Ex-Bundesligaschiedsrichter Jochen Schoen (76) aus Mulmshorn hängt die Pfeife an den Nagel

Seine erste Gelbe gab‘s für Breitner

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Schiedsrichter Jochen Schoen hat nach 50 Jahren seine Karten an die Wand genagelt.

Mulmshorn - Von Mareike Ludwig. Jochen Schoen erinnert sich noch ganz genau daran, als er Paul Breitner, einstiger Außenverteidiger des FC Bayern München, im Freundschaftsspiel beim VfL Osnabrück die Gelbe Karte gab.

„Er hatte meinen Linienrichter den Ball vor die Brust geworfen. Da blieb mir nichts anderes übrig. Das war die erste Verwarnung, die ich in meiner Laufbahn gezeigt hatte“, erzählt der Mulmshorner. Mittlerweile ist es 42 Jahre her, dass der Rentner als Unparteiischer sein Debüt auf Deutschlands Fußballbühne feierte. Nach 50 Jahren ist nun endgültig Schluss: Schoen, der zuletzt immer noch regelmäßig auf Kreisebene für den TuS Mulmshorn aktiv war, hat seine Pfeife mit 75 Jahren an den Nagel gehängt.

Zum Fußball ist Schoen, der vergangene Woche seinen 76. Geburtstag feierte, 1963 eher zufällig gekommen. „Ich war damals in Rotenburg bei der Bundeswehr stationiert. Mein Kumpel Thies Hahnenkamm, mit dem ich auch heute noch regelmäßig Kontakt habe, hatte mich dann mal zu einem Schiedsrichterlehrgang mitgenommen. Dort war ich sogar Lehrgangsbester und bin dann da so reingerutscht“, erinnert sich Schoen, der zuvor ein sehr erfolgreicher Mittel- und Langstreckenläufer war und zahlreiche Titel abräumte. „Das war natürlich ein großer Vorteil, weil ich dadurch topfit war.“

Sein Aufstieg verlief rasant, schon zwei Jahre später leitete er zahlreiche Partien auf Verbandsebene. Über die Regionalliga ist ihm dann im Jahr 1971 der Sprung in die Liste des Deutschen Fußballbundes (DFB) gelungen. „Dort waren die besten 108 deutschen Schiedsrichter aufgelistet. Und ich gehörte auch dazu“, sagt der Vater zweier Töchter nicht ohne Stolz.

Was folgten waren insgesamt 47 Begegnungen als Unparteiischer in der 2. Bundesliga und etliche Spiele als Assistent in der höchsten deutschen Spielklasse sowie im Europapokal. „Die Partien als Schiedsrichter haben mehr Spaß gemacht, weil man dort die alleinige Verantwortung hatte. Die Linienrichter waren damals noch längst nicht so eingebunden wie heute“, erklärt Schoen, der leidenschaftlicher Fan von Borussia Mönchengladbach ist. „Wenn ich dort an der Linie stand, konnte ich das aber gut ausblenden. Das war kein Problem“, versichert er.

In besonderer Erinnerungen sind ihm die Spiele im Olympiastadion von München, auf dem Betzenberg in Kaiserslautern und im Volksparkstadion in Hamburg geblieben. „Das waren tolle Erlebnisse. Die Atmosphäre war immer super.“ Aber auch die Europapokal-Begegnungen in Polen, Dänemark und Belgien hat er nicht vergessen. „Ich bin wirklich sehr viel herumgekommen. Ich kann mich über meine Karriere nicht beklagen.“

Den Unterhalt für seine Familie konnte der Mulmshorner damit aber nicht finanzieren. „Für ein Wochenende habe ich 72 DM bekommen. Zudem gab es eine monatliche Trainingszulage von 60 DM“, erzählt der gelernte Molkereifachmann. Und er fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Bei den Bayern-Spielen gab es als Dankeschön einen Bierkrug, in Braunschweig eine Flasche Jägermeister.“ In der Woche arbeitete er deshalb bei der damaligen Molkerei in Rotenburg, und an den Wochenenden reiste er in die verschiedensten Fußballstadien. „Meine Frau Helga war zum Glück verständnisvoll und hat sich glänzend um unsere beiden Kinder gekümmert. Dafür bin ich ihr wirklich sehr dankbar“, so Schoen. „Es war schon schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen. Mit meinem damaligen Chef und den Kollegen habe ich mich glücklicherweise gut arrangieren können. Sonst wäre es niemals möglich gewesen“, ergänzt der immer noch als Tischtennisspieler aktive Mulmshorner.

Von der großen Fußballbühne verabschiedete er sich vor knapp 32 Jahren, „um dem Nachwuchs Platz zu machen. Ich hatte selbst erkannt, dass die Zeit gekommen war, um mich vom ganz großen Geschehen zurückzuziehen. Die Altersgrenze von 47 hatte ich ja sowieso schon fast erreicht“, erklärt Schoen.

Doch ans Aufhören dachte er damals noch nicht. Bis zuletzt sorgte der Hobby-Gärtner für einen reibungslosen Ablauf auf Kreisebene. „Ich habe stets gesund gelebt und mich fit gehalten. Das kommt mir jetzt im Alter zugute“, freut sich Schoen, der immer noch auf dem Platz zu finden ist – seit dieser Saison aber nur noch als Zuschauer.

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