Altkreis-Teams gespannt auf Lockerungen

Training ohne Corona-Regeln? DFB arbeitet an einem Konzept

Sebastian Wichern (vorne) versucht zwar, den Mindestabstand wegzulächeln, doch sein TuS Bothel muss sich an die Corona-Regeln halten – zumindest noch. Der DFB will diese Beschränkungen zeitnah lockern. Foto: Freese
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Sebastian Wichern (vorne) versucht zwar, den Mindestabstand wegzulächeln, doch sein TuS Bothel muss sich an die Corona-Regeln halten – zumindest noch. Der DFB will diese Beschränkungen zeitnah lockern.

Frankfurt/Landkreis - Von Jan-Christian Müller und Lea Oetjen. Der Deutsche Fußball-Bund arbeitet im Sinne der Basis an einem Konzept, damit seine Amateurclubs das Training weitgehend uneingeschränkt wieder aufnehmen können. Momentan sind die fast 150 000 Mannschaften in knapp 25 000 Vereinen gehalten, strenge Hygieneregeln zu beachten, die der DFB schriftlich mitgeteilt hat. So dürfen die Spieler sich in den Trainingseinheiten nicht näher als 1,50 Meter kommen. Diese Vorgaben gelten ausdrücklich nicht für Teams der Ersten und Zweiten Bundesliga, der Dritten Liga sowie der Frauen-Bundesliga, sehr wohl aber für alle Amateurvereine.

Die strengen Anweisungen schrecken die meisten Coaches noch davon ab, den Übungsbetrieb aufzunehmen, weil sie der Meinung sind, ein Training unter Einhaltung des Mindestabstandes mache so keinen Sinn – so auch beim Rotenburger SV. Zudem wollen sie nicht die Haftung dafür übernehmen, dass sich Spieler anstecken. Auch sind die traditionell beliebten Zusammenkünfte nach dem Training in der Kabine grundsätzlich verboten, was der allgemeinen Motivation bei Seniorenteams abträglich ist.

Tatsächlich haben einige Amateurvereine aber dennoch ihren Trainingsbetrieb bereits wieder aufgenommen. Wer sich auf den Plätzen umsieht, kann unschwer erkennen, dass die 1,50-Meter-Maßgabe dabei oftmals nicht eingehalten wird. So hat die Realität bereits Fakten geschaffen, an denen sich der Verband orientieren will. Ein wichtiges Argument sind aus DFB-Sicht auch die aktuell niedrigen Fallzahlen der an Covid-19 Erkrankten sowie die geringe Ausbreitung.

Zumal im Dachverband von mehr als sieben Millionen Mitgliedern die Furcht wächst, dass die Corona-Krise nachhaltig negative Auswirkungen auf die Begeisterung für die Ausübung des aktiven Spielbetriebs hierzulande haben könnte. „Wir müssen uns Sorgen machen um den unermesslichen Schatz: unseren Fußball“, sagte Vize-Präsident Rainer Koch voller Pathos beim jüngsten außerordentlichen DFB-Bundestag.

„Wir sorgen uns, ob Kinder zurück in unsere Kontaktsportart finden“, ergänzte der einflussreiche Koch und fragte bei der Videokonferenz in die virtuelle Runde: „Wie viele Mitglieder treten aus?“ Die non-verbale Antwort: Je länger die Pause, desto größer der Aderlass. Ohnehin nimmt die Zahl der aktiven Teams im DFB seit geraumer Zeit ab. Die geringen Mitgliederzuwächse erklären sich vor allem durch passive Mitglieder der Bundesligaclubs, die aber überhaupt keine Absicht haben, selbst aktiv Fußball zu spielen.

Beim Kreisligisten TuS Bothel läuft das Training bereits seit gut zwei Wochen wieder – selbstverständlich unter Auflagen. Coach Sven Schumacher würde sich Lockerungen wünschen: „Mein Fußballer-Herz sagt, dass wichtige Inhalte einfach fehlen.“ Das würde schon bei der Begrüßung vor dem Training anfangen. „Ich weiß aber nicht, ob es schon der richtige Zeitpunkt ist, um auf die Einschränkungen zu verzichten“, sagt Schumacher. Diese Entscheidung wolle er Experten überlassen.

Ähnlich denkt Dariusz Sztorc, Trainer des Bezirksligisten TV Sottrum: „Wir passen uns an die Regeln an. Wenn das bedeutet, auf den Abstand achten und auf Körperkontakt verzichten zu müssen, dann ist das in Ordnung“, sagt er. „Wir machen uns da keinen Stress und keinen Druck. Ich versuche, nicht einmal an die Lockerungen zu denken.“

Für Thomas Heidler, Coach des designierten Kreisliga-Meister VfL Visselhövede, sind die Corona-Beschränkungen ohnehin nicht ausschlaggebend für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs. „Wir werden auf jeden Fall in diesem Monat wieder mit lockeren Einheiten starten – ob mit oder ohne Abstand“, sagt er.

Der DFB hofft nun, dass sich Bundesregierung und Länder am Schweizer Beispiel orientieren. Dort hat der Bundesrat in dieser Woche entschieden, dass zwar „Wettkämpfe in Sportarten mit ständigem, engem Körperkontakt, wie Schwingen, Judo, Boxen oder Paartanz voraussichtlich bis zum 6. Juli 2020 untersagt“ bleiben, jedoch „der Trainingsbetrieb für alle Sportarten ab dem (heutigen, Anm. d. Red.) 6. Juni ohne Einschränkung der Gruppengröße wieder erlaubt“ wird. „Dies“, so die Schweizer, „gilt auch für Sportaktivitäten, in denen es zu engem Körperkontakt kommt“. Also auch Fußball, sogar vor bis zu 300 Zuschauern, sofern dabei „Präsenzlisten geführt werden“.

Auch vor diesem Hintergrund will der DFB sein Ziel nun in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Politik erreichen, die einen üblichen Betrieb aufgrund der Abstandsregeln noch verbietet. Der DFB glaubt weitere gute Argumente auf seiner Seite: So hätten Erhebungen der wieder aufgenommenen Bundesligaspiele und einer Studie aus den Niederlanden ergeben, dass die tatsächlich seltenen engen Kontakte auf dem Spielfeld die Wahrscheinlichkeit einer Infektion als gering erachten lassen, zumal sie an der frischen Luft unter freiem Himmel über die Bühne gehen. Im Trainingsbetrieb könnten zudem klassische Gruppenansammlungen wie bei Eckbällen, Mauerbildung bei Freistößen oder Debatten mit dem Schiedsrichter ausgeschlossen werden.

Einem Mannschaftstraining steht nach diesen Erkenntnissen laut Interpretation des DFB im Grunde also wenig entgegen. Im nächsten Schritt soll der Spielbetrieb diskutiert werden. Dies ist aus DFB-Sicht deshalb besonders wichtig, weil in den Landesverbänden die Pokalsieger und somit Teilnehmer am lukrativen DFB-Pokal der kommenden Saison noch nicht ermittelt worden sind. Der DFB will unbedingt vermeiden, dass über die Landespokalsieger am Grünen Tisch, möglicherweise per Los, entschieden wird. Denn das könnte durchaus juristischen Ärger nach sich ziehen.

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