Unermüdlicher Motivator

Leichtathletik-Urgestein Erwin Will erhält die Goldene Ehrennadel

Erwin Will ist schon viel herumgekommen. Seit 1983 lebt der Oberfranke in Rotenburg. Für sein Engagement im Sport wurde er mit der Goldenen Ehrennadel des Niedersäschischen Leichtathletikverbandes ausgezeichnet. Foto: Ludwig
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Erwin Will ist schon viel herumgekommen. Seit 1983 lebt der Oberfranke in Rotenburg. Für sein Engagement im Sport wurde er mit der Goldenen Ehrennadel des Niedersäschischen Leichtathletikverbandes ausgezeichnet.

Rotenburg - Von Mareike Ludwig. Auszeichnungen und Ehrungen spielen für Erwin Will keine große Rolle. Er braucht das Rampenlicht nicht, er hält sich lieber bescheiden im Hintergrund auf. Diese Charaktereigenschaft dürfte auch Theo Maxin von ihm kennen. Der Vorsitzende des Kreisleichtathletikverbandes (KLV) hatte im Vorfeld des Verbandstages daher bewusst nichts gesagt. Will fuhr als Abteilungsleiter und Leichtathletiktrainer des TuS Rotenburg nichts ahnend nach Zeven, um bei der Veranstaltung wie immer dabei zu sein. Doch dieses Mal war er kein Gast wie jeder andere. Der 72-Jährige stand quasi auf der Tagesordnung – Will erhielt für seine jahrelangen Verdienste die Goldene Ehrennadel des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes (NLV) überreicht.

„Wenn ich Erwin Will auf einem Sportfest begleite, bin ich immer wieder sehr angetan, mit welcher Begeisterung er Kinder motiviert“, lobt Maxin. Der Geehrte selbst zeigte sich hinterher sichtlich erfreut: „Die Überraschung ist gelungen. Natürlich ist es toll, dass ich diese Ehrung bekommen habe und sehe es als Anerkennung an. Solche Auszeichnungen stelle ich aber nicht in den Mittelpunkt. Meine Tätigkeit macht mir einfach Freude. Zudem steht meine Frau immer hinter mir“, betont Will.

Seit 33 Jahren Abteilungsleiter

Seit nunmehr 36 Jahren steht der 72-Jährige Woche für Woche auf dem Sportplatz oder in der Turnhalle. Mit viel Fleiß und Ehrgeiz kümmert er sich um den Leichtathletiknachwuchs des TuS Rotenburg und initiierte darüber hinaus eine Integrationsgruppe mit der Lindenschule. Zudem ist Will seit 33 Jahren Abteilungsleiter des Vereins. Doch damit nicht genug: Auch beim KLV war Will zunächst sechs Jahre als Schriftwart tätig, anschließend noch sieben Jahre erster Vorsitzender. Ende der 1990er- sowie Anfang der 2000er-Jahre hatte Will für seinen unermüdlichen Einsatz bereits die Silbernen Ehrennadeln des Niedersächsischen beziehungsweise des Deutschen Leichtathletikverbandes erhalten.

Dabei war es eher dem Zufall geschuldet, dass Will 1984 überhaupt zur Leichtathletik kam. Ein Jahr zuvor war er mit seiner Frau Karin und den beiden Kindern aus Roßbach in der Nähe von Aschaffenburg nach Rotenburg gezogen. Seine Tochter Julia und sein Sohn Felix hatten damals durch den Kontakt mit Bärbel Mertins –ebenfalls jahrelang im Verein aktiv – beim TuS Rotenburg mit der Leichtathletik begonnen. „Dort sind wir dann hängengeblieben. Und da ein Trainer fehlte, bin ich da so reingerutscht“, erinnert sich Will an seine Anfänge. Einige Zeit später ließ er sich als Trainer ausbilden und machte die B-Lizenz.

Lang ist es her: Coach Erwin Will Ende der 80er-Jahre beim Hallensportfest in Sottrum.

