INTERVIEW Neuer Coach der Landesliga-Frauen über Ziele, Czichos und Oberliga

Schiwy: „Westerholz elektrisiert mich“

Trainervorstellung in Zeiten von Corona: Teammanager Friedrich Rathjen präsentiert mit Wilhelm Schiwy (rechts) den neuen Coach der ersten Damen des TuS Westerholz.  
Foto: Wulfmeyer
+
Trainervorstellung in Zeiten von Corona: Teammanager Friedrich Rathjen präsentiert mit Wilhelm Schiwy (rechts) den neuen Coach der ersten Damen des TuS Westerholz. Foto: Wulfmeyer
  • Lea Oetjen
    vonLea Oetjen
    schließen

Westerholz – Es ist ganz egal, wie die Frage lautet. In jeder Antwort rutschen Wilhelm Schiwy Wörter purer Euphorie heraus. Es ist wirklich nur schwer zu überhören, wie sehr er sich auf seinen neuen Job freut. Der Bremer steigt ab sofort als Trainer bei den Landesliga-Fußballerinnen des TuS Westerholz ein und wird damit der Nachfolger von Erfolgscoach Patrik Czichos. „Es ist einfach unfassbar, wie groß der Stellenwert von Frauenfußball hier in Westerholz ist“, merkt der Übungsleiter erfreut an. Im Interview erzählt Schiwy von seiner Entscheidung zugunsten des Frauenfußballs und seiner Spielphilosophie. Zudem verrät er, wer seine Co-Trainerinnen werden.

Herr Schiwy, sie trainieren ab sofort die Damen des TuS Westerholz. Bislang haben Sie ausschließlich Herren-Mannschaften trainiert, oder?

Ja. Ich habe quasi zwei Trainer-Leben. Bisher war ich immer der Coach einer ersten Herren, war verantwortlich für diverse Teams – von der Kreisklasse bis zur Verbandsliga. Das würde ich als mein erstes Leben als Trainer bezeichnen. Nun habe ich allerdings vor einiger Zeit mein Faible für den Frauenfußball entdeckt, also startet jetzt mein zweites Leben auf dem Sportplatz.

Wie haben Sie das Interesse am Frauenfußball entdeckt?

Dafür muss ich erst ein bisschen ausholen. Also: Vor ungefähr einem Jahr habe ich mir einen großen Traum erfüllt. Ich habe ein berufsbegleitendes Studium im Fußballmanagement an der Steinbeis-Hochschule Berlin am Standort Wolfsburg – also direkt im Campus an der Volkswagen Arena – angefangen. Irgendwann musste ich mich entscheiden, über welches Thema ich meine Abschlussarbeit schreibe. Da mich die Damen des VfL Wolfsburg und auch unsere Dozentin Kathrin Lehmann sehr beeindruckt haben, habe ich mich dazu entschieden, den Frauenfußball zum Thema meiner Abschlussarbeit zu machen.

Und das Wissen darüber hat Sie umdenken lassen?

Ja. Inzwischen sehe ich Frauenfußball als eine ganz eigene Sportdisziplin an. Es ist völlig anders als Herrenfußball – alleine schon aufgrund der unterschiedlichen physionomischen Voraussetzungen bei Frauen und Männern. Ein Freund, der auch ein Damen-Team trainiert, hat mir einmal gesagt: „Der Unterschied ist, dass die Frauen anständiger miteinander umgehen.“ Diesen Satz habe ich bis heute nicht vergessen. Da ist wahnsinnig viel Wahres dran. Es war für mich eine wegweisende Erfahrung.

Daher haben Sie sich entschieden, auch als Damen-Trainer beim TuS Westerholz durchzustarten?

Genau, und weil ich wieder im höherklassigen Leistungsbereich trainieren möchte. Ich bin sehr ehrgeizig, daher wäre ich gerne auch mit den Mädels in die Oberliga gegangen. Aber sie haben mir ihre Entscheidung erklärt, und ich kann’s inzwischen auch verstehen.

Wie begründet das Team denn diesen Entschluss?

Es gibt zwei Gründe, die ausschlaggebend sind. Zum einen werden mit Imke Schröder (Fußverletzung, Anm. d. Red.) und Sarah Lucka-Lahde (private Gründe, Anm. d. Red.) zwei absolute Leistungsträgerinnen erst einmal pausieren. Das ist natürlich wahnsinnig schade. Zum anderen haben wir bald ein Problem im Tor. Tabea Albers arbeitet und studiert bald in Bonn und steht uns dafür nur noch sehr begrenzt zur Verfügung.

