Sponsoren halten Vereinen die Treue

Hurricanes, RSV und TuS Rotenburg: Sorgenfrei durch die Krise

Die Handballer des TuS Rotenburg klatschen sich ab.
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Handball (unser Bild), Fußball und Basketball sind im Altkreis die drei dominierenden Teamsportarten im Leistungsbereich. Ohne Sponsoren geht hier nichts – das zeigt sich auf den Trikots, aber auch an der Vielzahl der Banden im Stadion und Banner in den Hallen. Finanzielle Einbußen mussten die Vereine in der Corona-Krise bisher nicht hinnehmen.

Wie hart trifft die Corona-Krise die Vereine im Kreis Rotenburg? Die Leistungssportteams erfahren auch weiterhin die Unterstützung aus der lokalen Wirtschaft. Rotenburger SV, Avides Hurricanes und TuS Rotenburg müssen aktuell keine Einbußen fürchten und können mit mittleren bis hohen fünfstelligen Summen kalkulieren.

  • Leistungssport-Vereine müssen keine Einbußen hinnehmen.
  • Lokale Wirtschaft unterstützt RSV, TuS Rotenburg und Hurricanes weiter..
  • Teilweise fast sechsstellige Einnahmen.

Rotenburg – Leistungssport ohne Sponsoren – nicht denkbar, schon gar nicht in den populären Mannschaftssportarten. Die Corona-Krise hat deshalb im März auch bei den Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes, den inzwischen in die Oberliga aufgestiegenen Fußballern des Rotenburger SV und den Oberliga-Handballern des TuS Rotenburg durchaus ernsthafte Sorgen ausgelöst. Sie alle finanzieren einen Großteil ihrer Ausgaben durch die Zuwendungen der regionalen Wirtschaftsunternehmen, von denen sich einige auch bei allen drei Vereinen engagieren. Doch fließen diese Mittel weiter so wie vor der Pandemie? Um es vorwegzunehmen: Keiner dieser Klubs schwebt aktuell in Gefahr oder ist in eine Schieflage geraten, alle geben Entwarnung.

Peter Grewe hat erst kürzlich wieder eine Rechnung bekommen. „Wir haben für die erste Herren neue Bälle anschaffen müssen. In der Oberliga kannst du aber nicht die für 20 Euro kaufen, sondern musst schon Spielbälle nehmen. Dann bist du auf einmal 1 400 Euro los und hattest morgens noch nichts davon gewusst“, berichtet der Vorsitzende des Rotenburger SV, selbst Unternehmer in der Wümmestadt, aus seinem Fußball-Alltag. Das Beispiel zeigt aber auch, dass sich der Verein trotz Corona nicht beschneiden muss. Auf der Brust werben auch weiter die Stadtwerke für sich und ihr Ronolulu. Die Einnahmen der großen Geldgeber hätten sich nicht verändert, versichert Grewe. Sicher, ein paar Firmen hätten ihre Unterstützung ein wenig zurückgefahren, doch seien auch in dieser Zeit tatsächlich neue Sponsoren gefunden worden, wie der Vorsitzende erzählt und wie sich an den Banden im Stadion erkennen lässt. „Wir erfahren eine Wertschätzung für die Oberliga-Mannschaft. Nichtsdestotrotz werden wir den Etat nicht erhöhen können. Ich denke, dass wir ihn aber halten“, erzählt Grewe. Wie hoch er ist? Konkrete Zahlen nennt der Geschäftsmann nicht. Sechsstellig? Grewe bestätigt: „Das kommt in die Nähe.“

Etat bleibt gleich - wenn die Saison stattfindet

Damit liegen die Fußballer ungefähr gleichauf mit den Basketballern. „Das geht schon Richtung 100 000 Euro“, bestätigt deren Vorstandsmitglied und Finanzchef Utz Bührmann. Mit allen Hauptsponsoren sei geredet worden, alle hätten signalisiert, ihren bisherigen finanziellen Betrag aufrechtzuerhalten. „Wir gehen also davon aus, dass wir den Etat wie bisher zur Verfügung haben – alles natürlich unter der Prämisse, dass es auch eine Saison gibt“, betont Bührmann. Mit Haupt- und Namenssponsor Avides bestreiten die Hurricanes sogar schon das zehnte gemeinsame Jahr. „Wir haben eine sehr gute, verlässliche Partnerschaft“, findet Bührmann. Und weil das so ist, „gehen wir finanziell ohne Sorgen da rein“.

