DFB stößt mit seiner Forderung auf Zustimmung, aber auch auf Skepsis

Training für die Jugend erlauben?

Der DFB fordert, den Amateurfußball nicht im Regen stehen zu lassen. Vor allem das Trainingsverbot für Kinder und Jugendliche soll aufgehoben werden.
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Der DFB fordert, den Amateurfußball nicht im Regen stehen zu lassen. Vor allem das Trainingsverbot für Kinder und Jugendliche soll aufgehoben werden.

Rotenburg – Es ist kein Geheimnis: Für viele Kinder und Jugendliche ist Fußball ein fester Bestandteil des Alltags. Morgens geht’s in die Schule, nachmittags werden fleißig die Hausaufgaben gemacht – und danach steht das Mannschaftstraining an. So gestaltete es sich zumindest vor der Corona-Krise. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr ist aber kaum noch etwas so, wie es „früher“ einmal war – auch nicht im Amateurfußball. Vor allem aktuell, also während des zweiten Lockdowns, bricht für den Nachwuchs viel mehr als nur ein Hobby weg. So bewertet zumindest der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Lage. Vizepräsident Rainer Koch fordert daher auf der DFB-Homepage: „Das generelle Verbot des Trainingsbetriebs sollte zumindest für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aufgehoben werden, dies gilt nicht nur für den Fußball, sondern zumindest für alle Sportarten, die stets an der frischen Luft ausgeübt werden.”

Geringes Risiko der Ansteckung

Die Vereine und Verbände hätten in den vergangenen Monaten „enorme Anstrengungen unternommen und die Herausforderungen ebenso hervorragend wie verantwortungsvoll bewältigt“, betont Koch, der gleichzeitig auch der Vorsitzende der Regional- und Landesverbandspräsidenten ist. Er leide derzeit sehr mit den Vereinen und betont: „Dass sie aktuell zur sportlichen Untätigkeit verurteilt sind, tut weh.“ Denn eigentlich müsse das nicht einmal so sein. Das sagt zumindest Professor Dr. Tim Meyer. Er ist Leiter der Medizinischen Kommission des DFB und bestätigt, dass das generelle Ansteckungsrisiko bei Sportarten im Freien – auch in Mannschaften – nur gering ist.

Zumindest in der Theorie spricht also wenig gegen die Rückkehr des Nachwuchses auf den Trainingsplatz. „Warum auch nicht? Das Problem ist echt die Kabine“, meint Andreas Kurth. Der Sportliche Leiter der Jugendabteilung des Rotenburger SV würde es nicht schlecht finden, wenn den Kindern diese Chance eingeräumt wird. „Es geht ja nur ums Training. Geduscht wird zu Hause. Und die Kabinen dürfen nur unter strengen Auflagen genutzt werden“, sagt er und begründet: „Das entscheidende Pro-Argument haben wir im Sommer erlebt. Die Kinder waren so glücklich, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen.“

Ungleiche Beschlüsse auf Bundesebene

Laut Kurth sollte lediglich darüber beraten werden, welche Mannschaften von den Lockerungen profitieren. „Über die Altersschwelle kann man natürlich ordentlich diskutieren“, räumt er ein. Denn diese wird aktuell in Deutschland unterschiedlich festgelegt. So hatte das Landeskabinett in Mecklenburg-Vorpommern entschieden, das von der Bund-Länder-Konferenz ausgesprochene Pauschalverbot von Freizeit- und Amateursport, das lediglich den Individualsport allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand vorsieht, nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Vereinssport anzuwenden. Demnach ist ein Trainingsbetrieb dort weiter erlaubt. In Berlin gilt die Sonderregelung, dass Vereinssport für Kinder bis zwölf Jahren unter Auflagen gestattet ist. DFB-Präsident Fritz Keller betont: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, für die Gesundheit, die Gesellschaft und nicht zuletzt für unsere Kinder. Aktiver Sport stärkt verschiedenste gesundheitsförderliche Aspekte, zudem hat er eine hohe gesellschaftliche und soziale Bedeutung – ohne in diesen schwierigen Zeiten für eine erhöhte Gefährdung zu sorgen.“

