Der Unmut der NFV-Basis

Nur das zählt für die meisten Vereine in Niedersachsen: Ein Abbruch der laufenden Saison – und zwar ohne Absteiger. Foto: imago-images

Die Stimmung ist angespannt. Vor allem an der Basis des niedersächsischen Fußballs brodelt es gewaltig. Die vier vorgeschlagenen Varianten des NFV, wie es mit der Saison im Amateurfußball weitergehen kann, stoßen bei den Vereinen auf wenig Gegenliebe. Jürgen Stebani, der Spielausschussvorsitzende des Verbandes, wehrt sich nun gegen die anhaltende Kritik.

VON LEA OETJEN

Rotenburg/Barsinghausen – Unverständnis, Enttäuschung und Wut: Kein Verein der Region hat auf die vier möglichen „Corona-Varianten“ des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) positiv reagiert. Eher im Gegenteil: Die Kritik – vor allem gegen Variante drei und viert – wird immer lauter.

Die Mannschaften bemängeln vor allem die Kommunikation des NFV. Schließlich sorgte so manche Information, die der Verband zuletzt veröffentlichte, eher für Irritation als für eindeutige Aufklärung. „Deshalb soll mit dem Webinar alles versucht werden, um für die Vereine absolute Klarheit zu schaffen“, sagt Jürgen Stebani mit Blick auf das heutige Online-Seminar. Dem Vorsitzenden des NFV-Spielausschusses sei bewusst, dass an der Basis ein großer Wissensdurst herrsche.

Dennoch steht für ihn fest, dass es zu keiner erneuten Abstimmung der Vereine über eine der Varianten kommen wird. „Dafür sind jetzt nur noch die zuständigen Gremien verantwortlich“, betont er. Heißt im Klartext: Erst auf dem außerordentlichen Verbandstag Ende Juni trifft der NFV die Entscheidung, wie es mit dem niedersächsischen Fußball weitergeht. Bis dahin dürfte sich das NFV-Präsidium womöglich auf eine Variante festgelegt haben, die dann die Kreisvorstände abnicken sollen – oder auch nicht. Ob bis dahin eine Tendenz seitens des NFV bekannt wird? Fraglich.

Die Vereine bevorzugen aktuell die Varianten eins und zwei. Doch auch das Szenario drei könnte Vorteile mit sich bringen – zumindest auf den zweiten Blick. So könnte eine Mannschaft von der Annullierung und Wiederholung der Saison finanziell profitieren – auch wenn das Szenario auf den ersten Blick recht sinnlos erscheint. „Es stimmt – und das ist kein Geheimnis, dass diese Variante am angreifbarsten ist“, offenbart Stebani, will sich dann allerdings nicht weiter dazu äußern.

So oder so: Fakt ist, dass Clubs im Falle einer Klage keine schlechten Karten hätten. Die Chancen, Schadensersatzzahlungen für Trainer- und Spielergehälter in einer nicht stattgefundenen Saison zu erhalten, stehen nicht schlecht. Sofern dieser Gedanke weitergesponnen wird, hätten bis auf die momentanen Tabellenersten, die den Aufstieg verpassen würden, alle Vereine wirtschaftliche Vor- und sportlich keine Nachteile.

Realistisch betrachtet sind die Chancen, dass sich der NFV für Szenario drei entscheidet, allerdings sehr gering. Schließlich kündigt Stebani an, „dass ich mir gut vorstellen könnte, dass diese Variante auf dem Verbandstag nicht mehr zur Abstimmung kommt“.

Online-Petition gegen Saisonfortsetzung

Völlig unsinnig erscheint hingegen die Variante vier, also die Fortsetzung der Saison. Nicht nur in der Region hagelt es dafür Kritik. So hat der Bovender SV aus dem Kreis Göttingen auf seiner Facebook-Seite inzwischen sogar eine Petition dagegen ins Leben gerufen. Spartenleiter Daniel Vollbrecht möchte damit den NFV auffordern, die Option der Saisonfortsetzung zu streichen und beim heutigen Webinar nicht vorzustellen. Der Bovender SV spricht sich dafür aus, dass die Vereine eine Woche Zeit bekommen, um sich in einer Abstimmung für eine der drei Varianten zu entscheiden. Ende Mai soll der NFV das Ergebnis vorstellen und eine Vorentscheidung basierend auf dem Mehrheitsvotum treffen, das fristgerecht und rechtlich bindend auf dem außerordentlichen Verbandstag Ende Juni beschlossen werden soll.

Die Reichweite der Aktion ist riesig. Der Beitrag wurde auf Facebook mehr als 1 000-mal geliked, knapp 500-mal geteilt und gut 30 000-mal gelesen. Bislang haben circa 1 500 Personen die Petition unterzeichnet. Es zeigt, wie groß der Unmut der Basis und die Enttäuschung über die NFV-Ignoranz momentan ist. Stebani macht aber deutlich, „dass auch diese Variante von Tag zu Tag unwahrscheinlicher und unrealisierbarer wird“. Heißt: Der Zeitfaktor wird sie aus dem Rennen werfen.

Blieben also nur noch die Varianten eins und zwei. Stebani selbst hat dabei schon einen klaren Favoriten. So sprach er sich in der Wolfsburger Zeitung klar für einen Abbruch mit Auf- und Absteigern aus. Alles andere mache für ihn keinen Sinn. Dass dem NFV – egal, was er letztlich auf seinem außerordentlichen Verbandstag entscheidet – gerichtliche Klagen bei diesen Szenarien drohen, glaubt der Funktionär übrigens nicht. „Da wir eine Entscheidung treffen müssen, wird sie rechtlich unangreifbar sein“, betont er.  vst

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