Ehemaliger RSV-Spieler über Thailand und Malta nun in Walsrode – oder nicht?

Sylla hält Heidekreis in Atem

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Stephane Manasse Aboubacar Sylla war in der vergangenen Saison beim Rotenburger SV in der Landesliga aktiv, absolvierte aber nur vier Spiele. Ab 1. Januar 2020 wäre der 27-Jährige für Ciwan Walsrode in der Bezirksliga spielberechtigt.

Walsrode - So richtig kann es sich keiner erklären, was aktuell im Heideskreis los ist. Stephane Manasse Aboubacar Sylla hält die Fußballwelt ordentlich in Atem. Eigentlich war der ehemalige Spieler des Rotenburger SV im November zum TV Jahn Schneverdingen gewechselt. Eigentlich. Denn sein Spielerpass liegt inzwischen bei Ciwan Walsrode. Ob der 27-Jährige allerdings jemals für die Walsroder in der Fußball-Bezirksliga auflaufen wird, ist fraglich. Es ist eine kuriose Geschichte, die so wohl nur der Fußball schreiben kann – Ausgang fraglich.

Der Reihe nach: Stephane Sylla stammt aus der Elfenbeinküste (offiziell: Republik Côte d’Ivoire, weshalb die Menschen, die von dort kommen als „Ivorer“ bezeichnet werden). Er ist in der ivorischen Hauptstadt Abidjan (4,6 Millionen Einwohner) aufgewachsen. In seiner Heimat galt er lange Zeit als großes Talent, das ohne Probleme den Sprung in eine der dortigen Fußball-Akademien schaffte. 2008 startete Sylla seine Karriere im bezahlten Fußball.

Internationale Einsätze

Als damals 17-Jähriger vermittelte ihn ein Berater – die gibt es dort zuhauf – nach Kambodscha. Dort spielte Sylla in der Hauptstadt Phnom Penh. Es folgten weitere Engagements – unter anderem in den zweiten Ligen von Thailand. „Da war es nicht schlecht“, sagte der Ivorer vor gut zwei Jahren gegenüber der Wolfsburger Allgemeinen. Obwohl er sich vor Ort gut eingelebt hatte und die Sprache beherrschte, führte ihn seine Reise nach Malta. Dort lernte der Fußballer 2015 eine angehende deutsche Lehrerin kennen, die dort ein Praktikum im Rahmen ihres Lehramtsstudiums für Englisch und Französisch machte. Inzwischen ist das Paar verheiratet und hat Nachwuchs.

Nach kurzer Zeit in Malta ging es für Sylla nach Deutschland – erst zum westfälischen Oberligisten FC Eintracht Rheine, anschließend zum SSV Vorsfelde. Bei den Niedersachsen wurde er von Trainer André Bischoff als „geradlinig, schnell und kopfballstark“ charakterisiert. Sylla sei ein Spieler, der auch aufgrund seiner Physis und Fitness einer Mannschaft viel Spaß mache. Doch auch in Vorsfelde hielt es Sylla nicht lang. Nach nur einer Saison wechselte der 27-Jährige in die Landesliga Lüneburg zur SV Eintracht Celle – für ein halbes Jahr. Am 1. Juli 2019 fing der Ivorer beim RSV an, wo er sich auch nicht richtig durchsetzen konnte. Er machte nur vier Spiele und bat im Oktober um seine Freigabe, die er auch erhielt. „Er hat sie bekommen, denn er hat sich bei uns nichts zuschulden kommen lassen“, erklärte RSV-Trainer Tim Ebersbach.

Jetzt kommt allerdings das große Aber der Geschichte: Ursprünglich hatte Sylla andere Angaben zu seinem Wechsel gemacht. „Wir sind davon ausgegangen, dass er zum TV Jahn Schneverdingen gewechselt ist“, zeigte sich der Coach überrascht. Dort habe er mittrainiert und eigentlich auch seine feste Zusage für die Rückrunde gegeben. Eigentlich.

Das bestätigte Teammanager Kassem Sabouné gegenüber der Walsroder Zeitung. Doch plötzlich „grätschte“ Ciwan Walsrode dazwischen und schnappte sich Sylla. „Ich wollte das nicht weiter kommentieren“, meinte Sabouné. „Aber wir trauern ihm nicht hinterher. Gut, dass er rechtzeitig seinen Charakter gezeigt hat. Wir wünschen Ciwan viel Erfolg mit dem Spieler.“

Nasir Kilinc, Vorsitzender und Manager des SV Ciwan Walsrode, beschrieb die Problematik aus einer anderen Perspektive: „Nach seiner Zusage in Schneverdingen hatte Stephane Sylla den Wunsch, zu uns zu wechseln. Schneverdingen wollte ihn bis zum 29. März sperren lassen.“ Jedoch habe Sylla in Schneverdingen keinen Aufnahmeantrag unterschrieben. „Das hat er nun bei uns gemacht. Wir haben die Unterlagen beim Niedersächsischen Fußballverband eingereicht. Ab dem 1. Januar ist er für uns spielberechtigt.“ Laut dem gestrigen WZ-Bericht muss der TV Jahn Schneverdingen sogar eine Geldstrafe von 100 Euro an den NFV bezahlen, weil die versuchte Ausstellung eines Spielerpasses fehlerhaft gewesen sei.

Damit könnte die kuriose Geschichte eigentlich zu Ende erzählt sein. Eigentlich. Ist sie aber nicht. Denn nach den ersten Einheiten bei Ciwan Walsrode hatte Stephane Sylla laut Walsroder Zeitung geäußert, dass er womöglich doch nicht dort trainieren wolle – auf einem Schlackeplatz. Diese kuriose Geschichte wird eines Tages weitererzählt – vielleicht zumindest.

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