DIGITALES LEBEN: Mehr als nur pfeifen – Schiedsrichter im Zeitalter des Online-Spielberichts

An der Theke und mit „Zuschauern“

Referee Friedrich Lüning (hier im Gespräch mit Sottrums Matthias Michaelis) sieht im Online-Spielbericht überwiegend Vorteile.

Rotenburg - Wenn es in der Halbzeitpause rummst, kann es der pfeifende Referee in Bothel nicht überhören – sein Raum liegt direkt hinter einer der Mannschaftskabinen, die er sogar durchqueren muss, um dorthin zu gelangen.

Der Computer zur Eingabe des Spielberichts befindet sich beim Fußball-Bezirksligisten wiederum auf dem kleinen Flur zwischen beiden Kabinen. Michael Menzel, erfahrenen Schiedsrichter des MTV Jeddingen, hat da keine Probleme mit, wenn von beiden Seiten die Geräusche durch die Tür in seine Ohren dringen. Er hat schon ganz andere Orte erlebt, um sich dem Online-Spielbericht zu widmen. „Das Schlimmste war mal, dass ich den Bericht im Vereinslokal an der Theke ausfüllen musste – und das zu Landesliga-Zeiten.“ Natürlich mit neugierigen Blicken über die Schulter.

Schon seit etlichen Jahren sind die Zeiten der Papierversion vorbei. 2004 begann es in der Bundesliga. Inzwischen hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) längst jeden Dorfclub dazu verdonnert, einen Computer mit Internet-Zugang auf seinem Sportplatz zur Verfügung zu stellen, damit die Daten zur Partie direkt ins Netz eingepflegt werden können. Das funktioniert oft gut, manchmal auch eher suboptimal, denn nicht überall gibt es schnelles Netz. „Manchmal ist es die fehlende Geschwindigkeit, deshalb mache ich vieles von zu Hause – oder während ich in meinem Stammlokal auf die Pizza warte“, verrät Menzel.

Während die Aufstellungen in der Regel schon vor dem Anpfiff online gehen, gibt es für das Eintragen der Tore, Wechsel und Karten je nach Spielklasse unterschiedlich viel Zeit. Auf Kreisebene wird es am gleichen Tag gewünscht, aber nicht vorgeschrieben. Bis zu drei Tagen hat der Schiedsrichter hier sogar Zeit, was nicht immer gut ankommt. Da war es selbst mit der Post früher schneller. Friedrich Lüning vom FC Walsede, der inzwischen seit 35 Jahren als Unparteiischer auf den Plätzen der Region aktiv ist, benötigt diese Zeit nicht. „Ich versuche es immer so schnell wie möglich zu erledigen“, versichert der Schiedsrichter-Routinier: „Ich weiß, dass die Leute wirklich darauf warten, weil es sie interessiert.“

Dennoch passiert es durchaus, dass die Spielberichte auch Tage später noch nicht online abrufbar sind. In solchen Fällen drohen den verantwortlichen Referees bei Wiederholung im schlimmsten Fall sogar Geldstrafen. „Aber das ist wirklich nur das allerletzte Mittel“, beschwichtigt der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses im Kreis Rotenburg, Mats Bauer: „Schließlich macht das niemand absichtlich, sondern meistens ist es einfach Vergesslichkeit. Uns ist auf jeden Fall viel daran gelegen, zunächst vernünftig darüber zu reden oder darauf hinzuweisen.“

Der Umgang mit dem Computer gehört inzwischen zum Alltag eines jeden Fußball-Schiedsrichters. Hier kümmert sich Michael Menzel (MTV Jeddingen) um den Online-Spielbericht. - Fotos: Freese

Verständnisprobleme mit dem System sind hingegen nicht mehr vorhanden. Die meisten Schiedsrichter haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass neben der Regelkunde auf dem Platz auch Computergrundkenntnisse und etwas mehr nötig sind. Seit der Spielzeit 2011/2012 gibt es den Spielbericht im Kreis Rotenburg inzwischen online – damals zunächst nur in der Kreisliga. Jahr für Jahr folgten die darunter liegenden Kreisklassen. Seit 2015 können die Spielberichte auch in der mobilen Version auf dem Handy abgerufen werden. „Es wurde immer weiter optimiert“, sagt auch Menzel.

Manches bleibt aber doch schwieriger als vorher – und damit vor allem zeitaufwändiger. „Die Eingabe der Gelben Karten ist kompliziert. Das war beim Papierspielbereicht einfacher, da hat man ein Kreuz gesetzt und fertig. Jetzt musst du reinschreiben, ob es für ein Foulspiel, Handspiel, wegen Meckerns oder sonstwas war“, erzählt Menzel. „Und kompliziert wird es, wenn sich einer beim Warmmachen verletzt oder regeltechnisch schwammig, wenn ein ganz anderer Spieler dabei ist, der gar nicht auf dem Spielbericht steht.“

Lüning war am Anfang skeptisch

Sein Schiedsrichterkollege Lüning ist von der Online-Variante dennoch überzeugt: „Alles in allem ist es deutlich einfacher als früher.“ Dennoch gesteht er, dass er am Anfang durchaus skeptisch war. „Ich denke, das ist wohl normal, wenn man sich nach vielen Jahren umstellen muss. Aber mir war klar, dass man sich gegen den Fortschritt nicht sträuben kann.“ Vor menschlichen Fehlern ist aber auch das beste System nicht gefeit, wie Lüning aus eigener Erfahrung weiß. „Ich habe statt eines 2:2 einmal ein 2:29 als Endresultat eingetragen“, verrät der Unparteiische schmunzelnd. Da er diesen Fehler nicht mehr persönlich korrigieren konnte, musste Lüning eine Mail an den Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses schreiben. Etwa drei Stunden später war sein kleiner Lapsus korrigiert. „Ich glaube, es haben nicht viele gemerkt. Zumindest hat mich niemand darauf angesprochen“, so Lüning. - ntr/maf

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