100 JAHRE ROTENBURGER FUSSBALL Wie es 1919 mit der Spielvereinigung begann

Streitbare Kicker

Die „Schwarze Elf“ wurde die Spielvereinigung Rotenburg in ihren Anfangsjahren genannt. Hier eines der ersten erhaltenen Fotos des 1919 gegründeten Vereins.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Streit gehört seit jeher dazu – vom ersten Tag an. Nicht erst seit der lang andauernden Diskussion um einen Kunstrasenplatz auf dem Ahe-Sportgelände geht es bisweilen hoch her. Die 100-jährige Geschichte des Rotenburger Fußballs begann bereits im Entstehungsjahr mit einigen verbalen „Grätschen“, die bis heute quasi Tradition haben. Also schon, bevor der Rotenburger SV 1977 gegründet wurde.

Alles begann im Garten des Hotels „Altwein“ in der Großen Straße, wo am 30. September 1919 eine Fußballabteilung im Männerturnverein Rotenburg (dem Vorgänger des TuS Rotenburg) aus der Taufe gehoben wurde. In der 1969 erschienen Chronik der Spielvereinigung Rotenburg wird drüber berichtet, dass „die Fußballbegeisterten auf eine starke Opposition“ gestoßen seien, sich aber per Mehrheitsbeschluss durchgesetzt hätten. „Damit wurde man dem Bestreben der Jugend gerecht, die sich nach dem 1. Weltkrieg mehr und mehr für die Ausübung des Ballsports begeisterte.“

Albert Kludt wurde der Leiter der Abteilung und auch kurze Zeit später Vorsitzender. Denn: Der MTV Rotenburg sollte nicht lange die Heimat der kickenden Sportler bleiben. Noch im selben Jahr kam es zur Trennung. Meinungsverschiedenheiten unter anderem wegen der Teilnahme am Punktspielbetrieb waren der Auslöser. Der Sportplatz in der Ahe war schon damals Austragungsort von Spielen. Im ersten dokumentierten Auftritt der Spielvereinigung Rotenburg unterlag die sogenannte „Urelf“ dem Spiel und Sport Zeven von 1910 mit 0:3. Im Rückspiel gab es vier Wochen später mit 5:3 den ersten Sieg. Im Team der Rotenburger standen unter anderem ein Zahnarzt, ein Bahnhofsvorsteher und ein Mühlenbesitzer. Manch einer wanderte später in die USA aus. Aufgrund ihrer dunklen Trikots wurde die Mannschaft als „Schwarze Elf“ tituliert. Sie „war überall gern gesehen und wegen ihrer Spielstärke gefürchtet“, heißt es in der Chronik. Als Umkleidekabine diente eine vom Gefangenenlager Hemslingen/Söhlingen erworbene Baracke.

Mit dem 1937 gegründeten Luftwaffensportverein bekam die Spielvereinigung Konkurrenz in der eigenen Stadt. Während des 2. Weltkrieges ruhte der Spielbetrieb. Unter der Leitung von Otto Balzer und auf Initiative von Hermann Hundt startete bereits im Mai 1945 der Neuanfang, im November begannen die ersten Punktspiele. Die englische Militärregierung hatte jedoch angeordnet, dass der Club nun Allgemeiner Sportverein (ASV) hieß. Im Februar 1946 folgte schließlich die Vereinigung mit dem Männerturnverein zum TuS Rotenburg. 1947/48 errang die erste Mannschaft die Meisterschaft in der Staffel Stade-Süd.

Kurz darauf endete auch diese Liaison. Wegen unterschiedlicher Interessen verließen die Fußballer den TuS wieder und machten unter altem Namen als Spielvereinigung Rotenburg von 1919 weiter. Das Team spielte anfangs in der Amateuroberliga in Bremen und später in Niedersachsen gegen Teams wie Olympia Wilhelmshaven, den VfB Oldenburg oder Preußen Hameln. In den 60er-Jahren war sie überwiegend in der Bezirksliga unterwegs.

Aus der Spielvereinigung löste sich 1960 wiederum eine Gruppe um Günter Noack, um den FC Rotenburg ins Leben zu rufen. Während die Spielvereinigung 1969 zum 50-jährigen Bestehen noch gegen die Bundesliga-Mannschaft von Werder Bremen mit Höttges, Lorenz, Steinmann und Co. antrat, kam es Mitte der Siebziger wieder zu ersten Annäherungsversuchen mit dem noch jungen FC Rotenburg. Nach zwei gemeinsamen Jahren als Spielgemeinschaft verschmolzen 1977 beide Vereine endgültig zum Rotenburger SV, der damit die Fußball-Tradition in der Wümmestadt fortsetzte. Der RSV spielte von 1995 bis 2002 in der Oberliga, zu der Zeit die vierthöchste deutsche Spielklasse.

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