Weber sagt englischem Erstligisten ab

Trainingslager von West Ham United wird nach Bothel verlegt

Das Organisationsteam um Dennis Schlifelner (v.l.), Heinz Meyer, Jens Heitmann, Hans-Jürgen Schlifelner und Christoph Meinke freuen sich, dass der englische Fußball-Erstligist West Ham United seine Zelte in Bothel für ein Trainingslager aufschlägt.
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Das Organisationsteam um Dennis Schlifelner (v.l.), Heinz Meyer, Jens Heitmann, Hans-Jürgen Schlifelner und Christoph Meinke freuen sich, dass der englische Fußball-Erstligist West Ham United seine Zelte in Bothel für ein Trainingslager aufschlägt.

Bothel/Rotenburg - Von Mareike Ludwig. Rolle rückwärts bei der Stadt Rotenburg. Der englische Fußball-Erstligist West Ham United will sein für Ende Juli vorgesehenes Trainingslager um drei Tage nach hinten verlängern. Das passt der Stadt aber nicht, da es durch die zusätzlichen Einheiten „nicht hinhaut“, wie Bürgermeister Andreas Weber (SPD) betont.

Wachtelhof-Chef Heiko Kerstephan wollte die Londoner aber nicht wieder ausladen und suchte für seine Gäste kurzerhand eine Alternative. Nun schlägt das Team seine Zelte auf der Anlage des TuS Bothel auf.

„Die Anlage muss auch Ruhe bekommen“

Die Engländer kommen also wie geplant am 24. Juli in der Kreisstadt an und bleiben nun bis zum 3. August. So kann West Ham United dann direkt nach Reykjavik fliegen, ohne vorher noch mal nach London zu müssen. Am 4. August steht in der isländischen Hauptstadt ein Freundschaftsspiel gegen Manchester City an.

Die Einheiten im Rotenburger Ahe-Stadion sind komplett gestrichen, der Bürgermeister hat einen Riegel vorgeschoben. „Wir haben schon eine Ausnahme gemacht, neben dem Hamburger SV (gastiert vom 9. bis 13. Juli in Rotenburg, Anm. d. Red.) noch eine zweite Mannschaft auf unserer Anlage im Sommer trainieren zu lassen. West Ham United hätte gerne eine Woche die Plätze nutzen können. Doch drei Tage länger ist nicht machbar. Wir müssen aufpassen, dass die Anlage auch Ruhe bekommt“, begründet Weber seine Absage.

Weber kann keinen Imageschaden erkennen

Dabei geht es um maximal zwei zusätzliche Trainingseinheiten, die West Ham United absolvieren will. „Inhaltlich wurde mit mir nicht darüber gesprochen, ich kenne das Programm nicht“, so Weber. Er sieht es aber keineswegs als Imageschaden für die Stadt, einem Team aus der Premier League einen Korb gegeben zu haben. „Alles ist gut. Die Mannschaft wohnt doch trotzdem in Rotenburg. Es freut mich für Bothel, dass der Ort auch die Chance erhält. So ist es doch eine optimale Lösung“, findet der Rathaus-Chef.

Das sieht der Rotenburger SV, einer der Nutzer der Anlage, etwas anders. „Wir haben uns nicht dagegen ausgesprochen. Wir hätten West Ham United gerne bei uns begrüßt. Schade, denn für die Reputation wäre es sicherlich sehr gut gewesen. Wir wurden auch leider erst im Nachgang darüber informiert. Da ich die Beweggründe aber nicht kenne, kann ich mir auch kein Urteil über die Entscheidung erlauben“, erklärt RSV-Vorsitzender Peter Grewe.

Gäste waren schon in Bothel um die Anlage anzuschauen

Da ein Umzug innerhalb des Trainingslagers nicht infrage kommt, trainiert der Club aus London komplett in Bothel. „Das sind unsere Gäste, und deren Wünsche erfülle ich gerne. Für uns als Hotel ist es natürlich eine wunderbare Veranstaltung und ein absolutes Highlight“, erzählt Kerstephan. Am Mittwoch war er sogar schon mit Teammanager Ben Illingworth und dessen Kollegen William Cadge in dem 2500-Seelen-Ort, um sich selbst ein Bild von der Anlage und den Gegebenheiten zu machen. Auch Jens Heitmann, Vorsitzender des TuS Bothel, sowie Ortsbürgermeister Heinz Meyer (CDU) waren dabei. „Die beiden haben sich sofort wohlgefühlt. Wir wurden dort von den Verantwortlichen mit offenen Armen empfangen“, freut sich Kerstephan. Dass nach der Absage aus Rotenburg seine erste Anfrage sofort nach Bothel ging, liegt nahe. Schließlich wohnt der Wachtelhof-Chef selbst dort und ist auch noch Mitglied des Vereins.

