Präsident Distelrath räumt mit Vorwürfen auf / Verband bevorzugt Abbruch

Der NFV schwenkt um

Virtueller Austausch: Rechts am Bildschirm laufen die Fragen der Vereine ein, die Justiziar Steffen Heyerhorst, Direktor Jan Baßler und Präsident Günter Distelrath (von links) während des Webinars beantworteten. Foto: Freese

Rotenburg/Barsinghausen - Von Lea Oetjen. Wie gestaltet sich die Zukunft des Amateurfußballs in Niedersachsen? Das Webinar des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) konnte auf diese Frage zwar keine konkrete Antwort geben. Das sollte es allerdings auch gar nicht. Die Videokonferenz, die in diesem Rahmen erstmalig in der NFV-Geschichte stattgefunden hatte, verfolgte ein anders Ziel: Das Webinar sollte Detailfragen zu den vier Varianten um die Zukunft der Saison 2019/2020 klären, Missverständnisse aus dem Weg räumen und ein Meinungsbild der Vereine einholen.

Mit Erfolg: Die Resonanz auf das virtuelle Gesprächsangebot am Samstagmittag war riesig. Pro Verein durften zwei Mitglieder am gut einstündigen Webinar für die Bezirke Lüneburg und Weser-Ems teilnehmen. Insgesamt stellten die Vertreter 168 Fragen. Da sich diese jedoch zum Teil ähnelten, gingen die NFV-Funktionäre konkret nur auf zwölf Fragen ein.

Mit Abstand am häufigsten, erkundigten sich die Vereine, weshalb die unbeliebte Variante vier, also die Fortsetzung der Saison, immer noch vom NFV thematisiert wird – schließlich hatten sich bei einer Umfrage zwei Drittel der Vereine für den Abbruch ausgesprochen. „Das Medienbild der vergangenen Tage ist irrtümlich. Der NFV will nicht zwanghaft die Saison fortsetzen. Das ist definitiv nicht der Fall“, stellte Präsident Günter Distelrath klar. Solche Aussagen seien schlicht „mit einer Prise Unkenntnis und Ungerechtigkeit verbunden“.

Er fügte an: „70 Prozent der Vereine wollen den Abbruch – jetzt ist nur noch die Frage, welchen. Zudem haben 30 Prozent für eine Fortsetzung der Saison gestimmt. Daher führen wir diese Variante mit auf. Wir sind alleine schon aus Haftungsgründen dazu verpflichtet, bestmöglich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren“, ließ Distelrath ein bisschen hinter die Kulissen blicken.

Der Präsident präsentierte sich während des Webinars ohnehin sehr nahbar, wandte sich oft direkt an „seine“ Vereine. „Lassen Sie uns bitte mit Forderungen und Vorwürfen endlich Schluss machen. Wir müssen nun eine Lösung finden, mit der zwar alle Vereine leben können, auch wenn sicherlich nicht alle damit zufrieden sein werden“, appellierte er.

Des Weiteren erkundigten sich die Vereinsvertreter, weshalb andere Landesverbände die Saison bereits abbrechen konnten und es in Niedersachsen frühestens Ende Juni eine Entscheidung geben wird. „Der ständige Vergleich mit den anderen Landesverbänden hinkt. Es gelten teils andere rechtliche Grundlagen und Satzungen“, erklärte NFV-Direktor Jan Baßler. Um über die Zukunft der Saison 2019/2020 zu entscheiden, müsse ein außerordentlicher Verbandstag stattfinden. „Für die Organisation eines erstmaligen virtuellen Verbandstages mit mehr als 300 Delegierten wird schlichtweg auch Zeit benötigt, um diesen technisch und rechtlich sicher hinsichtlich der verschiedenen Anträge vorzubereiten“, ergänzte Distelrath. Die Antworten auf die restlichen Fragen werden zeitnah auf der Internetseite des Verbandes veröffentlicht.

Eine entscheidende Antwort blieb der NFV seinen Vereinen jedoch bislang schuldig: Was passiert denn, wenn keine der vier Varianten auf dem geplanten Verbandstag eine Mehrheit erhält? Diese wichtige Frage blieb im Webinar und auch per E-Mail bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Spätestens am 20. Mai sollte sie jedoch beantwortet sein, denn dann will der NFV in einer Vorstand-Sitzung die Ergebnisse aus dem Webinar weiter vertiefen. Anschließend soll der außerordentliche Verbandstag einberufen werden. Die Ladungsfrist von zehn Wochen wird entsprechend halbiert, sodass der Verbandstag am 27. Juni stattfinden kann und die Frage nach der Zukunft des Amateurfußballs endlich beantwortet werden kann.

Übersicht: Die Pro-und-Kontra-Liste des NFV zu den jeweiligen Varianten 

Variante eins: Abbruch der Saison mit Auf- und Abstieg nach der Quotientenregelung. 

