Kreisliga-Interview

Stemmens Ehrke über seine regenbogenfarbene Binde: „Ruhig in der Kreisliga mal zeigen“

Stefan Ehrke in Schussbewegung mit dem Ball am rechten Fuß, Buba Jabbi (l.) steht dahinter und schaut zu.
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Stemmens Stefan Ehrke (am Ball) geht auch auf dem Platz immer mit gutem Beispiel voran. Da staunt nicht nur Gegenspieler Buba Jabbi (l., Rotenburger SV II).

Es ist ein besonderes Zeichen, das Stefan Ehrke mit seiner Kapitänsbinde setzt. Im Interview spricht er über seine Beweggründe und den Rückhalt des Teams.

Stemmen – Es ist keine Selbstverständlichkeit – auch, wenn Stefan Ehrke das so sieht –, dass der Kapitän des TV Stemmen eine Binde in Regenbogenfarben trägt. Mit dieser, so sagt er, will er das ganze Thema und die Werte, die damit verbunden sind, auch in der Fußball-Kreisliga sichtbarer machen. Und so läuft der 30-jährige Bauingenieur aus Hamburg auch am Sonntag (15 Uhr) beim nächsten Heimspiel seiner Mannschaft gegen den TuS Bothel wieder mit der besonderen Binde auf.

Herr Ehrke, Sie tragen ja eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde. Hat dieses besondere Zeichen einen bestimmten Hintergrund?

Ich find das eigentlich selbstverständlich, dass wir das mal so ein bisschen nach außen tragen. Es hat ja weiter oben, unter anderem in den Bundesligen und bei der Nationalmannschaft, angefangen, dass es zum Thema wurde – auch bei der WM. Aber das zählt ja nicht nur da und vor dem Fernseher, sondern auch in der Kreisliga, jedem Dorf und jeder Stadt, auf jedem Sportplatz, dass man in unserer Gesellschaft offen sein sollte für viele Sichtweisen und Lebensweisen. Wir im Verein und als Mannschaft stehen alle komplett dahinter, was diese Farben bedeuten und deswegen dachte ich mir, dass man das auch ruhig in der Kreisliga mal zeigen kann.

War das eine persönliche Entscheidung oder eine, die das gesamte Team gefällt hat?

Das war meine Idee, aber wir haben das natürlich in der Mannschaft besprochen und eigentlich war es nur ein Thema von fünf Minuten, weil alle da komplett hinterstehen. Und es ist doch eigentlich auch nichts Besonderes, oder?

Im Gegenteil – es ist immer noch etwas Besonderes.

Wir arbeiten ja dran, dass es selbstverständlich wird.

Wie lange tragen Sie Ihre Kapitänsbinde schon?

Die Binde habe ich mir im Laufe der letzten Saison irgendwann geholt. Die wurde dann ja abgebrochen wegen Corona, also ungefähr seit einem Jahr.

Gab es für Sie auch einen persönlichen Hintergrund oder eine Aktion, die Sie zu der Entscheidung brachte?

Was heißt persönlich? Klar habe ich in meinem Freundeskreis auch homosexuelle Freunde. Aber es ist auch nichts vorgefallen, das mich dazu bewegt hat, dass ich was machen muss. Ich fand es einfach sinnvoll, es zu zeigen. Was man ja auch sagen muss, ich spiele schon seit zehn bis zwölf Jahren im Herren-Fußball und auch in der Kreisliga hier in der Region. Manchmal hört man dann doch auf manchen Sportplätzen hinter der Bande Kommentare oder irgendwelche Beleidigungen. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Aber ich habe auch das Gefühl, dass es in unserer Generation etwas präsenter ist.

Mit 22 Toren nach sieben Spielen sind Sie eine sehr treffsichere Mannschaft. Woran liegt das?

Tore schießen war eigentlich noch nie unser Problem. Wir haben auch in den letzten Jahren immer viele Tore geschossen und haben da mit Douglas Grun einen wichtigen Baustein oder eben Hannes Bellmann, Martin Illinger und Fabian Bentz, der von Lauenbrück zurückgekommen ist. Der hat noch mal einen richtig krassen Schritt nach vorne gemacht. Wenn vorne alle wirklich fit sind, dann haben wir da drei, vier wirklich gute Spieler in der Offensive.

Allerdings haben mit Hesedorf, Karlshöfen und Gnarrenburg nur drei Mannschaften mehr Gegentore als Sie.

Ich bin ja selbst Defensivspieler und das ärgert mich auch selbst immer wieder. Aber es ist ja eigentlich auch nichts Neues, dass wir vorne viele schießen und hinten viele reinbekommen. Wir haben es gerade in den letzten Spielen gemerkt, da ging die Leistungskurve ja ein wenig nach unten, dass wir ein bisschen nachgelassen haben, hinten weniger Zugriff hatten und viel zu weit weg von den Gegenspielern waren. Wenn wir ein, zwei Gegentore bekommen, dann gehen die Köpfe runter und dann fällt meistens noch das dritte, vierte, fünfte hinterher. Das ist ziemlich ärgerlich.

Welche Position gefällt Ihnen persönlich eigentlich besser – die des Innenverteidigers oder des defensiven Mittelfeldspielers?

Also die letzten beiden Spiele habe ich wieder auf der Sechs gemacht. Das ist ja eigentlich auch meine Lieblingsposition. Auf der habe ich zumindest auch früher ziemlich viel gespielt in der Jugend. Aber ich wurde dann irgendwann zu Bezirksliga-Zeiten umgeschult als Innenverteidiger neben Nils-Ole Beckmann. Das hat auch gut funktioniert, eigentlich spiele ich aber lieber auf der Sechser-Position.

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