheit hätte der Verband allerdings schon früher haben können. Mindestens einen Monat eher, als er noch die Idee der Fortsetzung propagierte. Doch das ist Vergangenheit: Ab sofort sollte der Blick in die Zukunft gehen. Da gibt es schließlich noch genug zu klären.

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