„Eine schöne Außendarstellung“

Da nun in den kommenden Wochen jede Menge Arbeit auf die Botheler zukommt, haben sie kurzerhand ein Organisationsteam gegründet, um alles genauestens zu planen und umzusetzen. Bis Ende Juli bleibt schließlich nicht mehr viel Zeit. „Wir waren über die Anfrage schon sehr überrascht, doch machen wir es gerne. So eine Chance kommt so schnell nicht noch mal um die Ecke. Für das Dorf ist es natürlich auch eine schöne Außendarstellung“, sagt Heitmann. Und Fußball-Obmann Hans-Jürgen Schlifelner ergänzt: „Ich bin total begeistert, einfach toll. Dass die Plätze etwas darunter leiden, nehmen wir nicht so eng. Danach können wir sie doch wieder instand setzen. Das ist es uns auf jeden Fall wert.“

Etwas zurückhaltend zeigt sich dagegen noch Heinz Meyer. Er denkt vor allem an die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. „Keiner weiß, wie viele Leute dann kommen. Es kann einen richtigen Menschenauflauf geben, darauf müssen wir vorbereitet sein. Jetzt geht die Planerei richtig los. Aber natürlich ist es toll, solch eine Mannschaft in unserem ländlichen Gebiet zu Gast zu haben“, sagt Bothels Politiker.

Zum Thema: Ein Kommentar von Mareike Ludwig

Das nennt man im Fußballjargon wohl ein klassisches Eigentor, was sich die Stadt Rotenburg geleistet hat. Da fragt mit West Ham United ein Team aus der englischen Premier League an, sein für Juli geplantes Trainingslager in Rotenburg um drei Tage zu verlängern, und die Stadt in Person von Bürgermeister Andreas Weber hat nichts Besseres zu tun, als dem Team einen Korb zu geben. Begründung: Die Belastung für die ohnehin schon strapazierte Sportanlage in der Ahe sei plötzlich zu groß. Damit lässt das Stadtoberhaupt seine Aussage aus der Dienstag-Ausgabe der Rotenburger Kreiszeitung als etwas unglaubwürdig erscheinen. Da hieß es noch: „Die Besuche der Vereine sind eine großartige Werbung und eine Wirtschaftsförderung für die Stadt. Die Belastung im Juli können wir dem Rasen noch zumuten, mehr aber dann auch nicht.“

Dabei handelt es sich gerade einmal um maximal zwei Trainingseinheiten, die die Londoner zusätzlich absolvieren wollen. Mit dieser Absage hat sich Weber ins Abseits geschossen, denn sowohl der Wachtelhof, wo West Ham United während der zehn Tage logiert, als auch der RSV standen dem Wunsch nach der Verlängerung sofort positiv gegenüber. Warum stellt sich der Rathaus-Chef also quer? Seine Begründung ist nicht nachvollziehbar. Auch wenn er meint, er wüsste nichts von dem geplanten Programm. Wenn ihm wirklich etwas daran liegen würde, hätten er und sein Team einfach nur nachfragen müssen, wie viele weitere Einheiten geplant sind. Haben sie aber nicht gemacht.

Und damit darf sich der TuS Bothel wie ein Kleinkind auf seinen Geburtstag freuen. Zu Recht! Denn wann bekommt ein Dorfclub schon einmal die Möglichkeit, den großen Fußball im eigenen Wohnzimmer zu begrüßen? Wachtelhof-Chef Heiko Kerstephan hat nicht lange gefackelt und die Grün-Weißen mit ins Boot geholt. Auch die Botheler Verantwortlichen um Jens Heitmann haben nicht eine Sekunde überlegt. Während sich Weber über die Grasnarben Sorgen macht, gibt es für Bothel nur noch zwei Themen: Vokabeln pauken und Rasen mähen – das ist wahre Gastfreundschaft. Doch dürfen es die Botheler auch nicht auf die leichte Schulter nehmen, schließlich sind auch Sicherheitsbestimmungen einzuhalten. Vielleicht hat der RSV aber ein paar Tipps parat.

Anstatt der verpassten Chance lange nachzutrauern, sollte man an der Wümme lieber die richtigen Konsequenzen ziehen und die Pläne mit dem Kunstrasenplatz intensiver denn je vorantreiben. Dann klappt es in naher Zukunft ganz sicher auch häufiger mit dem großen Fußball im Ahe-Stadion.

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