Sportler in Quarantäne ‒ Verluste für Firmen

Fußball in der Corona-Zeit: Was sagt der Chef dazu?

Doppelte Zusammenarbeit: Peter Grewe (l.) und Henning Schwardt sind beide für den Rotenburger SV aktiv – und auch für die Grewe-Gruppe.
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Doppelte Zusammenarbeit: Peter Grewe (l.) und Henning Schwardt sind beide für den Rotenburger SV aktiv – und auch für die Grewe-Gruppe.

Rotenburg – Momentan verbietet die Corona-Verordnung den Mannschaftssport im Amateurbereich. Aber kann ein Arbeitgeber seinem Angestellten untersagen, in der Zeit der Pandemie Fußball oder Handball zu betreiben – wenn das wieder erlaubt ist? „Nein“, sagt Heiko Müller, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Rotenburg. „Sport gehört zur privaten Freizeitgestaltung. Da kann einem keiner Vorgaben machen, welche Sportart er zu machen hat. Da hat ein Arbeitgeber keinerlei Weisungsrecht.“ Problematisch ist die Situation trotzdem für viele Unternehmen, wenn Mitarbeiter ausfallen, weil sie sich infiziert haben oder sich in Quarantäne begeben müssen. Und das Risiko, davon betroffen zu sein, lauert beim Teamsport. Die Folgen sind mögliche wirtschaftliche Schäden für die Firma.

Henning Schwardt hat die Erfahrung gemacht. Als Fußballer, aber eben auch aus Sicht des Betriebes. Er hatte sich Ende Oktober nach einem Einsatz für die zweite Herren des Rotenburger SV für anderthalb Wochen in häusliche Quarantäne begeben müssen, nachdem ein Mitspieler positiv getestet worden war. Schwardt selbst war negativ. Er ist einer der Geschäftsführer der Grewe-Gruppe, die im Garten- und Landschaftsbau ihr Haupttätigkeitsfeld hat und rund 600 Mitarbeiter beschäftigt – unter anderem die RSV-Oberligaspieler Lucas Chwolka und Max Friesen sowie Torwarttrainer Lars Neugebauer.

„Dieses Jahr werde ich keine Umkleidekabine mehr betreten“, lautet die Konsequenz für Schwardt, der seine Arbeit daheim und seine sportlichen Aktivitäten auf dem Laufband fortsetzte. „Homeoffice geht recht gut. Ich brauche das aber auf keinen Fall noch mal. Ein paar Sachen bleiben schon liegen“, sagt der 42-Jährige, weist aber auf ein anderes Problem hin: „Unsere gewerblichen Mitarbeiter wie Gärtner oder Maurer – die können kein Homeoffice machen. Und wenn man das Virus erst mal in der Firma hat, dann sind das merkbare Verluste, die man einfährt.“

Wird die Quarantäne oder Isolierung vom Gesundheitsamt angeordnet, werden dem Arbeitgeber die Lohnkosten zwar erstattet – doch die dadurch verursachten geringeren Umsätze eben nicht. Das kann dann schon mal schnell in den fünfstelligen Bereich gehen. „Das Problem ist doch, dass du die Termine nicht einhalten kannst, aber die Kosten trägst“, verdeutlicht Peter Grewe. Der langjährige Firmenchef, der inzwischen in die Rolle des Beraters gerückt ist, steht gleichzeitig dem Rotenburger SV als Präsident vor und betont: „Das Wichtigste ist die Gesundheit, dann kommen Familie und Beruf und dann irgendwann der Sport.“

Der 68-Jährige bringt in dieser Zeit deshalb großes Verständnis für jeden Arbeitgeber auf, der sagt, „dass er es nicht gerne sieht, wenn der Arbeitnehmer zum Fußball geht, wenn er womöglich auch noch mit einem größeren Mitarbeiterkreis in Berührung kommt. Das geht erst, wenn die Kurve wieder nach unten geht.“

Auch in der Grewe-Gruppe gab es bereits positive Fälle, wie Schwardt berichtet. Im Bürogebäude selbst trage jeder eine Maske, sobald er seinen Arbeitsplatz verlasse, viele Angestellte wären ohnehin schon ins Homeoffice gewechselt. „Wenn derjenige herkommt und die Leute hier ansteckt – das ist viel schlimmer“, betont er.

Ein grundsätzliches Verbot von Mannschaftssport könne und wolle das Unternehmen allerdings nicht aussprechen. „Eigentlich ist man ja froh, wenn die Leute Sport machen. Deshalb sollte man auch versuchen, einen Konsens mit dem Mitarbeiter hinzukriegen. Ich denke, es ist aber nur fair, wenn der Sport momentan zurücksteht. Draußen kann man das Risiko auch noch eher mittragen, in geschlossenen Räumen sollte man es momentan aber besser unterlassen“, findet der Geschäftsführer, der diese Meinung auch als Vorstandsmitglied im RSV mitträgt. Insofern ist ihm die Absage des Spielbetriebs bis Jahresende durchaus recht.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Oberligaspieler Tobias Kirschke.

Von Matthias Freese

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