REPORTAGE Beim Sport ist während des Lockdowns Kreativität gefragt

Tennis auf dem Supermarkt-Parkplatz

Das persönliche Starterpaket für Tennisduelle abseits der normalen Plätze: Schläger, Bälle, ein Netz, Klebeband und ein Zollstock.
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Das persönliche Starterpaket für Tennisduelle abseits der normalen Plätze: Schläger, Bälle, ein Netz, Klebeband und ein Zollstock.

Visselhövede – Der Nachbar schaut im vergangenen Frühjahr immer wieder mit einem Lachen auf die Straße. „Das ist ja fast wie früher“, sagt er schmunzelnd. Er sieht ein Duell im Fußball-Tennis vor der Tür. Ein Netz ist vom Baum bis zur Mülltonne quer über die Fahrbahn gespannt und es geht rund. Vor Jahren wurde genau an dieser Stelle noch Tennis gegen den Bruder gespielt. Während der Corona-Krise kommen eben alte Dinge wieder groß heraus. Ohne die gewohnten Aktivitäten in den Sportvereinen ist eben Kreativität gefragt.

Mehrere Stunden dauern die Spiele. Gelegentliche Pausen garantieren vorbeifahrende Autos. Die Mülltonne wird dann mit dem Netz zur Seite gerollt und 20 Sekunden später kann es weitergehen. Seit dem ersten Lockdown geht das nun so – bis heute. Denn das Beste an dieser neuen Trendsportart ist: Sie ist laut den Vorgaben der Politik erlaubt. Man spielt draußen und ist dauerhaft einige Meter voneinander entfernt. Gerade an Tagen mit gutem Wetter ist es ein angenehmer Zeitvertreib und quasi überall möglich. Es wurden bereits Duelle am Bullensee und auf Sportplätzen ausgetragen.

Wie es zur Idee kam? Als im März die Sportstätten geschlossen werden, bricht Panik aus. Normalerweise steht drei Mal wöchentlich Fußball für die SG Unterstedt auf dem Plan und mindestens drei Mal pro Woche gibt es Tennis-Einheiten beim TC Grün-Weiß Rotenburg. Was also ohne diese Aktivitäten? Es müssen schnell Ideen her. Den ganzen Tag zu Hause verbringen? Keine Option. Nur Laufen gehen? Ja, aber nur ab und zu zum Auspowern.

Es wird also zu Hause gekramt und das Netz – eigentlich zum Badmintonspielen im Garten gedacht – kommt zum Vorschein. Ein kurzer Austausch mit dem Kumpel reicht und eine erste Idee ist geboren. Tennis weit entfernt der gewöhnlichen Plätze. Ein „Starterpaket“ ist schnell zusammengesucht. Schläger und Bälle sind ohnehin vorhanden. Zudem finden sich ein Zollstock zum Abmessen des Feldes und eine Rolle Klebepapier zum Markieren der Plätze. Es geht los. Das erste neue Spielfeld findet sich auf dem Schulhof der eigenen Kindheit. Wenig später geht es zum nächsten Ort. Ein betonierter Parkplatz eines verlassenen Supermarktes im Ort ist für die nächsten Monate das Stadion packender Spiele.

Dabei ist die Präparierung der „Anlage“ wichtig. Mit einem Besen wird der Court auf Vordermann gebracht. Zudem werden kleine Schlaglöcher mit Sand von zu Hause ausgebessert. Das Spielen fühlt sich schnell ganz normal an. Drei Mal pro Woche geht es zum Verausgaben zu diesem Ort. Blöd nur, wenn der Lastkraftwagen auf dem Parkplatz genau dort abgestellt ist, wo die eine Hälfte des Feldes ist.

Trotzdem: Man kann immer gut spielen und Innerhalb kurzer Zeit sind somit zwei Corona-Aktivitäten gefunden: Tennis und Fußball-Tennis. Als im Sommer der erste Lockdown endet und man wieder mit seinen Teams auf den Anlagen trainieren darf, nehmen die Aktivitäten weit entfernt der Sportstätten ab. Seit dem zweiten Lockdown im November erleben die Hobbys ihren zweiten Frühling.

Zwar ist Tennistraining aktuell immer noch erlaubt, aber zwei einstündige Einheiten in der Woche reichen einfach nicht. Deshalb geht es auch auf den Straßen wieder rund. Neues Hobby zudem: Basketball auf dem seit Monaten quasi unbenutzten Sportplatz der ehemaligen Schule. Das geht sogar im Schneetreiben. Auch hoch im Kurs: Tennis am 23. Dezember auf einer Anlage im Freien oder Fußball-Golf. Mit einer Schaufel werden dann spontan die Löcher an für gut befundenen Orten gegraben und die Bahn quer durch die Landschaft wird bestimmt. Natürlich werden die „Schläge“ gezählt.

Von Vincent Wuttke

Basketball ist das neueste Corona-Hobby. Nahezu täglich geht es auf den Sportplatz. Es kann auch im Schnee gespielt werden.
Mit Besen und Sand-Eimer wird der Tennisplatz präpariert.
Das Netz ist gespannt und es geht im Fußball-Tennis gegen den Kumpel rund.

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