Interview

„Respekt vor der Aufgabe“ – Andreas Weber ist neuer Vorsitzender des TuS Rotenburg

Rolf Ludwig (l.) gratuliert Andreas Weber - und umgekehrt.
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Gegenseitige Glückwünsche: Während Rolf Ludwig (l.) seinem Nachfolger Andreas Weber gratuliert, wird er selbst Ehrenvorsitzender des TuS Rotenburg.

Der Nachfolger für Rolf Ludwig steht fest: Andreas Weber ist der neue Vorsitzende des TuS Rotenburg. Im Interview steht er Rede und Anrwort.

Rotenburg – Am Sonntag ist Wahl – Andreas Weber (SPD) kandidiert nicht mehr als Bürgermeister, aber für einen Sitz im Rotenburger Stadtrat. Eine Abstimmung hat der 64-Jährige am Montag bereits für sich entschieden. Einstimmig (bei seiner Enthaltung) wurde er zum neuen Vorsitzenden des TuS Rotenburg gewählt und folgt damit auf Rolf Ludwig. Im Interview erklärt Weber, warum er das Amt gerne übernimmt und was er als „Chef“ des größten Sportvereins in der Wümmestadt plant.

Herr Weber, mussten Sie eigentlich lange überlegen, als die Anfrage kam, für den Vorsitz des TuS Rotenburg zu kandidieren?

Überhaupt nicht. Es ist eine Riesenehre, die Aufgabe wahrnehmen zu können, eine wertschätzende Aufgabe. Und es ist natürlich toll, wenn man solche Perspektiven hat. Ich bin vor längerer Zeit vom TuS Rotenburg angesprochen worden. Wenn man guckt, was für eine Tradition der Verein hat, von 1861 an, dann ist es eine klasse Geschichte, gefragt zu werden und in der Folge etwa von Hinrich Heineke, der auch lange Bürgermeister gewesen ist, und von Rolf Ludwig die Geschicke eines solchen Vereines weiterführen zu dürfen. Was hier an Gemeinschaft produziert worden ist, an Gesellschaft und Gesundheit, was an Spitzensport entstanden ist – darauf können wir stolz sein. Daran anzuknüpfen, ist eine große Verantwortung. Vor der Aufgabe und den Herausforderungen muss man aber auch großen Respekt haben – das ist ähnlich wie beim Amt des Bürgermeisters.

Rolf Ludwig ist Ehrenvorsitzender

Nach zwölf Jahren an der Spitze des TuS Rotenburg hat der Vorsitzende Rolf Ludwig den Staffelstab an Andreas Weber abgegeben. Der Noch-Bürgermeister der Stadt Rotenburg wurde ohne Gegenkandidat und ohne Gegenstimme zum neuen Vorsitzenden des 1 450 Mitglieder starken Vereins gewählt. Rund 70 Mitglieder waren im Heimathaus anwesend. „Ich bin erleichtert, eine bessere Möglichkeit gab es gar nicht, diesen Wechsel jetzt zu machen“, meinte Ludwig, der von Rücklagen in Höhe von rund 230 000 Euro berichtete. Von der Versammlung wurde der 79-Jährige zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Bei der Wahl zum zweiten Vorsitzenden setzte sich Amtsinhaber Knut Nagel gegen die überraschend kandidierende Marina Burak (Abteilungsleiterin Turnen) durch. Kassenwart bleibt Utz Bührmann, Präventions- und Integrationsbeauftragter Peter Schlake, Seniorenwartin Bärbel Kuhr-Gärtner, Sportwartin Elke Völkers und Schriftführerin Anja Masuch. Burak wurde zur neuen Jugendwartin gewählt.

Rolf Ludwig hinterlässt ein gut bestelltes Feld und einiges an Rücklagen. Ist das auch nötig, um in die Zukunft zu gehen?

Ich weiß, dass das Feld ausgezeichnet bestellt ist. Wer Rolf Ludwig kennt, der weiß, dass er darauf viel Wert legt. Ich selbst habe in der Handballabteilung auch immer darauf geachtet, dass nicht der Fehler wie bei anderen Vereinen gemacht wird, dass alles Geld in die erste Mannschaft gepumpt wird. Ich weiß, dass wir mit Utz Bührmann jemanden haben, der das Geschäft als Kassenwart ganz professionell macht. Der Verein ist sehr gut aufgestellt und hat selbst die Corona-Zeit gut überstanden. Krisenmanagement ist hier nicht gefordert.

Einen Mitgliederrückgang spürt aber auch der TuS Rotenburg. Wie wollen Sie dem begegnen?

Wir wollen Mitglieder, die verloren gegangen sind zurückgewinnen, Jugendliche für den Vereinssport begeistern und helfen, die Qualifikationen für die Jugend- und Trainingsarbeit zu stärken sowie den Sport mehr in der Öffentlichkeit darstellen. Ich kann mir vorstellen, wieder einen Tag der Vereine zu machen, den hatten wir das letzte Mal vor zehn Jahren. Wir wollen zeigen, was für ein tolles Angebot wir haben. Wir haben 16 Abteilungen, sind unheimlich vielfältig aufgestellt, ob es der Gesundheitssport oder auch der Bereich Integration ist.

