Wie gehen Vereine und Verbände damit um?

Coronavirus im Landkreis Rotenburg: Sportler verfallen nicht in Panik

Gehört das Abklatschen – wie hier zwischen Rotenburg und Ottersberg – bald nicht mehr dazu? Foto: Freese
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Gehört das Abklatschen – wie hier zwischen Rotenburg und Ottersberg – bald nicht mehr dazu?

Rotenburg - Der Körperkontakt ist unvermeidbar. Beim Zweikampf auf dem Feld schieben Fußballer, Handballer oder Basketballer nicht nur die Gegenspieler, sondern derzeit auch noch das Coronavirus zur Seite. Vorsichtsmaßnahmen sind kaum ein Thema.

Wie lange noch? Wann ist der Sport in dieser Region betroffen? Werden schon bald die Spiele abgesagt, nachdem jetzt die ersten Coronavirus-Fälle im Landkreis Rotenburg bestätigt wurden? „Ich habe das Thema bewusst noch nicht groß angesprochen, weil ich nicht der Panikmacher sein will“, gesteht Tim Ebersbach, Coach des Fußball-Landesligisten Rotenburger SV. Doch er wird kaum drumherum kommen.

Gerade der Fußballsport steht im Fokus – weil dort zumindest in den hohen Klassen viele Zuschauer auf relativ kleinem Raum zusammenkommen. Aber auch, weil es besondere „Rituale“ unter den Spielern gibt – nicht nur das häufige Abklatschen oder das gemeinsame, oft engumschlungene Jubeln. Oftmals trinken auch mehrere Spieler aus einer Flasche. Das ist beim RSV genauso. „Das ist das Blödeste, was man machen kann“, meint Ebersbach: „Das müssten wir vielleicht mal einstellen. Es bleibt wohl nicht aus, dass wir umdenken müssen.“ Der Coach glaubt, dass es „gerade im Mannschaftssport extrem schwer“ sein wird, das Virus auszuschließen. „Wenn es da einen trifft, ist die Gefahr groß, dass er andere mitnimmt.“

Der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) sieht jedenfalls bis dato noch keine Gründe, um Spiele abzusagen. „Aufgrund der Veröffentlichungen des Landes Niedersachsen und des Robert-Koch-Instituts besteht für den NFV derzeit keine Veranlassung, den Spielbetrieb ruhen zu lassen. Daher finden bis auf Weiteres alle Spiele statt. 

Sollte seitens der niedersächsischen Behörden und/oder des Robert-Koch-Instituts eine neue Lage-Einschätzung für Niedersachsen erfolgen, wird der NFV umgehend über seine Kommunikationskanäle eine neue Bewertung veröffentlichen“, erklärt der Verband auf seiner Homepage und verlinkt ein Interview mit Prof. Dr. Tim Meyer, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Nationalmannschaftsarzt. „Die Vereine sollten möglichst schnell, möglichst lückenlos alle Mitglieder, die Spielerinnen und Spieler, die Trainerinnen und Trainer und Schiedsrichter informieren – insbesondere über Maßnahmen zum Infektionsschutz. Und darüber, dass man im Falle von Fieber oder eines Atemwegsinfekts nicht ins Training, sondern zum Arzt gehen sollte“, antwortet er auf der DFB-Homepage auf die Frage, was kleine Vereine machen können.

Der Niedersächsische Basketball-Verband (NBV) äußert sich ähnlich wie die Fußball-Kollegen aus Barsinghausen und beschäftigt sich damit, „wie unser Spielbetrieb bedenkenlos fortgeführt werden kann. Derzeit wird die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland als gering bis mäßig eingeschätzt. Daher gibt es aktuell keinen Grund, den NBV-Spielbetrieb einzustellen“, lässt er seine Mitglieder wissen. Aber: „Wir behalten uns außerdem das Recht vor, Spiele in betroffenen Regionen kurzfristig abzusagen, um die Gefahr des Ansteckens zu minimieren.“

Das ist das Blödeste, was man machen kann. Das müssten wir vielleicht mal einstellen, Tim Ebersbach zur Benutzung einer Wasserflasche durch mehrere Spieler.

Beim TuS Rotenburg, einem der größten Vereine des Kreises, herrscht keinerlei Aufregung. „Wir haben darüber schon gesprochen, aber für mich ist das kein Thema. Ich denke, da wird viel gewirbelt – und es ist ein Börsencrash, der damit inszeniert wird“, bleibt der Vereinsvorsitzende Rolf Ludwig gelassen.

Ähnlich sieht es Johann Knodel, Teammanager der Rotenburger Oberliga-Handballer. Er spricht von „Panikmache“, schränkt aber ein: „Man muss natürlich aufpassen: Wer war im Ausland und wo? Wem gibt‘s du die Hand?“ Doch innerhalb des Teams sei momentan ohnehin keiner am husten – „und wer krank ist, bleibt halt zu Hause“. Das Training wird durch das Virus bisher nicht beeinträchtigt, große Umstellungen im Umgang miteinander gebe es nicht.

Auch der Gesamtverein hat keine besonderen Vorkehrungen getroffen oder seinen Mitgliedern Verhaltensregeln in Zeiten des Virus mit an die Hand gegeben, wie Ludwig bestätigt. Andere Großvereine handhaben das schon anders. Etwa der TV Lilienthal aus dem Kreis Osterholz. Der Vorstand informierte seine Übungsleiter und Mitglieder Anfang der Woche. „Ohne positiven Befund besteht aktuell keine Veranlassung, das Vereinsleben (Training/Wettkämpfe/Spiele) oder einzelne Gruppen ruhen zu lassen. Wir beobachten die Entwicklung aber weiterhin aufmerksam und erwarten gegebenenfalls Anweisungen von den zuständigen Gesundheitsbehörden. Sollte es notwendig werden, werden wir gegebenenfalls auch sehr kurzfristig reagieren.“ Weiter heißt es in der Rundmail: „Im Falle von ersten Krankheitsanzeichen sollte auf die Teilnahme am Sportbetrieb verzichtet und stattdessen ein Arzt kontaktiert werden.“

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