Unterwegs mit Hermann Aukamp

Golf-Club Wümme: Urlaub auf 116 Hektar

Da muss er rüber! Für Hermann Aukamp kein Problem, den Ball über und nicht in den Teich zu befördern.
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Da muss er rüber! Für Hermann Aukamp kein Problem, den Ball über und nicht in den Teich zu befördern.

Westerholz – Am 13. Loch muss der „Rettungsschläger“ her. Noch ein kurzer Blick durch das Golflasergerät zur genauen Ermittlung der Entfernung, dann zieht Hermann Aukamp den „Rescue 6“, im Fachjargon auch als „Hybrid“ bezeichnet, aus der Tasche seines elektrischen Trolleys. Der weiße Ball landet nahezu ideal auf dem kurzgemähten Grün, dicht an der Fahne.

Da muss er rein: Hermann Aukamp versenkt den Ball an Loch 13 mit drei Schlägen – ein Birdie.

„Das war ein Guter. Das ist jetzt eigentlich ein Pflichtbirdie“, weiß Aukamp – und lässt die Chance nicht aus. Drei statt vier Schläge, einer unter Par also – nicht an jedem der neun Löcher, die der 65-Jährige an diesem windigen Vormittag im Januar spielt, läuft es so gut. „Aber da darf man sich dann nicht von runterziehen lassen“, sagt er.

Um diesen kleinen Ball dreht sich alles auf Hof Emmen mit seinen 27 Bahnen.

Hermann Aukamp, mit einer Versicherungsagentur lange Jahre selbstständig und inzwischen im Ruhestand, ist seit vier Jahren der Präsident des Golf-Clubs Wümme. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass uns alles selbst gehört“, betont er. Früher hat er Fußball gespielt, Tennis ebenfalls. Inzwischen ist er noch an der Tischtennisplatte zu finden, vor allem aber auf dem Golfplatz. Sein Handicap liegt bei respektablen 10,1 – nach dem neu eingeführten World-System. Mehrmals die Woche ist Aukamp hier vor Ort. „Wenn ich fünf Minuten im Auto sitze, bin ich im Urlaub“, meint der Waffensener. Betritt er die Anlage, vergeht kaum eine Minute ohne Small Talk. Rund zehn Autos stehen um diese Zeit bereits auf dem Parkplatz von Hof Emmen, dem Sitz des 1984 gegründeten Vereins. Zwei Stunden später hat sich die Menge ungefähr verdreifacht – auch etliche Gastgolfer, sogenannte Greenfee-Spieler, sind darunter. Sie wissen es zu schätzen, dass sie hier einen der wenigen Clubs vorfinden, bei dem es keine Startzeiten gibt. Und sie kommen deshalb sogar aus Schleswig-Holstein.

496 Meter sind es auf Spielbahn 17 vom Abschlag bis zum Loch – es ist eine der längsten beim GC Wümme.

Die 27 abwechslungsreichen Löcher (die längste Bahn misst 533 Meter) verteilen sich auf einem Areal mit 116 Hektar Gesamtfläche. Das entspricht ungefähr 160 Fußballfeldern. Kein Wunder, dass sich allein fünf hauptamtliche Greenkeeper um die Pflege kümmern. Hat es in der Nacht zuvor gestürmt, kommen aber auch sie nicht dagegen an. Also räumt der Präsident selbst ein paar Äste zur Seite, die auf seinem Weg liegen.

Klarer Hinweis: Bitte die Pitchmarken entfernen.

Die Pitchgabel hat er sowieso stets in der Hosentasche. Sie dient dazu, die Löcher (Pitchmarken) zu entfernen, die durch einschlagende Bälle auf dem Grün entstehen. Schilder erinnern die Spieler daran, diese wieder zu schließen. Doch nicht jeder ist scheinbar so genau (oder besser: aufmerksam) wie Aukamp. Mehrere ehrenamtliche Ranger sorgen zudem für die Einhaltung der Etikette sowie des Spielflusses und kontrollieren auch schon mal, ob die Gäste ihre Platzgebühr entrichtet haben.

Und wieder kommt die Pitchgabel zum Einsatz.

Gegen nächtliche Wildschwein-„Überfälle“ sind aber auch sie machtlos. Da helfen nur Zäune. „Oder der Jäger wird angerufen“, erzählt Aukamp und bemerkt: „Im Sommer sind aber die Krähen schlimmer, weil sie die Engerlinge rauspicken und Flatschen mit rausreißen. Auch ausgebrochene Kühe hatten wir schon auf Loch 18 und der Driving Range.“

Ansonsten kann die Golfer aber kaum etwas stoppen, zumal das Gelände auch viel Wasser aufnimmt. Selbst bei leichtem Schneebelag wird abgeschlagen, die Bälle müssen im Winter eh aufgeteet, also auf einem Holz- oder Plastikstift aufgelegt werden. „Nur jetzt bei der Schneehöhe wird es leider nichts. Da helfen auch keine farbigen Bälle, wenn sie unter der Schneedecke sind“, bedauert der Präsident nach dem jüngsten Wintereinbruch: „Ansonsten gibt es aber nur noch ein Wetter, bei dem wir nicht spielen – bei Gewitter.“

Zu den Tees – oder doch lieber erst zur Driving Range?

Und da Golf während der Corona-Zeit nahezu uneingeschränkt gespielt werden darf (maximal zu zweit), erfreut sich der Sport zunehmender Beliebtheit und ist damit einer der wenigen Gewinner in der Pandemie. „Viele Vereine haben jetzt Zuwachs bekommen“, weiß Aukamp. Sein Club nahm erst zu Jahresbeginn wieder 25 neue Mitglieder auf. Dabei beteuert er: „Es hat nichts mit Geld zu tun. Golf ist nicht elitär. Wenn ich nur dreimal im Jahr spiele, ist es teuer, aber nicht, wenn ich dreimal die Woche spiele.“

Längst Standardausrüstung: Das Lasergerät, das die genaue Entfernung ermittelt.

Vielmehr ist es die nötige Zeit, weshalb sich viele erst im fortgeschrittenen Alter dem Golfsport widmen. „Aber es ist nicht so, dass wir hier Rentner belustigen“, betont Aukamp. Für eine große Runde sind schon mal drei, vier Stunden einzuplanen. Aukamp hat an diesem Morgen den B-Kurs, also von Loch zehn bis 18 gewählt. 5,2 Kilometern stehen am Ende auf der Anzeige seines Trolleys, den er anschließend mit seinen 14 Schlägern in einem der gelben Metallschränke in einer umgebauten Scheune parkt.

„Jeden Tag ist es anders“, resümiert Aukamp. „Und das ist das Schöne am Golf: Man kann nicht wie beim Fußball ,Scheiß Pass‘ sagen. Ich habe ja jeden Schlag selbst gemacht.“

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