Schock-Diagnose Gehirntumor:

„Ich hatte Todesangst“

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Kevin van Detten ist guter Dinge, dass er schon bald wieder selbst auf dem Fußballplatz stehen kann.

Rotenburg - Von Mareike Ludwig. Im Fernsehen läuft gerade das Achtelfinal-Hinspiel der Fußball-Champions League zwischen dem FC Schalke 04 und Real Madrid. Die Spanier schießen die Gelsenkirchener eindrucksvoll mit 6:1 aus dem Stadion.

Das Ergebnis interessiert Kevin van Detten aber eigentlich gar nicht. Er ist mit seinen Gedanken ganz woanders. Kein Wunder, schließlich liegt der 18-Jährige keine zehn Stunden später auf dem OP-Tisch. Die Diagnose: Gehirntumor.

Seit November vergangenen Jahres hatte der Rotenburger immer wieder mit starken Kopfschmerzen zu kämpfen. Zunächst ging er von einer Migräne aus. Doch das Drücken ließ nicht nach. „Mein Kopf hat total gepocht. Es war so anstrengend, die Schmerzen zu ertragen. Ich habe meine Augen zugekniffen und gehofft, dass es besser wird. Aber die Attacken kamen immer wieder“, erinnert sich van Detten, der seit Saisonbeginn bei den U 19-Fußballern des TuS Bothel in der Kreisliga spielt.

Die Kopfschmerzen wurden fortan zu seinem ständigen Begleiter – egal ob beim Training, in der Schule oder zu Hause. Im Schulsport kippte van Detten dann plötzlich um. „Ich hatte überhaupt kein Gleichgewichtsgefühl mehr“, erzählt der 18-Jährige. Nach diesem Vorfall wollte seine Mutter Marion Santjer Klarheit und wies ihren Sohn am 5. Februar ins Krankenhaus ein. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) brachte die Schock-Diagnose. „Der Arzt meinte zu mir, dass er etwas in meinem Kopf entdeckt hat und es sich dabei um einen Tumor handelt“, so van Detten. „Ich hatte Todesangst. Das war ein richtiger Schock.“

Viel Zeit zum Nachdenken blieb ihm aber nicht, schließlich stand bereits zwei Tage später die Operation an. „Es musste alles ganz schnell gehen“, erinnert sich Santjer, die während der OP fünf Stunden des Bangens durchlebte. Aber auch van Detten hatte Angst, dass er nicht wieder aufwacht. „Ich wurde vorher noch nie operiert. Dass meine Mutter und meine drei Schwestern so traurig waren, machte mir Sorgen. Durch die Emotionen wusste ich, dass es keine harmlose OP ist.“

Der golfballgroße Tumor saß direkt auf dem Kleinhirn und drückte auf das Stammhirn, wodurch das Gleichgewichtszentrum beschädigt wurde. Ein 15 Zentimeter langer Schnitt am Hinterkopf, die Durchtrennung der Nackenmuskulatur und das Abrasieren seiner Haare waren nötig, um an den Tumor zu gelangen. Die OP verlief erfolgreich, das Geschwulst konnte komplett entfernt werden. In dieser schwierigen Zeit hat van Detten erst gemerkt, was für tolle Freunde er hat. Sein Fußballteam besuchte ihn im Krankenhaus. Im Gepäck: Sein Trikot mit der Nummer fünf und der Aufschrift „Gemeinsam sind wir stark“. Zudem gab es ein Mannschaftsfoto mit Genesungswünschen. „Als ich von der Diagnose erfahren hatte, war ich völlig geschockt. Mit einem Gehirntumor rechnet ja keiner. Es war sofort klar, dass wir für ihn da sind“, so Trainer Christoph Meinke. Van Detten selbst war von der Geste „sehr gerührt. Es ist ein schönes Gefühl, dass so viele Menschen an mich denken.“

Mittlerweile ist der 18-Jährige wieder zu Hause, seine Haare sind etwas nachgewachsen und die Fäden gezogen. Bis er wieder in die Schule geht und auf dem Fußballplatz steht, dauert es aber noch einige Zeit. Erstmal steht die Reha an. Dort wird er sicherlich wieder die Champions League verfolgen – aber dieses Mal ist ihm das Ergebnis bestimmt nicht egal.

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