Keller erinnert an die Wichtigkeit

Vor diesem Hintergrund und in Verbindung mit den bewährten Hygienekonzepten sei es wichtig, vor allem Kindern und Jugendlichen schnell wieder die Möglichkeit zu bieten, ihren Bewegungsdrang gemeinsam im sportlichen Trainingsbetrieb auszuleben. Denn: „Sport ist wichtiger denn je“, appelliert Keller in einem Schreiben an die Vereine.

Ähnlich denkt Thomas Holzkamm – auch wenn sich der Fußball-Boss des JFV Union 18 in einem spürbaren Zwiespalt befindet. „Einerseits würde ich mir natürlich wünschen, dass die Kinder wieder Fußball spielen können. Aber andererseits wäre das verrückt, wenn man sich die Zahlen hier im Landkreis anguckt, die immer weiter steigen“, offenbart er. Ein Spielbetrieb sei für ihn nicht denkbar. „Wir müssen unsere Gesundheit ja nicht herausfordern.“

„Unsere Gesundheit nicht herausfordern“

Aber seiner Meinung nach spreche nur wenig gegen Trainingseinheiten der Jugendmannschaften – quasi wie beim ersten Lockdown vor acht Monaten. „Das hat ,damals‘ ja auch funktioniert. Die Vereine sind eingespielter, was die Hygienekonzepte betrifft. Ich denke, man könnte den Trainingsbetrieb wieder freigeben“, so Holzkamm. Er würde sich wünschen, dass „die Jungs aufhören zu daddeln und dafür wieder kicken und sich bewegen dürfen. Aber leider sind uns da bislang die Hände gebunden.“

Erst in der vergangenen Woche waren die Ergebnisse einer internationalen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) publik geworden, wonach sich in Deutschland knapp 80 Prozent der Jungen und 88 Prozent der Mädchen zu wenig sportlich bewegen.

WHO publiziert erschreckende Studie

Die Zahlen stammen aus Umfragen, die im Zeitraum zwischen 2001 und 2016 unter knapp 1,6 Millionen Schülern in 146 Ländern durchgeführt wurden. Laut Empfehlung der WHO sollten sich Kinder und Jugendliche mindestens eine Stunde pro Tag körperlich ausreichend betätigen. Sportvereine bieten dazu in Deutschland die besten Voraussetzungen – sagt zumindest die Präsidentenkonferenz der Regional- und Landesverbände des DFB.

Doch auch wenn der Fußball-Bund seine Forderungen durchgesetzt bekäme, hieße das zumindest beim JFV Union nicht, dass alles beim Alten wäre. „Klar, unsere Trainer sind heiß und haben Bock auf Training. Aber die Familien sind verunsichert, was aktuell nur verständlich ist“, verrät Holzkamm und fügt an: „Falls sich eine Rückkehr auf den Platz ankündigt, holen wir definitiv die Eltern mit ins Boot und führen Gespräche.“

Was wird aus der Saison in der Halle?

Spätestens für die Saison in der Halle wird das ohnehin unumgänglich. Training in „geschlossenen“ Räumen ist schließlich noch einmal ein ganz anderer Schnack. Das weiß auch Andreas Kurth, der daher vermutet: „Auf absehbare Zeit wird es kein Hallentraining und keine Hallensaison geben.“ So lange, wie es das Wetter zulässt, möchte der Wümme-Club seinen Mannschaften deshalb den Zugang zur Anlage gewähren. „Wenn es möglich ist, ist es ja auch nur sinnvoll. Aber alles andere müssen wir dann sehen, das hängt aktuell alles noch total in der Schwebe“, so Kurth.

Von Lea Oetjen

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