„Der Stachel sitzt verdammt tief“

Die Zwillingsbrüder Mirko und Patrick Peter im Interview

Patrick Peter (VfL Visselhövede): „Die gesamte Familie wird zugucken, aber wohl eher dem TV Hassendorf die Daumen drücken.“

Hassendorf/Visselhövede - Von Matthias Freese. Mehr Spitzenspiel geht einfach nicht: Wenn am Sonntag (15 Uhr) der VfL Visselhövede als Tabellenführer der 1. Fußball-Kreisklasse Süd beim punktgleichen Verfolger TV Hassendorf seinen Platz an der Sonne verteidigen muss, spielt auch eine ganz familiäre Note eine besondere Rolle.

Erstmals überhaupt treten ausgerechnet in dieser Partie die Zwillingsbrüder Mirko Peter (Hassendorf) und Patrick Peter (Visselhövede) gegeneinander an. Sie spielten vergangene Saison noch für den Rotenburger SV in der Landesliga. Wir baten die beiden 28-Jährigen zum Doppel-Interview.

Mirko Peter (TV Hassendorf): „Natürlich möchten wir gern Meister werden, aber ich würde meinem Bruder den Titel auch gönnen.“

Sie haben oft in einem Team zusammengespielt, beim Rotenburger SV oder TSV Ottersberg etwa – jetzt ist es wirklich das erste Mal, dass Sie gegeneinander spielen?

Patrick Peter: Ja, es ist tatsächlich das erste Aufeinandertreffen. Wir haben mit drei Jahren mit dem Kicken gemeinsam in Hassendorf angefangen und bei den Stationen in der Rotenburger Jugend, in Ottersberg, beim TuS Heeslingen und beim RSV gab es uns nur zusammen. Es war immer ziemlich schön, zusammen zu spielen, und wenn es Anfragen von anderen Vereinen gab, dann war immer die Frage nach den Peter-Zwillingen und nicht nach einem Einzelnen. Nun, mit 28 Jahren, kommt es also zum ersten Aufeinandertreffen. Mirko Peter: In den Trainingsabschlussspielen haben wir auch sehr oft gegeneinander gespielt, da uns die Trainer meistens in verschiedene Teams eingeteilt haben. Aber nun ist es das erste Mal unter Wettkampfbedingungen.

Welche Gedanken kreisen da im Vorfeld im Kopf? Aufgeregt? Angespannt?

Patrick Peter: Natürlich ist es schon irgendwie etwas Besonderes, da wir eine sehr enge Beziehung zueinander haben. Aber am meisten überwiegt die Freude, weil man das Prestigeduell natürlich schon jeweils für sich gewinnen will. Für Michael Lohmann, unseren Cousin beim VfL Visselhövede, und mich wäre es schon ein großer Reiz, gegen Hassendorf zu gewinnen, da die gesamte Familie zugucken wird, aber die wohl alle eher für den TV Hassendorf die Daumen drücken und Mirko unterstützen werden. Mirko Peter: Es überwiegt auf jeden Fall die Vorfreude! Es ist schon etwas Besonderes, gegen meinen Cousin Michael Lohmann und meinen Bruder zu spielen. Ansonsten kenne ich auch fast die ganze Visseler Truppe. Ich hoffe, dass viele Zuschauer kommen werden und es ein gutes Fußballspiel wird.

Wie wird es im Spiel sein: Werden Sie eher versuchen, sich aus dem Wege zu gehen oder vielleicht gar bewusst den Zweikampf suchen?

Patrick Peter: Es wird schon vermehrt zu einem direkten Duell kommen. Das gibt die Aufstellung so her. Es werden aber Zweikämpfe wie alle anderen auch sein. Man wird alles geben, um den Ball zu gewinnen und sollte man doch mal einen Schritt zu spät kommen, entschuldigt man sich und spielt weiter. So ist der Fußball. Mirko Peter: Ich habe Patrick beim Kicken im Garten aus Versehen schon einmal das Schlüsselbein gebrochen. Ich hoffe aber, dass es so etwas dieses Mal nicht gibt (lacht).

Was schätzen Sie fußballerisch am meisten an Ihrem Bruder?

Patrick Peter: Als ich meinen Sohn Bent vor kurzem nach dem besten Fußballer gefragt habe, lautete seine Antwort: „Mirko kann am besten Fußball spielen – und Thomas Delany.“ Ich weiß nicht, wie Mirko das hinbekommen hat oder woran das liegt, aber der Stachel sitzt verdammt tief! Mirko ist sein Vorbild, deshalb möchte er auf seinem Trikot später auch die Nummer sechs haben und „so eine Binde, damit man der Chef ist wie Mirko“, die möchte er auch haben. Daher muss ich Sonntag die Chance nutzen und ein Tor mehr schießen, damit ich die Sache mit meinem Sohn klarstellen kann. Mirko Peter: Patrick ist unwahrscheinlich schnell, das ist schon wirklich beeindruckend, zudem sucht er immer wieder den Weg zum Tor. Gegen uns aber hoffentlich vergeblich.

Letztes Jahr noch Landesliga, vorher schon Oberliga – haben Sie den Schritt in die Tiefen des Fußballs bereut? Oder war es der richtige? Und war es eigentlich abgesprochen, dass Sie sich beide gleichzeitig aus dem Leistungsfußball verabschieden?

