Lockdown im Amateurfußball

Tristesse statt Torjubel auf den Sportplätzen

Gesperrt! Auch auf dem Sportplatz in Sottrum wird derzeit nicht gespielt.
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Gesperrt! Auch auf dem Sportplatz in Sottrum wird derzeit nicht gespielt.

Vier Spiele an einem Sonntagnachmittag – für einen erfahrenen Fotografen eigentlich kein Ding. Die Sache hat aber einen Haken: Bereits einen Tag vor dem Lockdown für die Amateursportler herrscht auf allen Fußballplätzen im Kreis Tristesse statt Torjubel. Die Netze hochgeklappt, die Pforten (wenn es welche gibt) geschlossen. Wir wagen trotzdem einen Blick und besuchen die Spielstätten des TV Sottrum, der SG Unterstedt, des TuS Westerholz und des SV Rot-Weiß Scheeßel.

Sportplatz des TV Sottrum

Baustelle statt Sportplatz in Sottrum.

14.00 Uhr: Eigentlich würde hier am Eingangtor jetzt Helmut Lange in seinem kaum mehr als einen Quadratmeter großen Kassenhäuschen sitzen und die Besucher des Bezirksligaderbys gegen den Heeslinger SC II begrüßen. Mark Wittkamp würde davor stehend und mit einem netten Spruch das „Stadionheft“ verteilen. Doch die Hütte ist gewichen, weil auf der Fläche das neue Sporthaus entsteht. Die Sohlplatte liegt bereits, die Steine fürs Mauerwerk stehen parat – über allem schwebt ein großes Baukran. Der Eingang – verschlossen. Gut 100 Meter weiter, vorbei an den Altkleidersäcken, die da auf dem Parkplatz abgelegt wurden, lässt sich die Tür am zweiten Tor zum Sportgelände öffnen. Doch ein kleines Schild des Gemeindedirektors warnt: „Aufgrund der CORONA-Pandemie und den damit verbundenen neuen Vorschriften/Verordnungen sind die Turnhallen, Sportgebäude und Sportanlagen bis auf Weiteres für die Nutzung gesperrt.“ Also lieber schnell weg ...

Sportplatz der SG Unterstedt

Ein Hauch von Street-Art bei der SG Unterstedt.

14.26 Uhr: Seit einer knappen halben Stunde würde die SG Unterstedt hier normalerweise den TSV Karlshöfen in der Kreisliga bearbeiten. Aber normal ist in diesen Zeiten ja nichts mehr. Auch hier: eine riesige Baustelle. Der Rohbau für den neuen Umkleidetrakt schreitet allmählich voran, die Rückwand steht. Auf dem Weg dahin ist das Pflaster aufgerissen, die Steine müssen neu verlegt werden. Otto Kettenburg, einer der treibenden Kräfte im Verein, kommt gerade angeradelt, um kurz nach dem Rechten zu schauen. Kurzer Plausch, dann muss er wieder los. Gibt eh nichts groß zu erleben hier. Totale Stille. Nicht einmal der Mähroboter dreht seine Runden.

Leere Logenplätze in Unterstedt.

14.45 Uhr: Eigentlich pustet der Schiedsrichter jetzt in seine Pfeife. Halbzeit. Aber hier pfeift nicht mal der Wind. Und überhaupt: Wo gibt es eigentlich die Pausen-Bratwurst? Notfalls mit Senf statt mit Ketchup. Ist aber nicht in Sicht. Also besser weiter ...

Sportplatz des TuS Westerholz

Viel Rasen, aber kein Fußball in Westerholz.

15.09 Uhr: Noch sechs Minuten bis zur Halbzeit. Platzverhältnisse top! Die Frauen des TuS Westerholz hatten ursprünglich ab 14.30 Uhr zum Landesliga-Derby gegen den Heeslinger SC geladen. Doch auch hier: Kein Ball – nicht mal versteckt im Gebüsch. Auf dem neuen Spielplatz am Eingang des Sportplatzes liegen dafür einsam die bunten Plastik-Bagger und -Trecker vor der blauen Rutsche im Sand. Dort, wo sonst Bier und Schnaps ausgeschenkt sowie Würste verkauft werden, steht noch der alufarbene Thekentisch. „Glühwein 1,50 Euro“ – so steht es auf dem Schild am Holzelement. Gibt´s heute aber nicht. Und in den nächsten Wochen auch nicht. Hier bedient keiner. Auf der überdachten Tribüne glänzt ein Schild dafür noch mehr als bisher – oder täuscht der Eindruck etwa nur? „HSV und TuS sind ein Muss!“ Was für ein Reim. Trotzdem: Hier ist noch weniger los als im Volksparkstadion. Also bloß weiter ...

Guter Preis.
Simple Reime beim TuS Westerholz.

Stadion des SV RW Scheeßel

Zu! In Scheeßel kommt keiner aufs Sportgelände.
Flagge im Wind.

15.37 Uhr: Nur ein Blick aus der Ferne ist gestattet. Die grüne Eingangstür zum Stadiongelände versperrt den Weg zum grünen Rasen. Kein Hinweis, keine Erklärung, nicht mal im Schaukasten. Das Virus braucht hier in Scheeßel also keine Worte. Dabei stand das Derby der 1. Kreisklasse gegen den Bartelsdorfer SV um 15 Uhr auf dem Plan. Erst um 15 Uhr, trotz Winterzeit. Doch die Gastgeber hätten für den Fall der einbrechenden Dunkelheit ja Flutlicht. So stehen die Masten jedoch ziemlich allein da – nur begleitet von der Jubiläumsflagge, die ohne viel Wind schlaff, ja fast schon traurig wirkend an ihrer Stange herunterhängt. Keine 100-Jahr-Feier, jetzt schon wieder kein Fußball – was für ein blödes Jahr ganz besonders für die Rot-Weißen. Und was für ein ödes Wochenende. Eines ohne Fußball, das ist irgendwie wie eine spannende Krimiserie, bei der man die letzte Folge verpasst – einfach unvollendet.

Über den Zaun in Scheeßel? Könnte schmerzhaft sein.

Von Matthias Freese

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