Zur Person: Andreas weber ist ein Kind der TuS Rotenburg

Der neue Vorsitzende Andreas Weber ist ein Kind des TuS Rotenburg und gehört dem Verein seit fast 60 Jahren an. „Meine Mutter ist dem Frauenturnen stark verbunden gewesen, deshalb sind wir Kinder auch früh im TuS Rotenburg angemeldet worden und haben zu Grundschulzeiten immer bei Herrn Becker geturnt“, erinnert er sich. Weber war auch in der Schwimmabteilung aktiv und schloss sich zur Zeit von Günter Kowald den Handballern an, nachdem die Abteilung 1969 gegründet wurde. Bis zu seinem 49. Lebensjahr spielte Weber aktiv Handball, er war Jugendwart und zweiter Vorsitzender der Abteilung sowie Vorsitzender des Fördervereins. Auch als Volleyballer und Basketballer war er aktiv, später als Triathlet und Marathonläufer. „Insofern besteht eine ganz enge Verbindung zum Sport, insbesondere zum Handball“, sagt der 64-Jährige, der seit 2014 Bürgermeister der Stadt ist, aber nicht wieder kandidiert.

Welche Aufgaben kommen noch auf den TuS Rotenburg zu?

Vor einigen Jahren waren die Sportstudios eher die Konkurrenz. Jetzt ist die Digitalisierung, die Playstation eher das Problem. Aber wir sind nicht weniger Menschen in Rotenburg geworden. Und das Problem ist die Ganztagsbeschulung, die Kinder haben dadurch weniger Freiraum. Wir müssen die Vorteile aufzeigen, was die Bindung im Verein bedeutet, mit Schulen kooperieren, vielleicht ergibt sich da eine Win-win-Situation. Auch darüber kann man Mitglieder gewinnen. Die Zuarbeit in Sportstunden könnte von großer Bedeutung sein. Und vielleicht sagen auch wieder mehr Sportlehrer – wie früher John Köhler oder Christoph Treblin –, dass sie in ihrer Freizeit auch noch eine Mannschaft betreuen.

Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?

Das ist ganz schwer zu sagen, weil Rolf Ludwig einfach eine tolle Persönlichkeit ist. Ich bin bestimmt vom menschlichen Sein irgendwie anders – das wird es letztlich prägen. Im Bereich der Schulen ist es vielleicht ein Vorteil, dass ich Bürgermeister gewesen bin, die Schulleitungen sehr gut kenne und die Kontakte für den Verein nun weiter nutzen kann.

Thema Aerobic, eine wichtige Sparte im Verein. Wie finden Sie es, dass das Aerobic-Turnzentrum Nord, das aufgrund des festverlegten, speziellen Hallenbodens aktuell in Buchholz trainiert, als Mieter im Neubau des Fitnessstudios einziehen soll?

Ich möchte da noch nichts groß zu sagen, bevor ich nicht die Rahmendaten kennen. Ich weiß noch nicht, was es für ein Risiko für den TuS Rotenburg birgt, aber ich finde es schon misslich, dass man nach Buchholz zum Training fahren muss. In einer Schulsporthalle ist es nicht möglich, den Boden zu verlegen – das sage ich auch so als Vorsitzender des TuS Rotenburg. Wenn sich dann solch eine Gelegenheit bietet, wäre das eine tolle Situation. Wir sind aber ein Verein, der sparsam ist. Da muss also bewertet werden, welcher Nutzen da welchen Kosten gegenübersteht. Unser erstes Ziel ist es, den Breitensport zu fördern, da darf niemals der Spitzensport im Vordergrund stehen. Wir müssen also gucken, wo der Mittelweg ist.

Noch ist Andreas Weber auch Bürgermeister, doch den Schal seines TuS Rotenburg und einen Handball hat er immer griffbereit.

Mit Ihnen übernimmt ein Handballer jetzt den Verein. Werden Sie gerade diese Abteilung bei ihren Hallenproblemen – speziell beim „Backe“-Problem in der Landkreis-Halle – verstärkt unterstützen?

Ich werde mich nicht nur beim Handball, sondern grundsätzlich für jede Abteilung einsetzen, um optimale Trainingsbedingungen zu finden. Wir haben in Rotenburg ja die glückliche Situation, drei wettbewerbsfähige Hallen zu haben, aber ich würde mit dem Landkreis dahingehend sprechen, wenn die Handballer es nicht allein schaffen, um eine Vereinbarung zu treffen, „Backe“ künftig zu nutzen. Es könnte ja auch mal passieren, dass der Verband sagt, ohne „Backe“ – dann wird in Rotenburg nicht mehr gespielt. Selbstverständlich ist, dass die Halle wieder gereinigt werden muss von der Abteilung, möglichst maschinell mit einer Reinigungsmaschine. Diese Verantwortung kann nicht allein beim Landkreis liegen. Wir müssen gucken, wie machen es auch die anderen Vereine, da sind die Hallen ja hinterher auch nicht verdreckt. Es kann innerhalb eines Vereins aber nicht sein, dass die Turnerinnen mit ihren Mitgliedsbeiträgen die Kosten mittragen müssen. Ich werde auch darauf gucken, dass keine Ungerechtigkeiten innerhalb des Vereins bestehen.

Braucht Rotenburg denn vielleicht eine Stadthalle, gerade auch für solche Sportevents?

Da bin ich Realist. Ich glaube nicht, dass wir uns das in den nächsten Jahren leisten können und sollten.

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