Tabellenführer mit leeren Händen

TV Sottrum, SV Anderlingen und FC Walsede spüren den Phantomschmerz

Lennart Holzkamm (am Ball).
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Lennart Holzkamm (am Ball) führte mit seinem TV Sottrum die Bezirksliga-Staffel an und muss nächste Saison erneut angreifen.

Auf Titelkurs ‒ und plötzlich wurde die Saison abgebrochen. So erging es in den Fußball-Spielklassen einigen Vereinen. Wie gehen sie damit um?

Rotenburg – Es hat sie nie gegeben. Die Fußball-Spielserie 2020/2021 wird annulliert. Sie verschwindet in der Tonne und geht als eine Art Illusion in die Annalen des niedersächsischen Fußballs ein. Mit der Entscheidung des Abbruchs aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie haben auch die Tabellenstände – Ausnahme: Oberliga – keine Aussagekraft mehr. Einen Aufschrei gab es nicht. Zurück bleiben aber hier und da Phantomschmerzen bei den Tabellenführern.

Rüdiger Dittmer ärgert sich.

Der TV Sottrum ist einer von diesen Spitzenreitern. Das Team von Coach Dariusz Sztorc war Erster in der Staffel 1 der Bezirksliga 3, mit 16 Punkten aus sieben Spielen. Selbst wenn es eine Wertung nach der Quotientenregelung gegeben hätte – die Mannschaft wäre bei Abbruch Staffelsieger gewesen. So wie in der Parallelgruppe der FC Hambergen. Doch die Enttäuschung über die unvollendete Saison hält sich in Grenzen. „Wir hatten ja bisher nur Ippensen und Langwedel von oben, wir hatten noch nicht gegen Bassen und Heeslingen II gespielt. Nach sieben Spielen kann man eine Saison doch nicht werten“, findet Lennart Holzkamm, der Allrounder von der Außenbahn. „Enttäuscht ist deshalb auch keiner. Klar wäre ein Aufstieg interessant gewesen, aber vielleicht wäre er für die Mannschaft auch zu früh gekommen“, glaubt er.

Eines hätte sich Holzkamm allerdings gewünscht – keine Annullierung, sondern ein Einfrieren und Fortsetzen im Sommer, unter Beibehaltung der bereits eingefahrenen Punkte. „Das war meine Lösung. Und da es keine Auf- und Absteiger gibt, hätte man es auch so machen können.“ Dann wären die Spitzenreiter jedenfalls für ihre sportliche Leistung auch belohnt worden.

Klaus Otten lag mit Anderlingen auf Titelkurs.

So auch der SV Anderlingen, dem es in der Kreisliga ähnlich erging. Der Club aus dem Nordkreis stand nach sechs Spielen sogar mit der Maximalausbeute und fünf Zählern Vorsprung vor dem TSV Groß Meckelsen vorne – mindestens so überraschend wie der TV Sottrum. Trainer Klaus Otten ist „natürlich enttäuscht, aber nicht verärgert. Für uns wäre es gut gewesen, wenn die Punkte eingefroren worden wären, aber dafür hätte es niemals eine Mehrheit gegeben. So machen wir jetzt einen Strich drunter und für die neuen Spieler und Trainer gibt es in der kommenden Spielzeit keinen Ballast nach einem Wechsel zu tragen.“ Spannender Aspekt: „Mich ärgert es eher, dass der Kreispokal überhaupt ausgespielt wurde. Hätten wir darauf verzichtet, hätte man in der Liga noch zwei, drei Spieltage mehr durchbringen können“, rechnet Otten vor.

Jetzt fängst du wieder bei null an – und es gerät vielleicht wieder alles aus den Fugen. Ich weiß nicht, wie dann die Motivation ist.

Rüdiger Dittmer (FC Walsede)

Der FC Walsede führte beim Abbruch das Tableau der 1. Kreisklasse Süd an, mit 15 Zählern aus sechs Spielen, wobei der Verfolger FC Nordheide mit zwölf Punkten aus fünf Spielen im Nacken saß. Walsedes Fußball-Abteilungsleiter Rüdiger Dittmer gesteht bei allem Verständnis für den Abbruch: „Für uns war das doof, denn wir wollten hoch und hatten es auch als Ziel ausgegeben. Die Jungs haben extrem mitgezogen. Natürlich sind wir sauer, dass die Saison abgebrochen worden ist und wir uns nicht sportlich für die Kreisliga qualifizieren konnten.“ Insofern hätte auch er nichts gegen ein Einfrieren der Saison und eine Mitnahme der Punkte gehabt. „Dann hätte man auch mehr zeitlichen Puffer gehabt“, merkt er an. „Jetzt fängst du wieder bei null an – und es gerät vielleicht wieder alles aus den Fugen. Ich weiß nicht, wie dann die Motivation ist.“

In der 2. Kreisklasse Süd lag der TuS Hemsbünde ebenfalls ausgesprochen gut im Rennen: Vier Siege, eine Niederlage – das bedeutete die Führung für die Elf um Spielertrainer Alexander Grams vor dem SSV Wittorf. Und das, obgleich der Verein gerade erst aus der 3. Kreisklasse aufgestiegen war.

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