Nach Regelverstoß im Derby

Schiedsrichter räumt Fehler ein - Sportgericht entscheidet über Wiederholung zwischen RSV und Uphusen

Referee Jens Kampling (M.) musste sich einiges anhören, gestand später aber seinen Fehler ein.
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Referee Jens Kampling (M.) musste sich einiges anhören, gestand später aber seinen Fehler ein.

Rotenburg/Uphusen – Am Montagvormittag ging die Post raus – an die zuständigen Stellen des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV). Der Rotenburger SV hatte seinen Einspruch gegen die Wertung des mit 2:3 verlorenen Heimspiels der Fußball-Oberliga gegen den TB Uphusen formuliert. Doch der Schiedsrichter der Partie war schneller gewesen. Bereits am Sonntagabend hatte Jens Kampling (SV Herbrum) per Mail Burkhard Walden informiert. „Er hat den Regelverstoß zugegeben und bestätigt, dass er sich vertan hat“, berichtete der Oberliga-Spielleiter auf Nachfrage. Der Unparteiische hatte Uphusens Burak Yigit die zweite Gelbe Karte gezeigt, ohne den Abwehrspieler des Feldes zu verweisen. Kurz darauf erzielten die Gäste das 3:1.

Die Bildaufnahmen geben dem RSV recht – auch Kampling erkannte das an. „Hut ab vor dem Schiedsrichter. Das zeigt Größe – egal, was jetzt dabei herumkommt“, bemerkte Rotenburgs Sportlicher Leiter Torsten Krieg-Hasch, als er davon durch unsere Zeitung erfuhr. „Die Beweislage war aber auch eindeutig.“ Der Referee hatte nach unseren Informationen bei der zweiten Gelben Karte wegen Zeitspiels nicht die Trikotnummer sechs von Yigit notiert, sondern die 16 des kurz vorher eingewechselten Elario Ghassan, der sich offenbar aber gar nicht in der Nähe der Szene aufgehalten hatte. Somit droht Yigit eine Spielsperre.

Expertenmeinung

Wiegand: „Der Regelverstoß muss spielentscheidend sein“

Der Rotenburger Rüdiger Wiegand ist ein erfahrener Sportrichter. Seit etlichen Jahren ist er Vorsitzender des Fußball-Bezirkssportgerichts. Zu den Erfolgsaussichten des Rotenburger SV vor dem Verbandssportgericht äußert er sich allerdings zurückhaltend. „Ich kann die Argumentation des RSV verstehen, ein Regelverstoß dürfte sicher vorliegen. Aber er muss spielentscheidend sein. Und das ist Auslegungssache.“ Ob der RSV gegen den TB Uphusen in Überzahl bei noch sieben zu spielenden Minuten plus Nachspielzeit den Ausgleich erzielt hätte, sei Spekulation. Deshalb sei auf Bezirksebene manchen Einsprüchen bei Regelverstößen nicht stattgegeben worden. „Eindeutig ist es nur, wenn durch einen Regelverstoß ein Tor gefallen ist“, meint Wiegand. So wie in einem Fall, als der Unparteiische in der Nachspielzeit fälschlicherweise auf Handelfmeter statt Wiederholung des Freistoßes entschieden hätte. Im aktuellen Fall gehe es um eine Neuansetzung oder eine endgültige Wertung des Ergebnisses – „andere Möglichkeiten gibt es nicht.“ maf

Der Fall landet nun beim Verbandssportgericht. „Der Regelverstoß ist unstrittig“, meinte Walden in seiner ersten Beurteilung und ergänzte: „Meine persönliche Einschätzung ist, dass so ein Spiel wiederholt werden muss – vielleicht interpretiert das Sportgericht es aber anders.“ Die Rotenburger berufen sich bei ihrem Einspruch auf Paragraph 16 der Rechts- und Verfahrensordnung des NFV. Dort heißt es: „Der Protest kann sich nur auf einen den Spielausgang nachteilig beeinflussenden Regelverstoß des Schiedsrichters stützen, wenn dieser die Spielwertung als verloren oder unentschieden mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat.“ Da es zum Zeitpunkt der entscheidenden Szene in der 83. Minute 1:2 aus Sicht der Platzherren stand, wäre in Überzahl ein Remis im Bereich des Machbaren gewesen.

Beim TB Uphusen kam der Einspruch freilich weniger gut an. Allerdings blieb der Verein in der Bewertung defensiv und vermied es, die Stimmung anzuheizen. „Wir halten uns bedeckt und lassen es auf uns zukommen. Wir sehen es allerdings als Tatsachenentscheidung an. Es ist im Spiel passiert“, erklärte Uphusens Fußball-Boss Ingo Paul. Bei einer Tatsachenentscheidung würde alles bleiben wie es ist, bei einem Regelverstoß des Schiedsrichters vieles auf eine Wiederholung hinauslaufen. Gleichwohl zeigt Paul Verständnis: „Wir würden es wahrscheinlich genauso machen, wenn wir uns sicher wären. Gerade in so einer engen Saison.“ Der Turnerbund hatte vergangene Saison ebenfalls Einspruch gegen eine Spielwertung eingelegt. Kurz vor der Corona-Auszeit im März war es nach dem 3:3 beim TuS Bersenbrück, weil die Gastgeber einen Spieler eingewechselt hatten, der nicht im Spielbericht eingetragen war. Paul: „Da haben wir bis heute keine Antwort bekommen.“ Das dürfte dieses Mal nicht passieren.

Von Matthias Freese

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