Auch der RSV ist auf die Unterstützung aus der lokalen Wirtschaft angewiesen.

Auch Friedrich Behrens ist in diesen Tagen ganz entspannt. „Wir stehen finanziell super da. Wir zahlen keine Gehälter, deshalb haben wir auch nicht die Bauchschmerzen wie andere Vereine, die durch Corona rote Zahlen geschrieben haben“, macht der ehemalige Rotenburger Handball-Boss, der sich inzwischen federführend um die Betreuung und Akquise der Sponsoren kümmert, deutlich. Viele heimische Firmen insbesondere aus dem Handwerk würden den TuS Rotenburg in der Oberliga unterstützen. „Grundsätzlich halten alle zur Stange und finden das gut, dass wir mit dem Geld nicht rumschleudern, sondern vieles auch in die Jugendarbeit geht“, berichtet Behrens. Sicher hätten manche Branchen wie die Gastronomie oder Autoindustrie schwerer als andere unter den wirtschaftlichen Folgen der Coronoa-Pandemie zu leiden, weiß Behrens, der selbst Unternehmer ist. „Aber die, mit denen ich bisher gesprochen habe, die geben auch weiter das, was sie bisher gegeben haben.“ Rund 80 Prozent des 50 000 Euro großen Etats der gesamten Handballsparte wird durch die Sponsoren abgedeckt. Dafür hängen nicht nur zahlreiche Banner in der Halle, es zieren auch künftig sechs Logos die Trikots der ersten Herren. Platz ist trotzdem noch auf dem Outfit. „Wenn du auf der Brust stehst, ist das schon eine gute Werbung“, weiß Behrens. „Wir versuchen noch, den einen oder anderen Kleineren dazu zu bewegen, mehr zu geben – dann darf er da auch mit rauf.“ Er schätzt übrigens, dass ungefähr die Hälfte des Etats in den Jugendbereich geht. Verteilt werden die Gelder über den Förderverein.

Dass eine ambitionierte Nachwuchsarbeit nicht zum Selbstkostenpreis zu erhalten ist, bestätigt Unternehmer-Kollege Grewe: „Wir brauchen im Jugendbereich Sponsoren.“ Ohnehin sei die Rechnung für ihn – grob überschlagen – einfach: „Der Breitensport, den wir ja auch betreiben, finanziert sich über die Mitgliederbeiträge. Alles, was in den Leistungsbereich geht, geht über Sponsoring. Unsere erste Mannschaft existiert nur von Sponsoringeinnahmen. Die Spieler lassen sich über Mitgliedsbeiträge nicht finanzieren.“

Zahlreiche Sponsorenlogos auf den Trikots - das bleibt auch in der neuen Saison so.

Utz Bührmann ergänzt für seine Basketballer wiederum, dass „wir natürlich auch auf Eintrittsgelder und das Catering angewiesen sind.“ Ungefähr 12 000 Euro kämen so pro Saison zusammen. „Jeder Zuschauer, der eine Karte kauft, eine Wurst isst und eine Cola trinkt, ist wichtig. Das Geld kommt uns direkt zugute.“ Doch obwohl die heimische Wirtschaft bisher dafür garantiert hat, dass die Vereine sorgenfrei durch die Krise gekommen sind, ignorieren deren Führungsköpfe die aufziehenden dunklen Wolken am Horizont nicht und bleiben gedämpft optimistisch, so wie Grewe: „Die wirklichen Schäden kommen erst noch, auch die Kommunen können künftig wesentlich weniger ausgeben“, fürchtet er. „Von daher muss man schon genau gucken, wo wir das Geld ausgeben.“

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