Viele Jahre gehörten seine Kinder zu seiner Trainingsgruppe mit dazu. Darüber hinaus waren beide auch noch als Handballer aktiv. „Wir sind damit groß geworden, dass unser Vater Trainer und Papa zugleich war. Kleine Auseinandersetzungen zwischen uns gehörten auf dem Sportplatz natürlich dazu. Er hat immer für die Leichtathletik gelebt. Dadurch waren wir immer die Ersten, die für einen Wettkampf angemeldet waren und zusammen mit unserem Vater die Letzten, die nach einem Sportfest im Ahe-Stadion nach Hause gegangen sind. Dort ging es dann mit der Nachbereitung weiter. Für mich war es selbstverständlich mitzuhelfen, es hat mir viel Spaß gemacht“, blickt Tochter Julia gerne auf die Zeit zurück. Und auch ihr Bruder Felix hat schöne Erinnerungen an die gemeinsamen Leichtathletik-Jahre. „Aufgeben oder mal kürzertreten, gab es für ihn nie. Unser Vater war unser Motivator. Er hat uns immer unterstützt, das nächste Leistungsziel anzupeilen. Auch wenn es schwer war, an den Dauerkonkurrenten vorbeizukommen. Egal, ob wir eine neue Bestleistung aufgestellt hatten oder nicht den besten Tag erwischten – ob es nun Leichtathletik oder Handball war – seinen Stolz haben wir immer gespürt. Es war für uns Sportler eine tolle Zeit“, erzählt der 39-Jährige.

Als Weitspringer sehr erfolgreich

Neben seiner Trainertätigkeit schnürte Will auch noch selbst die Sportschuhe. Als 50-Jähriger brachte er es im Weitsprung auf starke 5,95 Meter. Und auch beim Sportabzeichen war der Familienvater stets erfolgreich dabei. Mittlerweile ist der 72-Jährige beim Wümme-Club gar nicht mehr wegzudenken und so etwas wie das „Gesicht“ der Leichtathletikabteilung geworden. „Aus dem unermüdlichen Einsatz meines Papas habe ich persönlich viel gelernt. Für mich ist es ebenfalls selbstverständlich, mich ehrenamtlich einzubringen. Mir ist es zudem sehr wichtig, dass jemand zuverlässig und engagiert ist“, freut sich die 40-jährige Tochter, dass sie die positiven Eigenschaften ihres Vaters vermittelt bekommen hat. Dies kann auch Felix Will unterstreichen. Er beschreibt seinen Vater als gutmütig und verlässlich. „Er ist sehr hilfsbereit. Man kann jederzeit auf ihn zählen. Viele Jahre hat er sich für seine Athleten jeder Altersklasse eingesetzt und zusammen mit all den Trainern und Unterstützern viel ermöglicht.“

Nicht nur im Sport war Will damals schnell im Norden angekommen, auch beruflich fühlte sich der gebürtige Oberfranke – er stammt aus Forchheim in der Nähe von Nürnberg – von Anfang an wohl. An der Grundschule in Wittorf war er zunächst als Lehrer tätig. Später folgten für den Pädagogen noch 13 Jahre als Schulleiter. 2013 wurde er dann in den Ruhestand verabschiedet. „Die dörfliche Umgebung hat mir sehr gut gefallen. Ich bin auch oft mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Da kamen in den Jahren einige Tausend Kilometer zusammen“, erzählt der Sportler. Aber auch das Lesen, Spazierengehen sowie Schreiben zählt Will zu seinen Hobbies. Gerade hat der Pensionär ein Buch über seine fränkische Heimat geschrieben.

Auf die Frage, wann er seinen Posten als Abteilungsleiter abgeben würde, muss Will etwas schmunzeln. „So lange ich gesund bleibe, mache ich weiter. Mit 80 würde aber meine Frau sicherlich anfangen zu streiken. Natürlich würde ich mich freuen, wenn zeitnah ein geeigneter Nachfolger vorhanden wäre. Dann könnte ich ihn einarbeiten und Stück für Stück kürzertreten“, so der Oberfranke. Ob er es dann umsetzen kann, bleibt bei seinem unermüdlichen Einsatz allerdings fraglich. Leichtathletik beim TuS Rotenburg und Erwin Will gehören schließlich zusammen.

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