Pro: 

1. Reguläres Saisonende zum 30. Juni, also terminliche Klarheit für die Vereine. 

2. Rücksicht auf bislang erbrachte sportliche Leistung. 

3. Wechselperiode kann regulär stattfinden. 

4. Verträge können eingehalten werden. 

5. Geringster Eingriff in geltende Ordnung mit der Durchführung des Auf- und Abstiegs. 

6. Mannschaftsmeldungen und -abmeldungen können berücksichtigt werden.

Kontra: 

1. Punkt- und Pokalspiele werden nicht ordnungsgemäß beendet. 

2. Entscheidungen werden nicht vollständig sportlich ermittelt. 

Folgen: Auf- und Absteiger stehen fest, neue Saison kann geplant werden, vielleicht verkürzte Saison 2020/2021 mit Staffelteilung. 

Variante zwei: Abbruch der Saison mit Auf- und ohne Abstieg nach der Quotientenregelung.

Pro: 

1. Reguläres Saisonende zum 30. Juni, also terminliche Klarheit für die Vereine. 

2. Wechselperiode kann regulär stattfinden. 

3. Verträge können eingehalten werden. 

4. Rücksicht auf bisher erspielten sportlichen Anteilt in Bezug zum Aufstieg. 

5. Hohe Akzeptanz bei den Mannschaften, vor allem bei möglichen Absteigern. 

Kontra: 

1. Punkt- und Pokalspiele werden nicht ordnungsgemäß beendet. 

2. Keine Berücksichtigung der vorgesehenen Abstiegsregelung. 

3. Extreme Auswirkung auf Folgejahre durch größere Staffeln. 

Folgen: Aufsteiger stehen fest, Staffeln werden größer (Mehrbelastung der Teams bei mehr als 40 Spieltagen), mehr Absteiger in den Folgejahren. 

Variante drei: Abbruch der Saison durch eine Annullierungen (ohne Auf- und Abstieg). 

Pro: 

1. Reguläres Saisonende zum 30. Juni, also terminliche Klarheit für die Vereine. 

2. Nur wenige Ordnungsänderungen notwendig. 

3. Verständliche Regelung für alle Beteiligten. 

4. Wechselperiode kann regulär stattfinden. 

Kontra: 

1. Keine sportliche Lösung, da alle bisher erbrachten sportlichen Leistungen überhaupt nicht berücksichtigt werden. 

2. Aufwendungen münden nicht in sportlichen Erfolgen. 

3. Schwerwiegendster Eingriff im Bereich der Abbruch-Varianten 

4. Fehlende Auf- und Absteiger für nächste Saison. 

5. Kein Aufsteiger in übergeordneteten Regionalverband. 

Folgen: Vielleicht verkürzte Saison 2020/2021 mit Staffelteilung, Neustart der Saison 2019/2020, keine Aufsteiger in die NordFV-Ebene. l

Variante vier: Fortsetzung der laufenden Saison 2019/2020 sobald die Corona-Krise es zulässt. 

Pro: 

1. Aktuelle Tabellen/Staffeln werden fortgesetzt. 

2. Sportlich fair. 

3. Mannschaften und Altersklassen bleiben bestehen. 

4. Relegationsspiele werden berücksichtigt. 

5. Pokalspielbetrieb wird fortgesetzt. 

Kontra: 

1. Kaderauffüllung kaum möglich bei Verlust von Spielern (bei Studium, Beruf, Umzug und Co.) 

2. Neumeldungen von Teams werden im Kreis nur mit Einschränkungen integriert. 

3. Anpassung der Verträge zwischen Spielern/Trainern und Verein ist erforderlich.

4. Keine eindeutige Rechtslage bei Vertragsspielern über den 30. Juni hinaus. 

Folgen: Neue Saison ist abhängig vom Ende der aktuellen (dadurch könnte die neue Saison sogar ausfallen), geichbleibende Staffelgrößen. lo

Kommentar von Lea Oetjen 

Rechtzeitig wieder auf dem richtigen Weg

 Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) scheint wieder auf dem richtigen Weg angekommen zu sein. Er bewegt sich zurück in Richtung seiner Basis, geht wieder ein Stück auf seine Vereine zu. Offenbar haben die Funktionäre um Präsident Günter Distelrath aus ihren Fehlern gelernt. Ein Webinar, das umfassend aufklärt und informiert, hätte bereits vor einigen Wochen stattfinden müssen. So hätte den Vereinen von Anfang an sachlich erläutert werden können, dass eine Fortsetzung der Saison weiterhin thematisiert werden muss – aus rechtlichen Gründen, nicht weil es der NFV gerne so hätte. Eine frühere und bessere Kommunikation hätte allen Beteiligten viel Aufregung ersparen können. 

Aber wie heißt es so schön? Besser spät als nie. Diese Redewendung gilt jedoch nicht bei der Antwort auf die Frage, die der NFV offenbar noch verdrängt. Was passiert, wenn keine der vier Varianten auf dem geplanten Verbandstag eine Mehrheit erhält? Eine konkrete Antwort wäre nicht nur mit Blick auf die Planungssicherheit von Bedeutung für die Vereine. Vielmehr geht es darum, wieder Vertrauen zum NFV fassen zu können. Das wird für die Clubs aber nur möglich sein, wenn alle Fragen endgültig beantwortet sind.

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