Sottrumerin Anna Bockhorst spricht über Werders Bundesliga-Aufstieg und ihren großen Traum

„Das wäre natürlich der Hammer“

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Die Sottrumerin Anna Bockhorst hat es mit 17 Jahren in die Stammelf von Werder Bremen geschafft. Mit den Frauen feierte sie kürzlich den Bundesliga-Aufstieg.

Sottrum - Von Mareike Ludwig. Im knapp 7 000 Kilometer entfernten Kanada kämpft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen derzeit bei der Weltmeisterschaft um den Titel. Bislang sieht es für das Team von Bundestrainerin Silvia Neid gut aus. Zu Hause in Sottrum – vor dem heimischen Fernseher – fiebert Anna Bockhorst mit Nadine Angerer und Co. mit. Die 17-Jährige träumt davon, selbst einmal bei einer WM dabei zu sein. Ihren ersten Wunsch hat sie sich gerade erst erfüllt – mit dem SV Werder Bremen ist die Torfrau in die 1. Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Grund genug, um bei der Gymnasiastin genauer nachzufragen.

Frau Bockhorst, erst einmal Glückwunsch zum Sprung ins deutsche Oberhaus. Haben Sie es überhaupt schon realisiert?

Anna Bockhorst: Es hat eine Zeit lang gedauert. Mir ist erst mit ein bisschen Abstand klar geworden, was wir erreicht haben. Der Aufstieg fühlt sich aber natürlich sehr gut an – das ist der Wahnsinn.

Mit gerade einmal 17 Jahren haben Sie den Sprung in die Startformation bei den Damen geschafft. Hätten Sie damit im Vorfeld gerechnet?

Bockhorst: Ehrlich gesagt nicht, schließlich bin ich mit meinen 17 Jahren das Küken in der Mannschaft. Dass ich gleich in meiner ersten Saison bei den Frauen aufsteige, ist natürlich großartig. Ich bin zufrieden.

Ist es denn schwierig gewesen, von den älteren und erfahreneren Spielerinnen ernst genommen und respektiert zu werden?

Bockhorst: Am Anfang war es etwas komisch. Meine Mannschaft hat mich aber super aufgenommen. Ich fühle mich dort sehr wohl.

Gibt es also auch keinen Konkurrenzkampf zwischen Ihnen und Ihrer Ersatztorfrau Maria Doll?

Bockhorst: Nein, überhaupt nicht. Wir hatten bereits vor der Saison über unsere Rollen gesprochen. Maria wusste von Anfang an, dass sie mich als erfahrene Torhüterin unterstützen sollte. Sie stand mir wie eine Mentorin zur Seite und war eine große Hilfe.

Nun geht es in der kommenden Saison gegen die großen Clubs wie FC Bayern München, VfL Wolfsburg oder 1. FFC Frankfurt. Ist Ihr Team konkurrenzfähig?

Bockhorst: Der Sprung von der 2. in die 1. Bundesliga ist extrem. Wir wissen, dass es nicht einfach wird und wir von Beginn an um den Klassenerhalt spielen. Ich freue mich aber schon darauf, dass wir uns mit den besten Teams Deutschlands messen dürfen.

Dadurch wird der Zeitaufwand aber automatisch noch größer. Wie wollen Sie denn Schule, Fußball und andere Hobbies unter einen Hut bekommen?

Bockhorst: Es ist relativ schwer, noch andere Hobbies zu haben. Fußball macht mir aber so viel Spaß, dass ich den Aufwand gerne in Kauf nehme. Sobald ich auf dem Platz stehe, weiß ich, wofür ich das alles mache. Ohne meine Mutter, die mich vier Mal pro Woche zum Training fährt, wäre das aber alles nicht möglich. Ich bin ihr sehr dankbar dafür.

Momentan läuft die WM in Kanada. Träumen Sie auch davon, selbst einmal die Nationalhymne als Spielerin auf dem Feld zu hören?

Bockhorst: Davon träumt doch jede Sportlerin. Das wäre natürlich der Hammer, wenn ich mein großes Ziel erreichen würde. Schon als kleines Kind habe ich mir immer vorgestellt, wie es wäre, zur Nationalmannschaft zu gehören.

Dann verfolgen Sie die WM-Spiele momentan doch sicherlich am Fernsehen?

Bockhorst: Na klar. Durch die Zeitverschiebung kommen die Spiele aber leider erst sehr spät. Ich hoffe, dass die Frauen ihrem Motto „Titeltraum“ nachkommen werden.

Haben Sie denn auch ein Vorbild in der Nationalmannschaft?

Bockhorst: Ja, seit Jahren ist Torfrau Nadine Angerer mein Vorbild. Es beeindruckt mich sehr, was für eine Ruhe und Präsenz sie auf dem Platz ausstrahlt.

Seit Donnerstag läuft die U17-Europameisterschaft auf Island, am Montag steigt dann auch Deutschland ins Turnier ein. Ist die Enttäuschung sehr groß, dass Sie nicht in den Kader berufen wurden?

Bockhorst: Klar bin ich enttäuscht, dass es nicht ganz gereicht hat. Nach den Lehrgängen mit der Nationalmannschaft hat mir die Bundestrainerin (Anouschka Bernhard, Anm. d. Red.) mitgeteilt, dass ich leider nicht dabei bin. Das muss ich akzeptieren und werde weiter hart an mir arbeiten. Ich stehe aber auf der Abrufliste, falls eine Torfrau ausfällt.

Woran müssen Sie denn noch arbeiten? Wo liegen Ihre Schwächen?

Bockhorst: Mir fehlt in manchen Situationen die Routine. Ich muss auf jeden Fall noch athletischer werden und Kraft aufbauen.

Im kommenden Jahr steht das Abitur an. Wie soll es danach weitergehen? Können Frauen mittlerweile nur vom Fußball leben?

Bockhorst: Das ist extrem schwer. Ich werde nach dem Abitur auf jeden Fall eine Ausbildung machen. Am liebsten würde ich zur Polizei gehen, ich habe mich aber noch nicht endgültig entschieden.

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