Wie stehen denn die Chancen, dass Sie es Ihrem Vorgänger Patrik Czichos, der ja mit der Mannschaft das Double geholt hat, nachmachen?

Erst einmal möchte ich Patrik Czichos ein riesiges Kompliment machen. Es ist großartig, was er erreicht hat. Meister und Pokalsieger? Da kriege ich Gänsehaut. Er hat sensationelle Arbeit geleistet und es ist mir ein besonderes Bedürfnis, ihn das auch wissen zu lassen. Allerdings denke ich nicht, dass es realistisch ist, mit dem Ziel in die Saison zu gehen, Meister zu werden. Dafür dürfte die Liga in der neuen Spielzeit zu stark sein.

Jeder gute Trainer hat eine klar erkennbare Handschrift ... Wie sieht Ihre aus?

Meine Spielphilosophie habe ich mir im Laufe meiner Trainertätigkeit angeeignet und sie ist – wie ich denke – einfach zu verstehen: Ich möchte, dass mutig Fußball gespielt wird. Das bedeutet, dass auch Fehler ausdrücklich erlaubt sind. Wenn die Mädels keine Fehler machen dürfen, spielen sie ja nie den Risikopass, den es manchmal braucht. Ich gewinne lieber 5:4 als 1:0, das macht den Fußball doch aus.

Fühlen Sie sich deshalb beim TuS Westerholz so wohl? Schließlich lebt der Verein bekanntlich für den Sport ...

Auf jeden Fall. In meinen Augen ist Westerholz ein gallisches Dorf, das mich schlicht und einfach elektrisiert. Fritz Rathjen (Friedrich Rathjen, Anm. d. Red.) ist eine Legende und der TuS Westerholz ist im niedersächsischen Frauenfußball eine echte Hausnummer.

Wie sieht’s denn für Sie mit einer Co-Trainer beziehungsweise einem Co-Trainer aus? Bekommen Sie da Unterstützung?

Ja, das ist für mich auch ein wichtiger Punkt. Schließlich ist der Co so etwas wie die Seele im Team. Ich wollte gerne eine Co-Trainerin haben, die im Verein verankert ist, die Mädels kennt und selbst für die Blau-Weißen aufgelaufen ist. Ich hatte da die ganze Zeit Marleen „Malle“ Delventhal im Hinterkopf. Als ich sie gefragt und ihr die Aufgaben erläutert habe, war sie sofort Feuer und Flamme. Sie hat ein absolutes Trainer-Gen und wird auch Kapitänin bleiben. Außerdem kommt das Westerholzer Urgestein Nadine „Dino“ Bassen im Laufe der Rückrunde als weitere Co-Trainerin dazu. Das ist wirklich eine hervorragende Kombination.

Ist mit so viel Zuversicht nicht vielleicht doch ein weiterer Titel drin?

Oh man (lacht). Wir haben auf jeden Fall große Lust, oben mitzuspielen. Vielleicht schaffen wir es ja, die eine oder andere Mannschaft zu ärgern.

Von Lea Oetjen

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Verstappen überrascht Mercedes - Vettel motzt in Silverstone

Verstappen überrascht Mercedes - Vettel motzt in Silverstone

Fotostrecke: Werder-Sieg gegen Eintracht Braunschweig - Zurück im Wettkampfmodus

Fotostrecke: Werder-Sieg gegen Eintracht Braunschweig - Zurück im Wettkampfmodus

Beirut: Gewalt bei Protesten - Premier schlägt Neuwahlen vor

Beirut: Gewalt bei Protesten - Premier schlägt Neuwahlen vor

38,2 Grad am Samstag - und die Hitze bleibt

38,2 Grad am Samstag - und die Hitze bleibt

Meistgelesene Artikel

Graf lässt den Nachwuchs schwitzen

Graf lässt den Nachwuchs schwitzen

Kiel-Brüder wechseln in die 1. Kreisklasse

Kiel-Brüder wechseln in die 1. Kreisklasse

Lohmann ist die Nummer zehn

Lohmann ist die Nummer zehn

„Vissel“ startet gegen Oyten, Sottrum ist spielfrei

„Vissel“ startet gegen Oyten, Sottrum ist spielfrei

Kommentare