Gebürtige Rotenburgerin arbeitet als OP-Schwester in Kopenhagen

Stichling im Dauereinsatz

Laura Stichling verbringt derzeit viel Zeit im Herlev Hospital: Die gebürtige Rotenburgerin arbeitet in dem Krankenhaus in Kopenhagen als OP-Schwester und ist in der aktuellen Ausnahmesituation enorm gefordert.

Rotenburg/Kopenhagen - Von Mareike Ludwig. Wann Laura Stichling das nächste Mal ihre Familie treffen kann, ist noch völlig ungewiss. Die Grenzen zwischen Dänemark und Deutschland sind wegen des Coronavirus seit Mitte März geschlossen. Der geplante Urlaub in der Heimat fiel für die gebürtige Rotenburgerin gezwungenermaßen aus. Stattdessen verbrachte die ehemalige Handballerin des Regionsoberligisten TuS Rotenburg II die freien Tage in ihrer Wohnung in Kopenhagen. Die Auszeit war auch nötig, denn seit Montag ist die 24-Jährige als Krankenschwester wieder gefordert. Mehr denn je. „Wir alle erleben eine noch nie da gewesenen Situation.“

In ihrem Urlaub habe sie sich bewusst sehr viel ausgeruht, „da ich wusste, dass es jetzt sehr kräftezehrend wird. Am meisten Respekt habe ich vor der schnell steigenden Arbeitsbelastung in den kommenden Wochen“, erzählt Stichling, die seit drei Jahren in der Hauptstadt Dänemarks lebt.

Im Herlev Hospital arbeitet die OP-Schwester normalerweise in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Wegen der derzeitigen Ausnahmesituation bekommt Stichling in den kommenden Tagen aber noch extra eine Schulung, in der sie mit ihren Kollegen den Umgang auf der Isolationsstation mit Covid-19-Patienten erlernen soll. „Bislang sind noch keine konkreten Einsätze auf der Station geplant. Die Verantwortlichen wollen aber vorbereitet sein, da steigende Fallzahlen erwartet werden. Natürlich habe ich vor der Aufgabe Respekt“, sagt Stichling. Das Pflegepersonal habe zudem bereits eine spezielle Einweisung erhalten, wie die Schutzkleidung korrekt an- und auszuziehen ist. „Besonders die Reihenfolge beim Ausziehen ist enorm wichtig, um sich nicht anzustecken“, erklärt die 24-Jährige eine der Vorsichtsmaßnahmen.

In der Klinik wurden bereits vier OP-Säle vorbereitet und stehen nur für Corona-Patienten bereit. „Zudem gibt es Intensiv- und Beatmungsplätze. In den Abend- und Nachtstunden sowie am Wochenende setzen wir zusätzliches Personal bei uns OP-Schwestern und in der Anästhesie ein“, gibt Stichling einen Einblick. Die Vorkehrungen sind auch nötig, schließlich ist Dänemark mit seinen rund 5,8 Millionen Einwohnern ebenfalls schon stark betroffen. Am Donnerstag waren es 1851 Infizierte, 386 davon in stationärer Behandlung, 94 auf der Intensivstation und davon sind wiederum 78 Patienten derzeit am Beatmungsgerät angeschlossen. Die Todeszahl liegt aktuell bei 41 (Stand Donnerstag, 18 Uhr). „Dazu muss man aber wissen, dass nur Menschen getestet werden, deren Symptome so schwerwiegend sind, dass sie stationär behandelt werden müssen. Daher sind die Zahlen eigentlich noch höher“, so Stichling.

Zwar ist ihr Job gerade in dieser Zeit besonders fordernd, dennoch erlebt sie auch etwas Erfreuliches. „Ich habe noch nie so viel Respekt für mein Fachgebiet bekommen wie jetzt“, freut sich die ehemalige Handball-Torhüterin. Krankenhauspersonal erhält in Dänemark gratis Kaffee bei einer Tankstellenkette, in den Krankenhaus-Kiosken gibt es zum kostenlosen Kaffee ein Croissant. Des Weiteren stellt ein Carsharing-Anbieter seine Fahrzeuge gebührenfrei für Krankenhauspersonal zur Verfügung.

Das Ausmaß der Pandemie in Deutschland verfolgt die Krankenschwester über das Fernsehen und die sozialen Medien. Zudem ist sie mit ihrer Familie in Rotenburg über Videoanrufe in Kontakt. „Meine Oma wird im April 83 Jahre alt. Es ist natürlich schade, dass ich nicht da sein kann. Allerdings könnten wir in dieser Situation sowieso nicht feiern“, sagt Stichling.

Sobald die Grenzen wieder offen sind und sich die Lage entspannt hat, möchte sie ihren Urlaub in der Heimat nachholen und ihrer Großmutter dann auch persönlich nachträglich zum Ehrentag gratulieren.

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