Patrick Peter: Dass wir beide zum gleichen Zeitpunkt jetzt kürzergetreten sind, war zum einen zufallsbedingt, zum anderen aber auch einfach die Konsequenz daraus, dass Fußball nicht mehr die oberste Priorität hat. Man hat mittlerweile über zehn Jahre Leistungsfußball gespielt und mit 28 wird man auch längst kein Profi mehr, sodass man diese Zeit nicht vermissen möchte, aber die Priorität nun einfach in der Familie und im Job liegt. Mirko Peter: Ich habe einen neuen Job angefangen und habe mich deshalb für diesen Schritt entschieden, und ich bin auch nach wie vor der Meinung, dass es richtig war. Allerdings war ich schon wehmütig, als ich das Derby Ottersberg gegen RSV geschaut habe. Da hätte ich auch gerne auf dem Platz gestanden.

Wer hat sich letztes Wochenende eigentlich bei wem bedankt? Mirko bei Patrick für den Visselhöveder Ausrutscher oder Patrick bei Mirko, weil Hassendorf diesen nicht ausgenutzt hat?

Patrick Peter: Ich habe schon vor dem Spieltag gedacht, dass es für Hassendorf schwer wird, in Elsdorf zu gewinnen, da ich weiß, wie schwer wir uns dort getan haben und wie viel Glück wir dort hatten. Allerdings hatte ich auf ein anderes Derby-Ergebnis gehofft. In unserem sonntäglichen Telefonat ging es aber diesmal weniger um den eigenen Punktverlust, sondern um den Misserfolg von Werder. Der hat einem fast mehr Bauchschmerzen gemacht als die eigenen Spiele. Mirko Peter: Wir telefonieren meistens nach dem Spiel und sprechen darüber, wie es gelaufen ist. Ich habe gedacht, wir sind die erste Mannschaft, die Vissel ein Bein stellt, aber ich bin den Jeddingern nicht böse, dass sie es schon getan haben. Wir beim TVH sind noch ungeschlagen!

Es  läuft ja für beide Teams diese Saison ziemlich gut. War das so zu erwarten?

Patrick Peter: Mit Erwartungen muss man ja immer etwas vorsichtig sein, um nicht enttäuscht zu werden. Aber mit acht Siegen am Stück hätte ich nicht gerechnet. Schön wäre es gewesen, wenn nach dem Spiel in Hassendorf zehn Siege gestanden hätten, aber nun hoffe ich darauf, dass es neun Siege sind. In beiden Vereinen hat, glaube ich, zu Saisonbeginn ein Umdenken stattgefunden. In Vissel sollte endlich wieder Erfolg einkehren nach zwei Jahren Misserfolg. Dort hat sich nun ein neuer Vorstand gebildet, der wahnsinnig viel arbeitet und schon viele Dinge in die richtige Richtung gebracht hat. Auch in Hassendorf hat man sich gesagt, wir fangen bei null an und gucken, ob man nicht auch um die Spitze mitspielen kann. Mit der Mannschaft haben sie definitiv die Möglichkeit, in die Kreisliga aufzusteigen. Mirko Peter: Vissel war für mich schon vor der Saison in der Favoritenrolle, und der werden sie auch absolut gerecht. Wir sind ein Team mit ziemlich vielen Neuzugängen, da war es schwer, die Stärke des Teams einzuschätzen. Aber wir wussten schon, dass wir einige gute Kicker im Team haben. Ich denke auch, dass wir zu Recht in der Tabelle mit oben stehen.

Aber wer ist die bessere Mannschaft von beiden, wer wird am Ende Meister?

Patrick Peter: Im spielerischen Bereich und was das Tempo angeht finde ich Hassendorf einen Tick besser. Dafür ist aber unser Vorteil, dass wir mehr Erfahrung haben und ruhiger auf dem Platz sind. Wir spielen die Angriffe vielleicht etwas entspannter und sauberer aus. Wer am Ende Erster wird, ist fast egal. Der eine drückt dem anderen die Daumen, dass dann die Relegation gepackt wird. Mein Wunsch wäre es, dass die Platzierungen am Ende so aussehen würden wie zum jetzigen Zeitpunkt. Nach dem Spiel hat Mirko zum Grillen mit der Familie, die beim Spiel zuguckt, in sein Haus in Hassendorf eingeladen. Der Verlierer zahlt das Fleisch ... Mirko Peter: Patrick zahlt das Fleisch! Vissel hat schon eine gute Truppe, das muss man anerkennen. Aber auch wir haben viele Spieler, die schon in der Bezirksliga gespielt haben. Es fehlt uns nur noch ein wenig die Konstanz, 90 Minuten ruhigen Fußball zu spielen. Wichtig ist aber wirklich, dass beide Teams nächstes Jahr in der Kreisliga spielen. Natürlich möchten wir gern Meister werden, aber ich würde meinem Bruder den Titel auch gönnen.

Wie realistisch ist es, dass Sie in Zukunft noch mal zusammen in einem Team spielen?

Patrick Peter: Zum Ende der Saison werde ich Mirkos Telefonnummer an unseren Vorstand weitergeben. Ich hoffe, dass die ihn zum Wechsel nach Vissel überreden können. Auch wenn ich weiß, dass die Chance bei ziemlich genau null Prozent liegt. Ich denke, wir haben nun beide unsere Heimat und unseren Verein gefunden, in dem wir möglichst viel mit anpacken und aufbauen wollen, auch neben dem Platz. Daher werden wir so schnell nicht mehr zusammenspielen. Aber wer weiß, wie das ist, wenn es irgendwann in den Seniorenbereich geht. Da kann ich mir vorstellen, dass die Peter-Brüder nochmal gemeinsam auflaufen. Unser gemeinsames Ziel lautet nun aber, im kommenden Sommer einen Marathon zu laufen. Mirko Peter: Ich würde sehr gerne mit ihm noch mal zusammenkicken. Damals in der B-Jugend haben wir mit einigen Jungs schon rumgealbert, dass wir in der Alten Herren wieder alle zusammenspielen. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn es so kommt.

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