Schrauben ist sein Hobby

Mazur reist als Mechaniker zu diversen Motocross-Rennen in Europa

Die Werkstatt von WZ Racing mit den Motocross-Bikes und den Mechanikern.
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Ein Blick in das Zelt von WZ Racing: Hier machen die Mechaniker um Cedric Mazur die Motocross-Bikes für die Rennen fertig.

Tschechien, England, Belgien: Die Motocross-Bike-Strecken kennt Cedric Mazur sehr gut. Hier schraubte er bereits während internationaler Rennen.

Bötersen – Während die Fahrer mit ihren Motocrosss-Bikes über die schlammige Rennbahn heizen, steht Cedric Mazur in der Box als Mechaniker am Streckenrand. Auf dem Rücken trägt er seinen Rucksack mit Schraubenschlüsseln und anderem Werkzeug drin, in der Hand hält er das Pit-Bord, mit dem der 21-Jährige den Fahrern seines Teams WZ Racing die aktuelle Platzierung und den Rückstand zum Vordermann anzeigt. Über ihm sitzt der Teamchef.

So läuft ein typisches Rennen für Mazur ab, wenn er als Schrauber für das Team WZ Racing, das seinen Sitz in Gifhorn (Niedersachsen) hat, in Europa an den Rennstrecken unterwegs ist. Aktuell verweilt er an diesem Wochenende im belgischen Lommel. Dort findet das siebte von insgesamt 18 Rennen der Saison statt. Gefahren wird samstags und sonntags. Los ging es für den Bötersener bereits am Mittwoch. „Da bin ich mit den Fahrern noch zu einem Training in die Niederlande“, sagte Mazur kurz vor der Abfahrt und fügte an: „Aufgrund eines im Vergleich zu anderen Strecken besonders tiefen Bodens machen wir dort eine zusätzliche Einheit, um sich an den Untergrund zu gewöhnen.“

Für Mazur ist es erst der dritte Einsatz für WZ Racing. Zuvor war er vergangene Woche mit dem Team in Tschechien und Ende Juni in England. Damals gibt es nach einer Nacht in Gifhorn für die Crew am Donnerstagmorgen auf eine 13-stündige Autofahrt auf die Insel – genauer nach Matterley Basin, was in der Nähe von Southhampton liegt. „Da haben wir mit zehn Leuten in einem LKW geschlafen. Die Nacht war kurz, weil um sechs Uhr morgens die Fahrer erst kamen. Die hatten eine Fähre verpasst“, erzählt Mazur und lacht. „So ein Wochenende fühlt sich an wie fünf Tage Festival.“

Also mussten er und die anderen Mechaniker am Freitag halb verschlafen die Bikes vorbereiten. Denn: Schon am Mittag stand die technische Abnahme durch den Veranstalter auf dem Plan. „Bis dahin mussten wir die Funktionalität der Ausrüstung und die Technik überprüfen. Das Zeitfenster dafür war schon sehr klein“, machte Mazur deutlich. Aber die Sorge war umsonst und die „Mopeds“ – wie er sie gerne nennt – waren rechtzeitig fertig. Anschließend erfolgte das Freie und das Zeittraining. Letztees ist vergleichbar mit dem Qualifying bei der Formel 1. Allerdings besteht dann doch ein kleiner Unterschied: Der Fahrer mit der besten Quali-Zeit darf sich nämlich die Startposition für das Rennen aussuchen. Gestartet wird in einer Reihe. „Je nachdem, wie die Strecke verläuft, ist es sinnvoll, weiter rechts oder links zu starten“, erklärt Mazur.

Tags darauf finden dann eben jene Rennen statt. Am Samstag zunächst die sogenannte MX 2-Klasse. Das ist eine Europameisterschaft, in der Bikes mit einer Leistung von 250 Kubik an den Start gehen. Am Sonntag dann ist die MX 1 dran. Hier wird in 250 und 450 Kubik-Maschinen unterschieden. An beiden Tagen finden jeweils zwei Durchgänge statt, die dann zu einer Gesamtwertung zusammengerechnet werden.

„Wenn dann zwischen den Rennen mal ein technischer Defekt ist, wird es schon sehr stressig. Denn: Oft sind dazwischen nur ein bis zwei Stunden. In der Zeit müssen alle defekten Teile ausgetauscht werden und die Schrauben nachgezogen werden“, gibt der begeisterte Schrauber einen Einblick in seine Arbeit.

Cedric Mazur ist mit seinem eigenen Bike auch gerne mal in Deutschland unterwegs.

Diverse Teams haben zudem einen weiteren Stressfaktor. Sie nehmen an nicht nur einer Klasse, sondern mehreren teil. Es wird also mehr Personal benötigt. Am Beispiel von WZ Racing lässt es sich folgendermaßen erklären: Festangestellt sind fünf Fahrer – zwei davon fallen aufgrund von Bruchverletzungen aus – und zwei Mechaniker. Hinzukommen hobbymäßige Freizeitkräfte wie Mazur und sein Freund Sören Bünning, der ihn auch in das Team brachte.

Bünning ist selbstständiger Folierer in Ottersberg. „Er hat den LKW von unserem Team WZ Racing foliert. Nachdem er ein paar Mal mit war, hat er mich im Januar gefragt, ob ich nicht auch Lust habe“, erzählt Mazur. Die Zusage gab er sofort. Zu jedem Rennen kann er aber nicht mit, weil er sich natürlich Urlaub nehmen muss – schließlich ist es aktuell nur ein Hobby. Hauptberuflich ist er als Industriemechatroniker im Außendienst bei der Firma Still angestellt.

Wenn er sein Hobby zum Beruf machen würde, dann nicht bei WZ Racing. „Da würde ich einfach zu wenig Geld verdienen. Wenn dann müsste ich bei einem Werksteam anfangen“, erklärt Mazur und verrät, dass er bei einem passsenden Angebot es sich überlegen würde. „Aber da an einen Job zu kommen, ist wirklich schwer.“

Und so bleibt es eines seiner Hobbys. Zu diesen zählt auch das eigene „Moped“. In seiner eigenen Werkstatt auf dem Grundstück seiner Eltern schraubt er fleißig und fährt in seiner Freizeit auf den Strecken Deutschlands. Dafür muss Mazur jedoch häufig weite Strecken zurücklegen. „In der näheren Umgebung gibt es so wirklich nur den Hoope Park in Wulsbüttel“, so der 21-Jährige. Bislang fuhr er dort immer mit seinem Bully hin. Um aber auch weitere Strecken wie nach Ostdeutschland zurücklegen zu können – dort gibt es sehr viele Rennbahnen – und dort auch zu übernachten, baut er ein Wohnmobil um: „Dort gibt es dann ein Bett, einen Stellplatz für das Moped und eine Werkstatt. Damit erfülle ich mir einen Traum.“

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