Hurricanes entlassen Holesovsky als Bundesliga-Coach

Solo macht Nachtschichten, um das Wunder zu schaffen

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Der bisherige Herrentrainer Mahir Solo (l.) ist mit sofortiger Wirkung der neue Headcoach der Basketball-Damen der Avides Hurricanes. Tomas Holesovsky (r.) ist nun nur noch für die weiblichen Jugendteams verantwortlich.

Scheeßel - Von Matthias Freese und Vincent Wuttke. Draußen war es schon seit einigen Stunden dunkel, als am Dienstagabend unangekündigter Besuch an der Haustür von Tomas Holesovsky klingelte. Der Tscheche öffnete, erblickte Utz Bührmann sowie Christoph Treblin, die beiden Vorstandschefs der Avides Hurricanes, und konnte sich denken, was folgen sollte: Der hauptamtliche Coach der Bundesliga-Basketballerinnen wurde seines Amtes enthoben. Zuvor hatte das verantwortliche Duo drei Stunden mit dem Nachfolger Mahir Solo zusammengesessen. Und der leitete bereits am folgenden Morgen seine erste Trainingseinheit beim Schlusslicht. Künftig wird er allerdings auf Laura Dally verzichten müssen. Die Kanadierin bat aus privaten Gründen um die sofortige Auflösung ihres Vertrags.

„Die Mannschaft braucht diese neuen Impulse“, ist Bührmann nach einem schlaflosen Wochenende überzeugt. Die Niederlage gegen die BG Donau-Ries gab den Ausschlag. „Das war ein Spiel, das du nie verlieren darfst. Nie! Never!“, sagt der für die Finanzen und das Management zuständige Mann rückblickend auf die 58:63-Niederlage, bei der die Hurricanes bis zur 38. Minute geführt hatten. Holesovsky hatte hier auch mit einigen personellen Entscheidungen Angriffsfläche geboten. So bekamen Laura Dally und Hannah Pakulat trotz guter Szenen weniger als zehn Minuten Einsatzzeit. Einvernehmlich entschied Bührmann zusammen mit Treblin, dass die Rettung in der bisherigen Konstellation nicht machbar scheint: „Da muss es einen Cut geben, denn es hängt zu viel für den Verein davon ab.“ Und er ergänzt: „Klar liegt es am Trainer, aber auch an Entscheidungen des Vorstandes und an den Spielerinnen selbst.“

Holesovsky reagiert mit Verständnis auf die Absetzung: „Es ist die beste Lösung für den Moment. Ich kann die Entscheidung daher verstehen. Die Spielerinnen sind fast wie Kinder, von daher ist es mir schwergefallen, aber auch ich habe gemerkt, dass es eine Veränderung geben muss – und das ist am schnellsten beim Trainer möglich. Ich bin natürlich dazu bereit, Mahir Solo zu helfen und hoffe, dass er mit der Mannschaft den Klassenerhalt schafft.“

Holesovsky (Vertrag bis 30. Juni 2017) wird übrigens weiter für den weiblichen Nachwuchsbereich verantwortlich tätig sein, übernimmt hierfür weitere Aufgaben und soll auch die Qualifikation zur WNBL, der Bundesliga der Jugend, schaffen. „Er macht gute Arbeit, wir haben kein Problem mit seiner Philosophie“, betont Bührmann.

Der 28-jährige Bosnier Mahir Solo, der erst im Sommer als zweiter hauptamtlicher Trainer zur BG ’89 gestoßen war, muss nun umplanen. Das alleinverantwortliche Coaching der Herren übergibt er an den damit schon häufiger betrauten Sebastian Roy. Solo: „Das Feuer bei den Mädels ist da. Ich habe ihnen schon gesagt, dass wir hart arbeiten und als Team stark sein müssen. Die Mannschaft rückt an die erste Position und erst dann kommen individuelle Dinge. Nur so ist in den neun verbleibenden Spielen der Klassenerhalt möglich. Dafür müssen wir zu allererst aggressiv verteidigen, leichte Körbe machen und vor allem viel laufen.“

Nicht überrascht vom Wechsel zeigt sich Kapitänin Pia Mankertz: „Man muss ganz klar sagen: Es lief ja die komplette Saison nicht so gut. Der Verein will in der Liga bleiben, also musste er alles versuchen. Mahir bringt vielleicht ein paar neue Ideen rein, vielleicht noch mal den Aufschwung. Das ist der letzte Versuch. Wir sind ja nicht ein so schlechtes Team“, erklärt die Leistungsträgerin und räumt ein, was schon vermutet wurde: „Auch von außen haben manche ja gemerkt, dass Tomas nicht mehr jede Spielerin erreicht.“

Zukünftig ohne Dally 

Fehlt es nach dem erneut in der Schlussphase gekippten Spiel gegen Donau-Ries aber auch an der Fitness? „Auf jeden Fall“, gesteht Mankertz ohne Umschweife ein. Und eben an dieser Stelle setzte Solo bereits an. „Er will mit den Profis regelmäßig zwei Mal am Tag trainieren. Das Training soll deutlich intensiver werden“, verrät Utz Bührmann.

Überraschend kam für Bührmann und Treblin übrigens der nahezu zeitgleiche Wunsch Laura Dallys, ihren Vertrag aufzulösen. Die bis dato zweitbeste Werferin des Teams kehrt in ihre kanadische Heimat zurück. Eine vierte Nicht-EU-Ausländerin soll bis Ablauf der Wechselperiode Ende Januar aber nicht wieder verpflichtet werden, zumal ohnehin nur drei pro Spiel eingesetzt werden dürfen. Die US-Amerikanerin Megan Kritscher, die ihren Vertrag in Urla/Türkei aufgelöst hatte, mit Hurricanes-Centerin Tabytha Wampler befreundet ist und sich seit einigen Tagen in Scheeßel aufhält, ist also keine Alternative. „Das scheitert schon am Geld“, teilt Bührmann mit. „Es soll eher eine EU-Spielerin sein, die wir unbegrenzt einsetzen können. Mahir darf da die Fühler ausstrecken und macht auch schon Nachtschichten deswegen.“ Nur: Bis zum wichtigen Spiel gegen den SV Halle, dem nächsten überlebenswichtigen Kellerduell am Sonnabend in Scheeßel, wird es wohl noch nichts werden. Die Punkte – die müssen dann aber auf jeden Fall her. „Das ist das letzte Spiel, um doch noch unsere Chancen zu wahren“, glaubt selbst Pia Mankertz.

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